Vaihingen (elf). Sie ist wohl der Höhepunkt schlechthin beim Vaihinger Maientag: die Rondellfeier. Traditionelle Elemente wie Flößerlied und Flößertanz, der Lauf nach dem Maien oder das Maientagsgedicht „D’ zit isch do“ locken die Besucher in Massen zur Platane hinter dem Sportplatz am Egelsee. Gestern allerdings wurde unfreiwillig mit einer Tradition gebrochen.
Im Lauf nach dem Maien treten Vaihinger Grundschüler gegeneinander an und erhalten traditionell das früher wertvolle Schreibpapier als Preis. In diesem Programmpunkt kommt noch der alte Ursprung des Vaihinger Maientags zum Ausdruck. Dabei rennen die Kinder seit einigen Jahren um die Flößer herum, die einen großen Kreis um die Platane bilden. Auf den rund 100 Metern hat es schon viele spannende Rennen und so manche spektakuläre Ausrutscher gegeben. Nicht so bei der gestrigen Rondellfeier. Waren die Kinder nicht fit genug oder die Schlossbergschule schlecht beraten? Statt außerhalb des von den Flößern gebildeten Kreises sprinteten die Kinder nämlich innerhalb des Spaliers einmal um die Platane herum und das auch noch entgegen der gewohnten Richtung. Wer innen startete, hatte so gerade Mal zehn Meter zu rennen. Schnell machte sich Verwunderung bei den Zuschauern breit. So ist der Lauf nach dem Maien recht unspektakulär verlaufen und war auch schnell vorbei. „Wir haben einen Sieger – das ist das Wichtigste“, sagte Moderatorin Gudrun Breitinger hinterher. Bleibt noch zu erwähnen, dass sich die neunjährige Celina Bönisch durchsetzte und die Konkurrenz hinter sich ließ.
Genau 11.10 Uhr war es, als der Musikverein Vaihingen lautstark ins Rondell einzog und die restlichen Teilnehmergruppen des Festumzugs mitbrachte. 25 Minuten dauerte es, bis jeder seinen Platz gefunden hatte. Der MVV sorgte derweil für den richtigen Ton. Die Festrede durfte in diesem Jahr Johannes Rau von der zwölften Klasse des Stromberg-Gymnasiums halten. Er machte sich Gedanken zum Maientagsmotto, der chinesischen Weisheit: „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln“. Zu diesem Lächeln benötige es die richtige Einstellung, fand Rau. „Und dann sollte es funktionieren: lächeln statt bruddeln, schmunzeln statt schimpfen und lachen statt brüllen.“ In einer schwierigen Situation benötige es der richtigen Einstellung und den Willen, Gutes daraus zu machen. Wenn man die Dinge positiv sehe und sich für seine Mitmenschen interessiere, könne man ihnen mit einem Lächeln begegnen. Rau: „Ein Lächeln hat Kraft, wenn es ehrlich ist und aus unserem Inneren kommt.“
Nach einem gemeinsamen Liedvortrag vom Löwenchor der Schlossbergschule und dem Männergesangverein trugen Zweitklässler der Vaihinger Grundschule das Maientagsgedicht „D’ zit isch do...“ nach Josef Reinhardt und Gustav Wirsching vor. „Beim Maientag hier im Rondell vergeht die Zeit nochmal so schnell“, meinten die Kinder der Ensinger Grundschule, die das Gedicht „In dieser Minute“, frei nach Eva Rechlin vortrugen. Das Gedicht „Frühling“ von Christine Nöstlinger hatten die Schüler der Enzweihinger Grundschule im Gepäck, während die Schlossbergschüler – von Flötenklängen unterstützt – „Ich träume mir ein Land“ von Erika Krause-Gebauer vortrugen.
Der alten Tradition des Flößertanzes widmeten sich die Schüler – vorwiegend waren es Schülerinnen – der beiden Vaihinger Gymnasien, der Ferdinand-Steinbeis-Realschule, der Ottmar-Mergenthaler-Realschule und der Schlossbergschule.
