Donnerstag, 24. Mai 2012

Bekenntnis zum Maientag




Der Maientag in Vaihingen wird eröffnet. Foto: Arning
Der Maientag in Vaihingen wird eröffnet. Foto: Arning

Vaihingen (elf) – Es ist in der Tat so, wie es alte Vaihinger immer wieder gerne betonen: Wenn Maientag ist, lacht über der Stadt unterm Kaltenstein der Himmel. Kein Wunder, dass auch an diesem Pfingstmontag wieder alle auf ihre Kosten gekommen sind: die Umzugsteilnehmer, die Besucher, die Festwirte, die Betreiber der Fahrgeschäfte und vor allem – die Kinder.
Es war gerade mal 8 Uhr. Der Maientag war noch nicht eröffnet. Doch Oberbürgermeister Gerd Maisch drückte bereits aufs Tempo: „Wir haben nicht viel Zeit“, sagte er zu den Ehrengästen, die er im Rathaus begrüßte, darunter Sozialministerin a.D. Annemarie Griesinger, den Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger (CDU) sowie die Landtagsabgeordneten Albrecht Fischer (CDU) und Wolfgang Stehmer (SPD). Grund für die Eile: Vor einem Jahr musste der OB Kritik einstecken, weil er zwei Minuten zu spät zur Eröffnung des traditionellen Kinderfestes auf dem Marktplatz kam. So stand er gestern pünktlich auf der Treppe, kam allerdings ein wenig zu spät, weil dieses Mal die Fanfarengruppe des Vaihinger Musikvereins mit kleiner Verzögerung auflief. Das Publikum nahm es nicht so genau und genoss unterdessen die lang ersehnte Frühlingssonne. „Petrus hat ein Einsehen mit Vaihingen, ihren Bürgern und ihrem Oberbürgermeister“, sagte Gerd Maisch. Der Maientag sei ein Fest, das das Leben lebenswert macht und auch in diesem Jahr wieder Anziehungspunkt für viele Tausend Leute. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stellen Feste immaterielle Werte dar, die es zu schützen gilt“, so Maisch. Ungewohnt düstere Töne schlug der OB an, indem er auf die Wirtschaftskrise und die damit verbundene „schwierigste Haushaltssituation der letzten Jahrzehnte“ zu sprechen kam. Umso mehr bekannte sich das Stadtoberhaupt zum „wichtigsten Fest in der Stadt“, das dazu beitragen würde, das man sich auch an den unscheinbaren Dingen erfreuen könne.
Eine gelungene Premiere beim Maientag feierte Dominik Koch, der Dirigent des Musikvereins Vaihingen. Als hätte er noch nie etwas anderes gemacht, führte er den MVV beim Umzug nicht nur an, sondern warnte auch vor herumliegenden Pferdeäpfeln. Lauten Applaus ernteten die Vaihinger Musiker bereits bei der Shell-Tankstelle, Ecke Franckstraße/Heilbronner Straße, wo die erste große Zuschauermenge stand, um den Festumzug zu bewundern. Die meisten Leute fanden sich einmal mehr in der Grabenstraße ein. Zu Hunderten bejubelten sie dort die rund 3000 Festzugsteilnehmer mit den vielen geschmückten Wagen.
Während die Zuschauer in der Heilbronner- und der Grabenstraße bereits voll auf ihre Kosten kamen, musste man in der Fußgängerzone und auf dem Marktplatz noch etwas Geduld aufbringen. Am ungeduldigsten waren die Kinder, die allerdings weniger am Festumzug selbst, als an den Dingen interessiert waren, die so durch die Luft geworfen wurden: Bonbons, Gummibärchen, Tennisbälle, Rosen - wer ein sicheres Händchen hatte und flink war, konnte sich seine Hosentaschen vollstopfen. „Sie kommen“ hieß dann das Startsignal für alle kleinen Süßis-Jäger.
So ein Festumzug macht durstig – und zwar nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Zuschauer. Die griechische Schule hatte sich darauf eingestellt und versorgte die Wartenden an der Straße mit Hochprozentigem. Ob bei den Griechen auch Andreas Schuller zu seinem Recht kam? Er begleitete als Narr verkleidet den Wagen „Kaiser Karl V. besucht Vaihingen“ – ein Beitrag des Vereins Vaihinger Aktion Innenstadt – und hatte am Ende auf dem Marktplatz angekommen eine trockene Kehle. „Jetzt brauche ich etwas zu trinken“, stellte er fest, schlängelte sich aber durch den langen Festumzug, um Minuten später inmitten des Männergesangvereins „Hoch auf dem gelben Wagen zu trällern“. Wenn Schuller es noch bis zur Kirche geschafft hat, gab es auch das verdiente Getränk, denn die Helfer der Stadt schenkten erfrischendes Apfelsaftschorle aus.
Der ökumenische Gottesdienst zum Thema „Gottes Lächeln befreit“ in der Stadtkirche wurde einmal mehr von den Pfarrern Thomas Moser (evangelische Kirche) und Ludwig Zuber (katholische Kirche) sowie von Pastor Johannes Browa (evangelisch-methodistischen Kirche) gehalten. Mit Liedern wie „Danke für diesen guten Morgen“, „Laudatio si“ und dem Kindermutmachlied sorgten sie für eine abwechslungsreiche und kindgerechte Feier.
Nach der anschließenden Rondellfeier (Bericht auf Seite 11) folgte der große Sturm auf die gastronomische Bewirtung. Schnell waren die Plätze im Weinzelt Nonnenmacher, im Bistrozelt von Linda Ade sowie beim kroatischen Verein Mangelware. An den Imbisständen bildeten sich ebenso lange Schlangen wie bei den Fahrgeschäften. Da war es auch keine Frage, dass sich am Abend zur Abschlussfeier auf dem Marktplatz (Bericht in unserer morgigen Ausgabe) ebenfalls wieder zahlreiche Festteilnehmer einfanden. Klar, schließlich heißt es nur einmal im Jahr „’s isch Maiadag...!“






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