Vaihingen/Sersheim (aa). Es klingt etwas sonderbar. Doch der Grund für das Projekt, das die Stadt Vaihingen rund 380 000 Euro kosten wird, ist letztlich einleuchtend. Abwasser aus Gündelbach und Horrheim soll in Sersheim nach Regenfällen nicht die Metter verschmutzen. Deshalb muss eine Umleitung gebaut werden. Der „Bypass“ wird vom Landratsamt Ludwigsburg schon seit vielen Jahren gefordert. Die Abwässer des Vaihinger Ortsteils Horrheim wurden seit 1972 durch das Ortskanalnetz der Gemeinde Sersheim zur damaligen Kläranlage Sersheim geleitet. Die ehemalige Gemeinde Horrheim hatte sich entsprechend an der Kläranlage und dem Kanalnetz der Gemeinde Sersheim beteiligt. Im Zuge des Anschlusses von Gündelbach und der Deponie Burghof wurde ein Kanalbau von Sersheim nach Sachsenheim notwendig, so dass ab diesem Zeitpunkt ein Teil des Abwassers auf der Kläranlage Sersheim und der andere Teil des Abwassers auf der Kläranlage Nesselwörth gereinigt wurde. Seit Aufgabe der Kläranlage Sersheim 1992 erfolgt die gesamte Abwasserreinigung für Horrheim und Gündelbach auf der Kläranlage Nesselwörth. Die Ortslagen Horrheim und Gündelbach werden weitestgehend im Mischsystem entwässert. Das bedeutet, dass bei starken Regenfällen an sogenannten Regenüberlaufbecken verdünntes Mischwasser in die Metter gelangt. Regenüberlaufbecken sind so konzipiert, dass das bei Regenwetter anfänglich stark verschmutzte Abwasser aufgefangen und zur Kläranlage geleitet wird, während das bei länger andauerndem Regen sehr stark verdünnte Mischwasser bei Vollfüllung des Beckens ins Gewässer gelangt. Im Regenwetterfall ist das Abwasser aus Horrheim und Gündelbach schon über Regenüberlaufbecken gelaufen und deshalb stärker verschmutzt. In Sersheim vermischt sich dieses Abwasser mit dem „dünnen“ Regenwasserabfluss aus der Ortskanalisation und läuft am Ende der Ortslage Sersheim über ein Regenüberlaufbecken, so dass im Entlastungsfall „dickes“ Abwasser aus Horrheim und Gündelbach mit „dünnem“ Abwasser aus Sersheim in die Metter gelangt. Aus diesem Grund fordert das Landratsamt schon seit vielen Jahren den Bau eines Umgehungssammlers, mit dem das Abwasser aus Gündelbach und Horrheim an Sersheim vorbei geleitet und erst nach der Entlastung mit diesem zusammengeführt wird. 2004 wurde der erste Planungsentwurf für den Bau des Parallelsammlers vorgelegt. Auf Basis dieser Planung ergaben sich für den Sammler Kosten in Höhe von 433 000 Euro. Mit der Gemeinde Sersheim wurden erste Gespräche bezüglich Kostenverteilung geführt. Im Juli 2009 gab es dann den ersten schriftlich formulierten Vorschlag der Gemeinde Sersheim beziehungsweise VES (Ver- und Entsorgungsgesellschaft mbH Sersheim) zur Kostenverteilung und Abwicklung der Baumaßnahme. Darin wurden für Vaihingen 433 000 Euro Kostenbeteiligung genannt. In den weiteren Verhandlungen, in denen auch die historische Entwicklung des bestehenden Kanals berücksichtigt wurde, konnten die Kosten für Vaihingen deutlich reduziert werden. Dies war auch zusätzlich durch eine Umplanung der Kanaltrasse möglich. Im Ergebnis sieht der aktuelle Vertragsvorschlag für Vaihingen als Baukosten 380 000 Euro vor. Dem stehen Rückabwicklungen der VES an die Stadt Vaihingen von 50 693 Euro gegenüber. Es ist das Ziel der VES, den 815 Meter langen Kanal noch im Jahr 2010 zu bauen.