Käufer für die TVV-Tennishalle gefunden
Vaihingen (rkü). Die Tennishalle des TV Vaihingen an der Walter-de-Pay-Straße hat einen neuen Besitzer gefunden. Familie Gabriel will das Gebäude und das Grundstück kaufen und an diesem Standort künftig eine Kombination aus Tennishalle und Fitnessstudio betreiben. Eventuell soll es auch noch weitere Angebote geben.
Vor 20 Jahren hat der TV Vaihingen gemeinsam mit einem privaten Investor 2,1 Millionen Mark aufgebracht, um eine Tennishalle zu bauen. Seitdem schoben Verein und Investor, rechtlich verbunden als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), einen Riesenberg Schulden vor sich her. Denn mit Abklingen des durch Boris Becker und Steffi Graf ausgelösten Tennisbooms war die Auslastung der Halle nicht so hoch, wie sich dies die Investoren gewünscht hätten. So reichten die Einnahmen gerade einmal, um die Zinsen zu zahlen, aber nicht für große Tilgungsraten. Darum wurde schon seit Jahren eine tragfähige Lösung für die Halle gesucht, die sich für den TVV zunehmend als Klotz am Bein erwies. Nachdem die Stadt abgewunken hatte und sich Familie Gabriel ohnehin schon seit längerer Zeit nach einem Standort für ein weiteres Fitnessstudio umschaute, kam wieder Bewegung in die Sache.
„Zweieinhalb Monate intensive Verhandlungen mit der GbR und der Erbengemeinschaft, die das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung gestellt hat – jetzt sind wir uns einig geworden“, verkündete gestern Siegfried Gabriel. Über die Höhe des Kaufpreises wollte er nichts sagen. Nur so viel: „Bei den Gesprächen mit dem Verein gab es eine sehr angenehme Gesprächsatmosphäre und ich glaube, beide Seiten können zufrieden sein.“ Die Parteien seien einig, der Notartermin für den Kauf stehe aber noch bevor.
Einigkeit bestätigte seitens des TV Vaihingen auch Friedrich Wahl, ehemaliges Vorstandsmitglied und zuständig für die Halle. Die Vereinsspitze müsse dem Verkauf allerdings noch formell zustimmen.
Künftig soll es in der 20 Jahre alten Halle zwei große Bereiche geben: Tennis und Fitness. Angelika Gabriel, intime Kennerin der Tennisszene in der Region, hat bereits Kontakt mit vielen bisherigen Nutzern der Tennishalle aufgenommen. Dabei ist sie nach eigenem Bekunden auf durchweg positive Resonanz gestoßen. „Anfang Oktober wollen wir fertig sein“, sagt sie. Dann sollen noch zwei Tennisfelder zur Verfügung stehen. Für drei gab es zu wenig Auslastung. Darum wird ein Feld mit einer Plexiglaswand abgetrennt. Das bedeutet freie Sicht und gleichzeitig eine wirkungsvolle Abschirmung gegen Geräusche. Hinter dieser Wand entsteht in den kommenden Monaten an Stelle des Tennisfelds ein Fitnessbereich. Dieser wird von Thomas Gabriel betreut, der Sportwissenschaften studiert hat. „Wir haben dann einen großen Kardiobereich mit Angeboten zur Stärkung von Herz und Kreislauf, ein vielfältiges Geräteangebot und eventuell auch ein Zirkeltraining“, sagt Thomas Gabriel. Neben dem allgemeinen Krafttraining liege ein Schwerpunkt auf dem gesundheitsorientierten Kraft- und Ausdauertraining.
Geplant ist ein „Fitness-Discount-Studio mit einer sehr geringen Monatsgebühr für Dauernutzer“, sagt Siegfried Gabriel. „Dafür bieten wir keinen Wellnessbereich, keine Sauna und im Rahmen dieser Gebühr auch keine Kurse an.“ Das Fitnessstudio, das Familie Gabriel seit Jahren in gemieteten Räumen in Ingersheim betreibt, soll weiter bestehen.
Was die weitere Nutzung der Immobilie angeht, ist noch nicht alles in trockenen Tüchern. Momentan laufen noch die Planungen mit Architekt Rainer Imle, der auch beim Bau im Jahr 1990 tätig war, damals für die GbR. „Die Raumaufteilung, die Einrichtung eines zweiten Rettungswegs und viele andere Details müssen wir noch klären“, sagt Siegfried Gabriel. Darum sei auch noch nicht endgültig entschieden, wie viele der drei vorhandenen Squash-Courts auf Dauer erhalten bleiben. „Vielleicht werden einer oder mehrere umgebaut, vielleicht können wir sie aber auch belassen und dann wahlweise für Squash oder für Kurse nutzen.“
Gesichert sei jedenfalls der Fortbestand der Gaststätte in dem Komplex. Und auch die Geschäftsstelle des TV Vaihingen soll weiterhin dort untergebracht sein. „Für den Turnverein ändert sich lediglich, dass nicht mehr die GbR als Vermieter auftritt, sondern die Familie Gabriel“, erläutert Siegfried Gabriel. Das sei dem TVV bei den Vertragsverhandlungen sehr wichtig gewesen und es spreche nichts dagegen.
Das Grundstück im Egelsee umfasst etwa 7000 Quadratmeter. Davon ist gut ein Drittel bebaut. Erweiterungsflächen sind also vorhanden – egal ob es um eine moderate Vergrößerung der Halle oder um zusätzliche Angebote im Freien geht. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal muss das Gebäude den neuen Anforderungen entsprechend umgebaut werden. „Für den Fitnessbereich brauchen wir einen neuen Boden, außerdem sind Umkleiden nötig. Zum Glück ist die Bausubstanz in der 20 Jahre alten Halle stabil“, sagt Siegfried Gabriel. Für zusätzliche Angebote sieht er momentan nur wenig Spielraum. Sein Zeitplan: „Wenn Nutzungsänderung und Baugesuch durch sind, wird schrittweise umgebaut. Parallel dazu läuft der gewohnte Betrieb weiter. Und im Herbst wollen wir fertig sein.“
