Vaihingen (aa). Oberbürgermeister Gerd Maisch gibt sich ganz entspannt. „Es wird ein ganz normaler Maientag“, meint er in der Vorschau auf das jetzt anstehende zentrale Fest unterm Vaihinger Kaltenstein. „Wir hoffen auf schönes Wetter“, sagt der OB. Seine persönliche Referentin Martina Fischer will vom Hoffen gar nichts wissen. „Es wird schön“, sagt sie voller Überzeugung. Sie muss es wissen, denn im Gegensatz zum OB, der erst seinen vierten Maientag in offizieller Mission absolviert, ist sie schon als Kind mit eingebunden gewesen. „Ich wurde allerdings gleich vom Maientagsvirus infiziert“, erzählt der OB. Und er hofft, dass auch sein Wirtschaftsförderer Heiko Deichmann, der das Nationalfest zum ersten Mal mitmacht, sich dem Flair der Veranstaltungen an Pfingsten nicht entziehen kann. Deichmann verspricht schon mal: „Ich mach alles mit.“ So wird er zum Beispiel am Samstagmorgen auch mithelfen, wenn die Birken ausgeteilt werden, denn der ehemalige Stadtkämmerer Jürgen Liegmann musste aus gesundheitlichen Gründen passen. Der Vaihinger Maientag gilt als eines der ältesten Kinderfeste in Baden-Württemberg. Erstmals ist er 1687 nachgewiesen. Zuvor war man von 1706 ausgegangen und hatte dann 1956 (250. Fest) mit der Zählung begonnen. Doch die Kinder wurden schon früher „in den Maien“ geführt, weshalb die Nummerierung 1987 wieder abgeschafft wurde. Der Pfingstmontag ist traditionell der Haupttag. Doch vorgeschaltet sind zahlreiche Veranstaltungen, die nicht mehr wegzudenken sind. Bereits ab Freitag spielt der Musikverein, ein ganz wichtiger Baustein des Maientags, seine Ständchen im Stadtgebiet. Am Samstagnachmittag (14.30 Uhr) werden die Senioren ins Weinzelt Nonnenmacher eingeladen. Die Resonanz wird allerdings von Jahr zu Jahr geringer. „Auf Dauer müssen wir uns da sicher Gedanken machen“, meint Gerd Maisch. Parallel gibt es das „Konzert für Kinder“ in der Sporthalle am Alten Postweg, das im Gegensatz zum Treffen der Senioren ein echter Hit ist. „Die Weinprobe hätte in den letzten Jahren mehr Besucher vertragen“, erinnert sich der OB. Diesmal werden am Samstagabend in der Stadthalle 13 Weine (einer aus der Partnerstadt Köszeg) ausgeschenkt. Gewürzt wird die Probe mit dem „Deutschen Michel“: Der Kabarettist Hans-Dieter Willisch gibt sich die Ehre. Man darf gespannt sein, was der Kurpfälzer unterm Kaltenstein abstellen wird. Kunstausstellung im Pulverturm, Matinee der CJD Jugendmusikschule in der Peterkirche, ein Rundgang mit dem Verein Innenhof, das Platzkonzert des Musikvereins Vaihingen und das Konzert zum Maientag des Kammerorchesters Vaihingen sind Schwerpunkt des Sonntags. Dann der Haupttag. Man wird ohne Mühe wach, wenn einen der Musikverein ab halb fünf in den Festtakt bringt. Gibt es besondere Gäste? Günther Oettinger ist zwar eingeladen worden, abgesagt hat er jedoch noch nicht. Mit Stefan Mappus ist nicht zu rechnen. Das Grußwort auf dem Marktplatz wird Paul Rodach halten. Der geschäftsführende Schulleiter der Vaihinger Grund-, Haupt- und Realschulen, ist ein alter Maientagskämpfer. Seit 1974 ist er als Lehrer und Rektor dabei. Er war sich auch nicht zu schade, selbst schon beim Flößertanz mitzuwirken. Der Festzug wird wie gehabt um 9 Uhr in der Steinbeisstraße auf die Reise geschickt. 87 Gruppen mit rund 3000 Teilnehmern sind mit dabei. Dargestellt wird ein Streifzug durch die Geschichte, wobei motorgetriebene Fahrzeuge traditionell nicht zugelassen sind. Vom Keltenfürsten über den Grafen Gottfried von Vaihingen bis hin zu den berühmten Lateinschülern Hiller, Brenz und Abel sind alle historischen Persönlichkeiten vertreten, die in der Geschichte der Stadt Rang und Namen hatten. Kaiser Karl V. kommt wieder – und auch Sänger aus Aurich Im letzten Jahr hatte die Festzugsgruppe „Kaiser Karl V. besucht Vaihingen“ für enormes Aufsehen gesorgt; in diesem Jahr wird die Gruppe verstärkt durch Herzog Ulrich von Württemberg und seine Gemahlin Sabine von Bayern. Zu den Festzugsteilnehmern gehört auch der Männerchor „Frisia“ aus dem ostfriesischen Aurich, der zu Gast im Vaihinger Aurich ist. Und auch eine Tanzformation („Dance Jam“) aus der ungarischen Partnerstadt Köszeg hat sich angesagt. Elf Musikkapellen werden den Umzug zum Klingen bringen. Der Festgottesdienst zur Halbzeit des Festumzugs ist eine Vaihinger Besonderheit, die immer wieder auch Anlass zu Diskussionen gibt, denn nach dem Kirchgang wirkt der Lindwurm doch arg zerrupft. Das Thema in der evangelischen Stadtkirche lautet diesmal „Gottes Lächeln befreit“. Bis gegen halb zwölf sollte sich dann auch im Rondell etwas tun. Die Mädchen und Jungen aus den Vaihinger Schulen proben seit Wochen Gedichte, Lieder und vor allem den Flößertanz. Johannes Rau, Schüler des Stromberg-Gymnasiums, hat sich mit dem Maientagsmotto „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln“ beschäftigt und wird die Gäste im Rondell an seinen Gedanken teilhaben lassen. Und es warten natürlich alle auf das berühmte Gedicht „D’Zit isch do“. Die Schlussfeier auf dem Marktplatz (19 Uhr) wird diesmal noch durch höfische Tänze der VAI-Gruppe eingeleitet. Dann dankt der OB verdienten Mitwirkenden. Und schließlich wird auch der Herrgott nicht gegessen, wenn das „Nun danket alle Gott“ erklingt. Der Festplatz steht wie gehabt unter der Regie der Familie Roschmann. Das Riesenrad steht bereits, die Achterbahn ist am Werden. Dazu gibt es eine Fülle von Schaugeschäften – wer darauf steht, kann hier sein Geld los werden. Wenn auch der Bierpreis noch interessiert: Im Bistrozelt sind 7,70 Euro für das Maß und 3,90 Euro für die Halbe zu bezahlen. Bei aller Vorfreude auf den Maientag, der am Dienstag wieder mit einem Feuerwerk beziehungsweise mit dem Absingen um Mitternacht endet: Heute muss erst noch eine umfangreiche Gemeinderatssitzung absolviert werden. Mit spannenden Themen ohne Festcharakter. Mehr zum Maientag am Samstag auf unseren Sonderseiten.
