Ludwigsburg (aa). Die Überschuldung von Privathaushalten ist seit Jahren ein wichtiges Thema, das vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation immer mehr an Brisanz gewinnt. In den letzten Jahren wurde vor allem sichtbar, dass die Überschuldung tendenziell weiblicher und auch älter wird. Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde die Schuldnerberatung vor 24 Jahren als halbe Stelle im Landratsamt Ludwigsburg eingerichtet. Inzwischen sind hier drei Juristen und eine Sozialarbeiterin eingesetzt. Angeboten wird die Schuldnerberatung inzwischen in einer Vernetzung mit der Sozialberatung Ludwigsburg e.V. und dem Verband der evangelischen Kirchenbezirke im Landkreis Ludwigsburg. Die Schuldnerberatung des Kreisdiakonieverbandes ist in der diakonischen Bezirksstelle Vaihingen in der Heilbronner Straße angesiedelt. Über die Arbeit der drei Einrichtungen wurde gestern in der Sitzung des Sozialausschusses des Kreistags Ludwigsburg informiert. Von einer Nachfrage auf hohem Niveau berichtet die Beratungsstelle im Landratsamt. 639 Anfragen hat es 2009 gegeben. Drei Anfragen kamen aus Vaihingen, zehn aus Sachsenheim, eine aus Sersheim, zwei aus Eberdingen, eine aus Oberriexingen. Die Wartezeit zwischen Kurzberatung und Aufnahme liegt bei zwölf Monaten! 322 Personen erhielten eine Kurzberatung, 379 wurden begleitet. Bei 144 Personen wurde die Beratung abgeschlossen, bei 52 Prozent erfolgreich. 30 Prozent haben ausschließlich die Kurzberatung in Anspruch genommen. Bei neun Prozent der Fälle gabe es keine Hilfe – die Personen wurden aufgrund mangelnder Mitarbeit wieder entlassen.. Die durchschnittliche Verschuldung lag bei rund 20 000 Euro, bei den bis 25-Jährigen sind es durchschnittlilch 5000 Euro Schulden,. Zum Jahresende waren 235 Personen in der Beratung. Bestätigt haben sich drei Trends aus den Vorjahren: Waren 2005 noch 45 Prozent der „Kunden“ weiblich, so sind es inzwischen 51 Prozent, was vor allem die jüngeren Altersgruppen betrifft. Angestiegen ist der Anteil der über 60-Jährigen. 2005 waren es noch fünf Prozent, inzwischen sind es zwölf Prozent. Und es fällt auf, dass vermehrt Anfragen von Schuldnern mit vielen Gläubigeren anfallen. 33 Personen hatten im letzten Jahr 20 und mehr Gläubiger, davon sechs sogar über 40. Viele Menschen sind in einem erhöhten Maß von Armut betroffen, die die Existenz gefährdet. Die Sicherung des Lebensunterhalts (Wohnraum, Energie, lebensnotwendige Anschaffungen) nimmt zwischenzeitlich einen großen Raum ein und benötigt einen entsprechend hohen Anteil an Beratungszeit. Zum Teil ein hohes Aggressivitätspotenzial Der soziale Umgang mit dem Schuldner ist zum Teil erschwert. „Wir haben vermehrt Kontakt mit Menschen, die ein hohes Aggressivitätspotenzial oder andere herausfordernde Verhaltensweisen haben“, sagen die Berater. Die Vernetzung mit anderen sozialen Diensten wird deshalb verstärkt umgesetzt. Die Schuldnerberatungsstelle war 2009 mit drei Juristen und einer Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin besetzt. Der Stellenumfang belief sich auf insgesamt 2,75 Stellen. Für 2010 ist eine Aufstockung auf 3,25 Personalstellen geplant. Zusätzlich wurde über die Finanzierung der Kreissparkasse und der Volksbanken eine Stelle für Schuldenpräventionsarbeit für Kinder und Jugendliche angeboten. Beraten werden überschuldete Menschen aus dem Landkreis Ludwigsburg, deren Schulden nicht aus Selbstständigkeit oder Immobilienfinanzierung entstanden sind. Eine Überschuldung liegt dann vor, wenn Einkommen und Vermögen aller Haushaltsmitglieder über einen längeren Zeitraum trotz Reduzierung des Lebensstandards nicht ausreicht, um fällige Forderungen zu begleichen. Wie läuft die Beratung ab? Nach Abgabe eines Fragebogens zur Schuldensituation wird ein Kurzberatungstermin vergeben. Die Wartezeit bis zu diesem Termin kann zwischen zwei und vier Wochen liegen. Im Kurzberatungsgespräch werden auch Maßnahmen zur Existenzsicherung ergriffen. Danach findet die Aufnahme in die Warteliste statt. In sehr dringenden Fällen kann auch eine direkte Aufnahme erfolgen. Für die Wartezeit steht die Schuldnerberatung in Krisenfällen oder akuten Situationen telefonisch und persönlich zur Verfügung. Diese Beratungsleistung ist aufgrund der aktuell langen Wartezeit häufig notwendig. Sobald ein Beratungsplatz frei ist, wird der Schuldner aufgenommen. Bei der Sozialberatung Ludwigsburg gab es 2009 einen enormen Zulauf; hier beträgt die Wartezeit zwischen sechs und neun Monaten. Insgesamt wurden 171 Fälle behandelt, zum Stichtag Ende 2009 waren noch 84 Personen in Beratung. Hier sieht der Geschlechterschnitt etwas anders aus, nämlich 31 Prozent (Frauen):69 Prozent (Männer). Die größte Zahl der Klienten ist zwischen 30 und 39 Jahre alt. 66 Fälle konnten erfolgreich abgeschlossen werden. In Vaihingen wird bei der Diakonie (Andreähaus in der Heilbronner Straße 19) spezialisierte Schuldnerberatung angeboten. Die Beratungsstelle wird von den evangelischen Kirchenbezirken im Landkreis Ludwigsburg gemeinsam getragen. Hier gab es 2009 insgesamt 127 Beratungen, 45 Fälle konnten im Laufe des Jahres abgeschlossen werden. Dabei gab es sieben außergerichtliche Vergleiche. Außerdem wurden 18 Bescheinigungen über das Scheitern außergerichtlicher Einigungsversuche ausgestellt und 14 Insolvenzanträge mit Klienten erstellt. Im Durchschnitt waren hier die Schuldner bei rund zehn Gläubigern mit einer Summe von 21000 Euro in der Kreide.
