Gündelbach (elf). Seit genau 101 Tagen ist der Gündelbacher Albrecht Fischer heute in seinem Amt als Landtagsabgeordneter und kann nach einem arbeitsreichen Vierteljahr eine positive Bilanz ziehen: „Ich wurde in der Fraktion bestens aufgenommen und bin auch inhaltlich angekommen.“
Der Weingärtner vom Weingut Sonnenhof kann sich noch sehr genau an den Tag erinnern, der seine politische Welt verändern sollte: Es war der 24. Oktober 2009, als er den Nachrichten im Radio vernommen hatte, dass der damalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg Günther Oettinger von Angela Merkel als EU-Kommissar vorgeschlagen worden war. Drei Tage später dann die Gewissheit: Oettinger kündigte an, sein Landtagsmandat abzugeben, womit der Weg für Albrecht Fischer frei war. „Nachdem ich bereits in der vierten Periode Zweitkandidat war, hatte ich nicht mehr damit gerechnet, noch ein Abgeordnetenmandat zu bekommen“, gibt der 60-Jährige zu. Doch nach kurzem Überlegen zeigte er sich flexibel und nahm die neue Herausforderung an.
Möglich war ihm dies auch aufgrund der Tatsache, dass er am 1. Juli 2008 seinen Weinbaubetrieb – den zweitgrößten in Württemberg – an seine Söhne Martin und Joachim übergeben hatte. So konnte sich Fischer akribisch vorbereiten und sich voll und ganz der neuen politischen Tätigkeit widmen. „Ich bin kein euphorischer Mensch, der vor lauter Aktionismus die Linie aus den Augen verliert“, macht Fischer deutlich, dass er mit Besonnenheit und Bedacht ans Werk ging. So führte er zahlreiche Gespräche mit Parteimitgliedern aus der CDU, sprach beim Landtagspräsidenten vor und stellte sich in der Fraktion vor. Dort wurde er von den 68 Kollegen gleich mit Beifall begrüßt, als sie vernahmen, dass Fischer von einem angesehenen Weingut kommt.
Landesparteitag in Friedrichshafen, Plenarsitzungen, Ausschusssitzungen, Außentermine – der Tag von Albrecht Fischer könnte manchmal ruhig mehr als 24 Stunden haben. In der Besetzung seiner beiden Ausschüsse bekam der Gündelbacher Unterstützung von Fraktionskollege Klaus Herrmann vom Nachbarwahlkreis Ludwigsburg. Der verhalf ihm zu den Plätzen im Ausschuss für Ernährung und Ländlicher Raum und im Petitionsausschuss. Diesen Ausschüssen gehört Fischer als ordentliches Mitglied an. Stellvertreter ist er darüber hinaus im Finanzausschuss, im Innenausschuss, im Sozialausschuss, im Ständigen Ausschuss, im Umweltausschuss, im Wahlprüfungsausschuss sowie im Wirtschaftsausschuss. So nahm er als „Neuling“ bereits zweimal an Sitzungen des 18-köpfigen Präsidiums des Landtags teil, was nicht von allen Seiten freundlich aufgenommen wurde. Fischer: „Das geschah nicht gerade zur Freude der Opposition.
Die Ernüchterung kam, als der frischgebackene Landtagsabgeordnete sein Büro beziehen wollte – ein Durchgangsbüro, durch das sogar ein Abgeordnetenkollege spazieren muss und das in einem 200 Meter vom Abgeordnetenhaus entfernten Gebäude untergebracht ist. Mittlerweile hat er ein anderes Büro bezogen, ein rund zwölf Quadratmeter großes Zimmer, das er sich mit einem weiteren Abgeordneten und seiner parlamentarischen Referentin teilt. „Ich beklage mich nicht und stelle auch keine Ansprüche, doch es ist offensichtlich, dass im Stuttgarter Landtag etwas in Sachen Neubau unternommen werden muss“, stellt Fischer fest.
Seine Arbeit im Landtag macht ihm Spaß. Kein Wunder, dass er alle Termine wahrnimmt, die er zeitlich unterbringt. An zwei Tagen im Monat Plenarsitzung, jede Woche eine Fraktionssitzung, nach jeder Plenarsitzung eine Ausschusssitzung – da kommt etwas zusammen. Außerdem hat er in kurzer Zeit wichtige Kontakte zu Ministerien und wichtigen Persönlichkeiten aufgebaut. „Ein Vollzeitjob für mich“, sagt Fischer.
Seit er am 6. Februar seine Arbeit aufgenommen hat, sind knapp 2,5 Millionen Euro für verschiedene Projekte in den Wahlkreis Vaihingen geflossen - unter anderem für die Stadtkernsanierung in Oberriexingen und die Ortskernsanierung in Roßwag. Außerdem wurden im Wahlkreis seitdem sechs Ganztagesschulen eingerichtet: darunter die Hofäckerschule in Sersheim und die Burgfeldschule in Sachsenheim. „Ich denke, dass ich ein guter Mittler sein kann für die Interessen von Häfnerhaslach bis Gerlingen“, gibt sich der Landtagsabgeordnete selbstbewusst. „Kompromisse finden, wo es möglich ist, sehen, was machbar ist, zuhören, Argumente zusammentragen und mir eine eigene Meinung bilden“ – das versteht Fischer unter seiner neuen politischen Tätigkeit.
So kommt er auch nicht in einen Gewissenskonflikt, wenn es um die Strohgäubahn geht. Im Kreistag hat er sich immer dagegen ausgesprochen, jetzt ist sie beschlossene Sache. Fischer: Ich bin Demokrat genug, das Vorhaben jetzt so zu unterstützen, wie es beschlossen wurde.“ Das gleiche gelte für die Entlastung der Enzweihinger Ortsdurchfahrt. Obwohl er schon immer für eine Umgehung war, habe er sich auch mit dem Tunnel angefreundet, als dieser im Gespräch war. „Wichtig ist, dass dort endlich etwas passiert und sich die Situation für die Enzweihinger aber auch für die anderen Verkehrsteilnehmer schnellstmöglich verbessert“, sagt Fischer.
