Vaihingen (aa). Aufregung in der Flosch in Vaihingen! Es hat die Runde gemacht, dass auf einem Bauplatz der Stadt eine Moschee gebaut werden soll. „Das wäre das Ende des Gebietes“, sagen Anlieger. Am Mittwoch wird der Vaihinger Gemeinderat über den Verkauf des Platzes entscheiden. Nichtöffentlich – wie bei jedem Grundstücksthema.
Es muss politisch entschieden werden“, sagt Bürgermeister Wilfried Nestle, der erst gar nicht versucht, das Thema zu verschleiern. Es gebe Wünsche des türkischen Vereins, das bestehende Vereinsheim zu erweitern. Und das sei aus verschiedenen Gründen auf dem jetzigen Gelände nicht möglich. Zur Orientierung: Der türkisch-islamische Kulturverein ist seit vielen Jahren völlig unauffällig an der Hauffstraße in Vaihingen (neben dem Heim der Kleintierzüchter) angesiedelt.
Jetzt gibt es die Überlegungen, die Vereinsräume zu verlagern – auf einen Bauplatz, der der Stadt Vaihingen gehört. Es gebe allerdings auch einen gewerblichen Interessenten für den Platz in der Planckstraße, sagt Nestle. Was er nicht sagt: Der gewerbliche Konkurrent will offensichtlich nur einen Teil des Geländes kaufen. „Und er will auch nicht, dass sein Name in der Zeitung steht“, sagt ein Bekannter.
Der Architekt Eberhard Berg, Stadtrat der SPD, wird da etwas konkreter. Er arbeitet schon seit über 20 Jahren mit dem türkischen Verein zusammen und hat etliche Bauphasen an der Hauffstraße begleitet. Eine Erweiterung am jetzigen Platz sei angedacht gewesen, sagt er. Doch dazu hätte man einen Teil der (leerstehenden) Asylbaracken benötigt, was die Stadt abgelehnt habe. Und es habe auch das Angebot gegeben, die Baracken zu versetzen. Doch auch das sei bei der Verwaltung nicht auf Wohlwollen gestoßen. Und dann sei die Stadt selbst an den Verein herangetreten und habe den Platz in der Flosch an der ehemaligen WEG-Trasse angeboten. Was jetzt hinter den Kulissen ordentlich für Aufregung sorgt.
Berg war aufgefordert worden, einen Testentwurf zu fertigen, der nach seiner Auffassung „im Prinzip machbar war“. Die Sache sei jedoch in der Sitzungsvorlage nicht korrekt, ja sogar falsch, dargestellt worden, kritisiert er. Die nicht mit dem Bebauungsplan kompatible Fläche hätte in einem dritten Obergeschoss untergebracht werden können, sagt der Architekt. Den Vorwurf, dass die Stellplätze nicht ausreichen würden, will er nicht gelten lassen: „65 wären auf dem Grundstück nachweisbar gewesen.“ Natürlich wäre eine Änderung des Bebauungsplanes nötig gewesen, denn er sieht derzeit keine Versammlungsstätten in der Flosch vor.
Nach VKZ-Informationen hat es der Stadtteilausschuss abgelehnt, der Umsiedlung zuzustimmen, dagegen soll es vom Verwaltungsausschuss in der vergangenen Woche ein Ja gegeben haben. Dass Abstimmungsergebnisse – sogar mit Stimmenzahlen – nach außen dringen, findet man bei der Stadtverwaltung indessen nicht sonderlich prickelnd. Am Mittwoch hat nun der Gemeinderat das letzte Wort.
Eberhard Berg macht sich keine Illusionen. Er rechnet damit, dass der Antrag des Vereins abgelehnt wird. Und am Ende werde niemand die wahren Gründe für die Ablehnung zugeben, meint er. Ein Bauplatz mit einem Teil der größeren Fläche werde an den gewerblichen Interessenten gehen. Mit dem Ergebnis, dass die Stadt auf Jahre auf einem unverkäuflichen Rest sitzenbleiben würde. Der Architekt geht davon aus, dass der Verein bei einer Ablehnung wieder mit dem Vorschlag auf dem jetzigen Areal kommen wird.
Geplant hat Berg übrigens in seinem Vorentwurf ein Heim mit Moschee, Kulturhalle, Verwaltungsräumen, Jugendräumen und Frauenräumen auf einer Fläche von rund 1050 Quadratmetern. Angedacht ist eine Umsetzung in mehreren Abschnitten. Soll es auch ein Minarett geben? „Allenfalls ein Mini-Minarett als Lichtkuppel“, ist die Vorstellung von Berg. Und wenn der Gemeinderat es ablehnt, den Platz – insgesamt gehören hier rund 5500 Quadratmeter der Stadt – an die Türken zu geben, dann wird es mit Sicherheit wieder einen Vorstoß auf dem Gelände an der Hauffstraße geben.
