Vaihingen (aa). Da gab es keine Bedenken. Auf der Deponie „Burghof“ soll das Deponiegas künftig noch effektiver verwertet werden. Die bei der Verstromung verursachte Abwärme wird demnächst zur Trocknung von Holzscheiten und Holzhackschnitzel verwendet. Zusammen mit dem Technischen Ausschuss des Gemeinderates Vaihingen wurden am Mittwochabend die Ortschaftsräte von Gündelbach und Horrheim informiert. Albrecht Tschackert, Technischer Leiter der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) stellte das Projekt, das im Januar 2011 laufen soll, vor. Die Unterrichtung über Maßnahmen auf der Deponie begründen sich in den Besitzverhältnissen, denn die Stadt Vaihingen ist Eigentümerin des Geländes und erhält Pacht. Verhandlungen über die Höhe beginnen demnächst wieder. Auf der Deponie „Burghof“ wird seit 1986 das Deponiegas in einem Blockkraftwerk verwertet. 172 Millionen Kubikmeter Gast sind seither angefallen, es wurden 142000 Megawattstunden Strom erzeugt. Alleine der Strom des letzten Jahres reichte für die Versorgung von 2400 Haushalten. Der energetische Wirkungsgrad der bisherigen Verwertung liegt jedoch nur bei etwa 32 Prozent, da sich die Abwärmenutzung bislang auf die Beheizung der Betriebsgebäude beschränkt hat. Betreiber der Verstromungsanlage ist die EnBW AG. Die AVL hat nun Vorschläge zu einer Optimierung der Gasverwertung erarbeitet. Dabei wurde deutlich, dass wesentlich höhere Wirkungsgrade erzielbar sind. Der Vertrag mit der Verstromung des Gases wurde zum 30. Juni 2010 gekündigt und die Gasverwertung bundesweit ausgeschrieben. Das wirtschaftlichste Angebot wurde von der Firma Haase Energietechnik AG aus Neumünster vorgelegt. Das Unternehmen ist für die AVL bereits als Betreiber der Sickerwasserreinigungsanlagen auf den Deponien „Burghof“ und „Am Lemberg“ tätig und hat Komponenten der Deponiegasbehandlung geliefert. Haase will eine Verstromung des Gases in einem leistungsfähigen Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einem Motor vornehmen. Zur Nutzung der Abwärme soll eine modular aufgebaute Trocknung von Holzscheiten und Holzhackschnitzel (kein Bauholz) in Containern erfolgen. Modular deshalb, weil sich das Gasaufkommen im Laufe der Jahre verringern wird (2011 werden 580 Kubikmeter/Stunde erwartet, 2020 nur noch 2005). Für die Belüftung werden 40 Kubikmeter-Abrollcontainer mit eingebautem Tunnelrohr eingesetzt. Für die Luftverteilung im Container ist es vorteilhaft, die Container offen aufzustellen. Sie werden mit Planen verschlossen, wenn es regnet. Die Trocknungsdauer beträgt etwa eine Woche und ist außentemperaturabhängig, das heißt im Winter etwas länger. Das Holz wird auf zehn Prozent Restfeuchte getrocknet. Eine sichtbare Kondensation der Brüden soll ab etwa 0°C und bei entsprechend hoher atmosphärischer Luftfeuchtigkeit auftreten. Da jedoch die Abluft nur eine geringe Wasserdampfsättigung hat, ergibt sich keine intensive Nebelbildung. Bei einer Besichtigung im Kreis Olpe war das zu erleben. Die Container werden auch als Transporteinheiten verwendet. Die Beladung der Container erfolgt außerhalb der Deponie auf dem Betriebsgelände des Holzlieferanten. Die Entladung direkt beim Abnehmer, in der Regel bei Biomasse-Heizwerken. Es werden durchschnittlich 2,5 Lkw-Bewegungen pro Arbeitstag erwartet. Nebeneinrichtungen sollen auf dem Deponiegelände nicht errichtet werden. Der Gesamtwirkungsgrad liegt laut AVL bei 79 Prozent, der Flächenbedarf bei etwa 2000 Quadratmetern. Die weitere Beheizung der Betriebsgebäude ist gewährleistet. Die Anlage benötigt eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung für den neuen Motor, der in einem Container installiert wird, und eine baurechtliche Genehmigung für die Wärmeverteilung über ein Rohrleitungssystem. Als Anlagenstandort ist die asphaltierte Fläche zwischen der Umladeanlage und dem Lärmschutzwall vorgesehen. An dieser Stelle ist die Anlage von außen wenig einsehbar und die Motoren- und Gebläsegeräusche werden durch den Lärmschutzwall gedämmt. Da auch der vierte derzeit in Betrieb befindliche Motor in einem Container neben dem Betriebsgebäude aufgestellt ist, wird sich nach Einschätzung der AVL an der Geräuschkulisse nichts verändern. Der Aufsichtsrat der AVL hat dem Projekt zugestimmt, auch in den Vaihinger Gremien gab es keinerlei Bedenken. Es sei eine optimale Lösung gefunden worden, wurde gesagt. Kosten entstehen der AVL nur durch Leitungsanpassungen (2000 bis 3000 Euro). Die EnBW wird den Strom auch in der Übergangszeit bis zur Inbetriebnahme des neuen Motors abnehmen, zudem hat die Deponie selbst einen Verbrauch von einer Million Kilowattstunden. Überlegt werden soll, ob die Anlage im Sommer auch zur Getreidetrocknung verwendet werden kann.