Donnerstag, 24. Mai 2012

Deckelvorschlag für die B10








Verkehrslawine in Enzweihingen. Foto: Arning
Verkehrslawine in Enzweihingen. Foto: Arning

Enzweihihngen (sf). Mit einer am Montag in Enzweihingen vorgestellten Umweltverträglichkeitsstudie will die „Schutzgemeinschaft Mittleres Enztal“, dass im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zur Bundesstraße 10 eine weitere Variante untersucht wird: Eine Tunnellösung, die statt der bisher im Raum stehenden 750 Meter nur noch 450 Meter Länge benötigt. „Jahrelang hat man gesagt: Der Tunnel ist die richtige Lösung“, erklärte Gerhard Joos. Bis es plötzlich geheißen habe: Die Verkehrserwartung sei dafür zu hoch. Der Tunnel funktioniere nicht mehr. Man brauche stattdessen eine Umgehung. Für Gerhard Joos, Mitglied der Schutzgemeinschaft, völlig unverständlich. „Die Zahlen sind falsch“, glaubt er nicht an die dargestellten Prognosen, die zudem einen Problempunkt nicht berücksichtigen: Ein großer Teil der Fahrzeuge fährt auch weiterhin – aus Richtung Riet kommend –durch den Ort hindurch. Die geplanten Auf- und Abfahrten sorgen zudem für unnötige Mehrwege, die eigentlich vermieden werden könnten, wenn man wieder die Tunnellösung in einer etwas abgespeckten Variante verfolge, so Joos. Selbst die ursprünglich für 750 Meter Länge kalkulierten Kosten in Höhe von etwa 45 Millionen Euro ließen sich durch eine alternative Tunnellänge von 450 Meter deutlich reduzieren. Ein renommiertes namentlich nich9t genanntes Fachbüro aus Stuttgart teile jedenfalls die Ansicht der Schutzgemeinschaft, eine solche Variante müsse unbedingt untersucht werden, verriet der freie Landschaftsarchitekt Bernhard Geiger. Die nun vorgestellte Umweltverträglichkeitsstudie soll das Ansinnen unterstützen. Sie soll, so die Schutzgemeinschaft, helfen, die bislang oft emotional geführte Debatte zu versachlichen und prüfen, welche Auswirkungen eine Umgehung durchs Enztal konkret auf den Ort und die Bevölkerung haben würde. Im Blickpunkt steht dabei vor allem die Frischluftressource, die „von elementarer Bedeutung“ sei, so die Studie. Im Schnittbereich zwischen Kernstadt Vaihingen und Enzweihingen habe sich demnach ein „Wohlfahrtskorridor“ durch eine gute Frischluftzufuhr gebildet. Die geplanten Brückenbau-, Auf- und Abfahrtswerke würden jedoch eine „erhebliche Störung der bodennahen Luftschichten“ nach sich ziehen, betonte Geiger. Konsequenz: Die Luftzirkulation im alten Ortskern von Enzweihingen wird verschlechtert. Vor allem Ältere und Kinder, so Geiger, werden unter hochsommerlichen Hitzeperioden leiden, deren Wirkung durch die mangelhafte Kaltluftzufuhr noch verstärkt wird. Gleichfalls verschärfe sich die Schadstoffentwicklung im eng bebauten Bereich. Und auch das Vaihinger Gewerbegebiet Flosch werde Probleme bekommen: Die erwartete, fehlende natürliche Belüftung führe dazu, dass die dort ansässigen Unternehmen verstärkt in Klimaanlagen investieren müssen. Eine Deckellösung, die sowohl zwei-, als auch vierspurig ausgebaut werden kann, ist aus Sicht der Schutzgemeinschaft Mittleres Enztal daher die wohl vernünftigste Lösung, die zumindest untersucht werden müsse. An den Ortsausgängen könne die abgesenkte Trasse für Lärm- und Emissionsschutz sorgen. Die Absenkung werde auch für die Straßenquerung gebraucht, so das Gutachten. Ein weiterer Vorteil: Die Schiene könnte perspektivisch reaktiviert, ein Radweg erschlossen werden.


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