Donnerstag, 24. Mai 2012

Nestle hört auf




Bürgermeister Wilfried Nestle. Foto: Bögel
Bürgermeister Wilfried Nestle. Foto: Bögel

Bis Ende 2011 wäre die offizielle Amtszeit gegangen. Wilfried Nestle, seit 31 Jahren Vaihingen (ub). Erster Beigeordneter und damit Bürgermeister der großen Kreisstadt Vaihingen, hört aber bereits mit 63 Jahren Ende dieses Jahres auf. Die Entlassungspapiere liegen bei Oberbürgermeister Gerd Maisch auf dem Schreibtisch.
 Die offizielle Entscheidung über die „Versetzung in den Ruhestand“ fällt im Juni der Gemeinderat. Dieses Gremium wählt auch im Herbst den Nachfolger von Nestle, dotiert durch die Verwaltungsgemeinschaft in B4.
„Ich bin jetzt umgerechnet über 40 Jahre bei der Stadt Vaihingen. Da kann man im Rückblick sagen, es ist gut“, so gestern Nestle im Gespräch mit der Vaihinger Kreiszeitung. Oder anders ausgedrückt: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.“ Auch möchte der Chef im Technischen Rathaus in der Friedrich-Kraut-Straße dem personellen Umbruch bei der Verwaltung nicht im Wege stehen. Einige Amtsleiter haben bereits aufgehört, andere beenden demnächst ihre Dienstzeit. Nestle: „So kann sich der Oberbürgermeister und der Gemeinderat ein neues Personaltableau zusammenstellen.“ Es sei jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um aufzuhören.
Bereits beim Abschied von Heinz Kälberer als Oberbürgermeister von Vaihingen im Jahr 2006 habe der Denkprozess für die Zukunft eingesetzt. Vergangenen Jahres reifte dann bei Wilfried Nestle der konkrete Gedanken, das Amt als „zweiter Mann“ und Stellvertreter des Oberbürgermeisters bei der Stadtverwaltung an den Nagel zu hängen.
Drei Oberbürgermeister (Gerhard Palm, Heinz Kälberer und Gerd Maisch) hat Nestle in seiner Laufbahn erlebt. 1980 kandidierte er zusammen mit Kälberer um den OB-Posten unterm Kaltenstein. Während Kälberer souverän im ersten Wahlgang siegte, votierten für Nestle nur 13 Prozent der Wähler. „Zwischen Heinz Kälberer und mir ist aber nie etwas hängen geblieben“, sagt Nestle rückblickend. Mit diesem Wahlkampf beerdigte der Verwaltungsmann aber auch einen möglichen Karrieresprung ganz an die Spitze der Verwaltung. „Das Thema war danach für mich abgehandelt.“
Als reiner „Baubürgermeister“ sieht sich der Beigeordnete nicht. „Meine Aufgaben sind eher Steuerung und Management.“ Während seiner Amtszeit habe er sich nicht in Szene setzen wollen, sondern im Vordergrund stehe die vernünftige Teamarbeit mit dem Gemeinderat und dem Oberbürgermeister, „die loyale und solidarische Zusammenarbeit“.
Mit dem Wirken von Wilfried Nestle ist auch die jüngste Geschichte der Stadt Vaihingen verbunden. „Das war schon eine spannende Zeit“, schmunzelt Nestle in seinem Amtszimmer. Er erzählt von der Neubaustrecke der Bahn, der Verkehrsinfrastruktur in der Kernstadt. Das leidige Thema Bundesstraße 10 kommt natürlich zur Sprache. „Die Bahn hat das Projekt wenigstens fertig gebracht“, lamentiert Nestle. Auch für die Entlastung von Enzweihingen habe es bereits 1976 die ersten Pläne beim Regierungspräsidium gegeben, aber heute sei man nicht viel weiter. Und wann wird das Projekt konkret? „Es ist aus meiner Erfahrung unverantwortlich, hier eine Prognose abzugeben.“
Aktuell stehen die Themen Neubau des Feuerwehrmagazins (Spatenstich nach der Sommerpause) und des Bauhofs („die Unterbringung der Mitarbeiter ist schon eine Frage der Zumutbarkeit“) an. Mit dem Flächennutzungsplan werden die Weichen für die nächsten zehn Jahre gestellt, die Kinderbetreuung wird ungeahnte Dimensionen erreichen, die Stadtsanierung sei eine Daueraufgabe.
Die Aufgaben für Nestle laufen aus. Für den Ruhestand habe er noch keinen „konkret formulierten“ Weg, aber die „Spielwiese“ sei vielfältig. „Besonders stark bin ich von der Musik infiziert“, erzählt der Bürgermeister. Gitarre und Klavier beherrscht Nestle sowieso, zum Geburtstag gab es jetzt noch ein Saxophon.




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