Flächennutzungsplan: VRS als rotes Tuch
Vaihingen (aa). Der Entwurf für den Flächennutzungsplan hat die erste Hürde genommen. Bei der gemeinsamen Sitzung des Vaihinger Stadtteilausschusses und der Ortschaftsräte Enzweihingen und Kleinglattbach kamen nur aus Enzweihingen zwei Gegenstimmen. Enzweihingens Ortsvorsteher Kurt Erhardt wollte die Reduzierung im Bereich Brunnenhalde, Unteres Kreuz nicht schlucken. Enzweihingen habe doch eine Sonderstellung, könne Wanderungsgewinne reklamieren. Und auch Matthias Siehler zeigte sich „a bissle enttäuscht“. Es sei natürlich ehrenwert, sich für seinen Ort einzusetzen, meinte Bürgermeister Wilfried Nestle, doch Wachstum sei nicht mit Qualität gleichzusetzen. Enzweihingen habe vor allem topografische Probleme. Und die demografische Entwicklung dürfe man ebenfalls nicht aus den Augen lassen: „Wir orientieren uns an Zahlen, die einen Bedarf begründen lassen.“ Dass Martin Manowsky der Stadt vorwarf, kein Konzept für eine Anbindung der Höhenlagen zu haben, regte Oberbürgermeister Gerd Maisch hörbar auf: Er sei nicht bereit, diese Diskussion weiterzuführen. Eine teure Straße zum Tiefen Tal zu bauen, sei nicht genehmigungsfähig und müsste aus dem Wohngebiet heraus finanziert werden. Die Sonderstellung Enzweihingens in der Bewertung des Verbandes der Region Stuttgart (VRS) rühre vom Bahnanschluss her, erklärte Ernst Loos, Leiter des Stadtplanungsamtes. „Doch den Bahnanschluss gibt es nicht mehr. Und nicht alles, was der Verband sagt, ist gut.“ Die Ansicht des VRS ist in Vaihingen ohnehin so etwas wie das rote Tuch. Von dort wird Vaihingen in der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes gerade mal eine Wohnbaufläche von 17,9 Hektar zugestanden. Das kann alleine in Kleinglattbach-Süd untergebracht werden. Loos: „Wir müssten demnach eigentlich zurückbauen.“ Der VRS gestehe Vaihingen bis 2020 gerade mal 599 Wohneinheiten zu, wunderte sich auch Oberbürgermeister Gerd Maisch, „dafür brauchen wir keinen Quadratmeter zusätzliche Fläche“. Den Grund für diese Einschätzung habe man in einem Gespräch mit Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor des VRS, nicht erfahren. Ernst Loos: „Bricht man den Gesamtbedarf der Region auf Vaihingen herunter, dann wären das alleine schon 1044 Einheiten.“ Orientiert hat sich hat sich das Planungsamt beim zweiten Entwurf eher am Berechnungsmuster des Regierungspräsidiums, das letztlich den FNP auch genehmigen muss. „Wir können nichts versprechen“, meinte zur Frage der Realisierungschancen Oberbürgermeister Gerd Maisch, „aber wir sich durchaus zuversichtlich, dass wir den Stempel des RP erhalten werden.“ So sind jetzt noch Wohnbauflächen von 45,1 Hektar aufgeführt (Entwurf 2008: 59,5 Hektar), was vor allem die Grünen als Bestätigung ihrer Argumente sehen. Armin Zeeb: „Man muss auch auf örtlicher Ebene bremsen.“ Die Flächen sind in einem zweistufigen Suchlauf ausgefiltert worden. In einer Vorauswahl wurden realistische Alternativen ermittelt. Das Bauflächenpotenzial wurde einer städtebaulichen Bewertung unterzogen; für alle Flächen wurde eine Umweltprüfung durchgeführt. Auf dieser Grundlage erfolgte die Auswahl der Bauflächen. Und eines ist auch klar. Wenn der Plan letztlich genehmigt ist, heißt das noch lange nicht, dass bis 2020 alles bebaut ist. Das sieht man am Bereich Kleinglattbach-Süd, der schon in der letzten Fortschreibung drin war. Schwerpunkt liegt in Kleinglattbach Der Schwerpunkt der Wohnbauentwicklung (Realisierung von Wanderungsgewinnen) im Außenbereich liegt im Stadtteil Kleinglattbach und in der Kernstadt (zur Stärkung des Mittelzentrums). In anderen Teilorten ist grundsätzlich die Eigenentwicklung zugestanden, wobei der Regionalplan Enzweihingen dem Siedlungsbereich zuordnet. Die gewerbliche Entwicklung soll künftig auf das Gebiet Ensingen Süd (Perfekter Standort) konzentriert werden; in begründeten Fällen ist eine Ansiedlung an anderen Stellen ebenfalls denkbar. Auf die Nachteile für die landwirtschaftlichen Betriebe in der Au machten im Ausschuss Angelika Blessing und Dagmar Holzberg aufmerksam. Auch in der Bürgerfragerunde war das schon ein Thema gewesen. Man werde in der Entwicklungsmöglichkeit eingeschränkt. Hintergrund ist die Feststellung, dass in einem Betrieb die seither stillgelegte Viehhaltung künftig ausgeschlossen sein soll. Das sei eine Existenzgefährdung, wird gesagt. Der Landwirtschaft könne kein Vorrang für alle Zeiten eingeräumt werden, war dazu die Ansicht des Oberbürgermeisters, man müsse vom jetzigen Status ausgehen. Sonst könne das Wohngebiet dort nicht erweitert werden. Von Kleinglattbachs Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle kam der Hinweis, im Bereich Kleinglattbach-Süd die Gemeinbedarfsfläche für den Sport nicht zu vergessen. Antwort des OB: „Erwartungen können dort kurzfristig nicht erfüllt werden.“ Aus Kleinglattbach kamen gegen den Planentwurf keine Gegenstimmen (drei Enthaltungen), Enzweihingen stimmte 5:2 ab, aus Vaihingen gab es fünf Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen. Etliche Ausschussmitglieder waren befangen und durften nicht abstimmen.
