Vaihingen/Eberdingen (sr) – Schon ihr Anblick bringt die Verdauungssäfte vieler Menschen in Wallung. Und endlich ist es soweit: Erdbeerfreunde können sich der roten Versuchung wieder hemmungslos hingeben. In und um Vaihingen hat die Erdbeersaison begonnen.
Alle Jahre wieder wird emsig gepflückt. Auf den Erdbeerfeldern der Region herrscht reges Treiben und wer sich selbst krümmt um an die Leckereien zu kommen, wird zurzeit reich belohnt: prall und rot liegen die Früchte im Körbchen. Dass es sich, botanisch betrachtet, bei den Früchten der Erdbeerpflanze nicht um Beeren, sondern um Sammelnussfrüchte handelt, dürfte den meisten Erdbeerfans wurst sein.
Denn egal, ob selbst gepflückt oder selbst gekauft, Erdbeeren verkörpern Sommer und gute Laune. Swen Seemann, Inhaber von Obst- und Landbau Seemann in Eberdingen, bringt die Sache auf den Punkt: „Man kann sich einfach nicht an Erdbeeren satt essen.“ Auf 5,5 Hektar Land wachsen seine Bioland-Erdbeerpflanzen. Im Frühjahr habe es noch so ausgesehen, als ob der Beginn der Erdbeerernte sich aufgrund des harten Winters verzögern würde. „Aber an Ostern, da hat man gemerkt, wie die Vegetation alles kompensiert“, sagt der Bio-Bauer.
Und tatsächlich hat die Erdbeersaison eine Woche früher als im vorigen Jahr begonnen. Die Erdbeerpflanzen seien in diesem Jahr gesund in die Erntephase gekommen. Aber die Witterungskapriolen vom Wochenanfang mit Gewitter und extremer Hitze „waren für einen Teil der Pflanzen zu viel“. Und so kann Agrartechniker Seemann über Gesundheit und Ertrag seiner Pflanzen nur in Momentaufnahmen sprechen. Die Qualität der Beeren überzeuge dieses Jahr. Die bewährte Hauptsorte Clery – sehr fuchtig, süß und optisch gleichförmig – sorgt für den Auftakt bei der Ernte auf der Eberdinger Schillerhöhe. Diverse andere Sorten kommen anschließend zur Fruchtreife, darunter ab Mitte Juni französische Sorten. Seemann: „Die bilden permanent bis zum Herbst Blüten und Früchte und können bis in den Oktober abgeerntet werden.“ Diese Sorten bestechen durch Waldbeeraroma und Süße, sagt Seemann.
Und was ist der Albtraum eines Erdbeererzeugers? „Hagel“, antwortet Seemann, „und für den Biobeerenanbau schwül-warme Witterung.“ Denn dem Krankheitserreger Grauschimmel habe der Bioanbau fast nichts entgegenzusetzen. Nach ein bis drei Jahren ist für die Erdbeerpflanze sowieso Schluss, sie muss ersetzt werden. Für Nachkommen hat sie dann schon gesorgt. Die Pflanze bildet Ableger, die nach der Ernte der Früchte geholt und in Substrat gepflanzt werden. Nachdem die Jungpflanzen im Pflanzenzuchtbereich des Hofs genügend Wurzeln angesetzt haben, kommen sie Anfang August wieder aufs Feld. Unglaublich aber wahr: Mitunter muss von einer bis zur nächsten Erdbeerpflanzung auf der gleichen Scholle zehn bis 15 Jahre gewartet werden. Nach der ersten Erdbeerpflanzung ist ein Jahr Pause geboten, nach der zweiten sechs Jahre und nach dem dritten Mal besagte zehn bis 15 Jahre. „Die Erdbeere zieht unheimlich viel Mikronährstoffe“, erläutert Swen Seemann.
Übel nehme es die Erdbeerpflanze auch, wenn sie nach der Kartoffel in die Erde kommt. Die Begeisterung des Eberdingers ist trotz all der Extravaganzen seiner pflanzlichen Schützlinge ungebrochen. Regelmäßig gönnt er sich „eine spezielle Sache“, das Kraftfutter des Erdbeererzeugers sozusagen. Hierzu die Früchte in einem tiefen Teller zermanschen, leicht zuckern, Haferflocken und kalte Milch zugeben – fertig. Seemann: „Die Erdbeere hat mehr Vitamin C als manche Zitrusfrucht und verringert das Krebsrisiko.“
Der ARD-Ratgeber im Internet weiß sogar Folgendes zu berichten: „Erdbeeren gelten nicht nur optisch als erotische Leckerbissen, sie enthalten zudem viel Vitamin C und Zink, das in den kleinen Körnchen steckt. Zink ist nicht nur wichtig für die Testosteron-Produktion - Studien haben außerdem nachgewiesen, dass es sehr wichtig für die Anzahl der Spermien ist.“ Na dann: guten Appetit!
