Vaihingen (sr) – „120 zu 140“, ruft Dirk Rollka. Es handelt sich dabei nicht um Blutdruckwerte, sondern um Daten der Bremstüchtigkeit. Gestern wurden landwirtschaftliche Anhänger auf ihre Eignung für die Teilnahme beim Maientagsfestzug überprüft.
Auf dem Bremsenprüfstand der MAN-Vertragswerkstatt Seiz und Zimmermann in Vaihingen mussten die Anhänger gestern zeigen, was sie können. Immerhin soll beim Maientagsumzug am Pfingstmontag neben dem Spaß auch die Sicherheit nicht zu kurz kommen. Dirk Rollka von Seiz und Zimmermann nimmt die Bremsen der unter Umständen hochbetagten Anhänger unter die Lupe. Es handelt sich bei den Wagen, auf denen so manche Attraktion installiert ist, durchweg um gebremste Anhänger. Die Pferde können nun mal nicht für den Anhänger mitbremsen, stellen die Herren in der Werkstatthalle klar. Denn „in Vaihingen darf kein motorenbetriebenes Fahrzeug am Maientagsumzug teilnehmen“, klärt Ekkehard Radke, Werkstattleiter Technische Dienste Vaihingen, auf. Die Anhänger samt Aufbauten müssen für die Teilnahme am Umzug zwar nicht einer Hauptuntersuchung unterzogen werden. Unter anderem, weil am Festtag sowieso nur mit Schrittgeschwindigkeit gerollt werden darf. Trotzdem wird von städtischer Seite natürlich auf Sicherheit geachtet. Ganz früher habe es öfter mal Geschrei gegeben, wenn die Reifen oder Bremsen nicht den Sicherheitsstandards der Stadt entsprochen haben. Doch die letzten Jahre würden eventuelle Mängel von den Wagen-besitzern ohne Gezeter behoben. „Stellen Sie sich vor, ein Reifen platzt beim Festzug“ , verdeutlicht Radke die Sachlage. Wenn dann die Pferde von Zuschauern umringt sind, könne das schon mal böse enden. Daher lieber vorbeugen. „60 zu 120“, ruft Dirk Rollka. Die Bremskraft des Anhängers, auf dem am Montag Graf Kunibert unterwegs sein wird, wird in Kilonewton gemeldet, linke zu rechter Bremse. Aber eigentlich, so Rollka, geht’s darum, dass die Bremsen überhaupt funktionieren. Kurbelbremsen seien vor Handbremsen die Favoriten der meisten Kutscher, sagt Ekkehard Radke, die ließen sich stufenlos bedienen. Es gehört schon eine Portion Feingefühl dazu, die Gespanne durch Vaihingens Gassen zu lenken. Zehn Festwagen – die „echten“ Kutschen nicht mitgezählt – müssen sich in diesem Jahr von Radke und Rollka auf die Pelle rücken lassen. Werkstattleiter Radke: „Falls Personen mitfahren, müssen Geländer und sichere Leitern angebracht sein. Die Reifen müssen intakt und dürfen nicht porös sein, die Bremsen müssen funktionieren.“ Nicht zuletzt muss für einen Seitenunterfahrschutz gesorgt werden. Damit beispielsweise, falls Bonbons unter den Anhänger rutschen, keine Kinder in Gefahr kommen. Wahlweise können die Festwagen aber auch von Begleitpersonen flankiert werden. Während sich die Stadt früher ihre Wagen ausleihen musste - „teilweise aus Lomersheim“ - besitzt Vaihingen inzwischen fünf eigene Wagen, von denen in diesem Jahr vier teilnehmen. Eine große Erleichterung für die Mitarbeiter vom Bauhof, die nun nicht mehr wochenlang mit der Besorgung, Reinigung und dem Herrichten der Anhängern beschäftigt sind. Jetzt steht das städtische Eigentum unter Folie in der Hermann-Scheuer in der Vaihinger Grabenstraße, sozusagen allzeit bereit. „Alle Achtung vor den Teilnehmern“, lobt Radke die zeitintensive Teilnahme am traditionsreichen Trubel. Matthias Beyer, Sportkreisjugendleiter, verbrachte gestern Zeit beim grünen Monster. Denn auch der Anhänger der Sportkreisjugend Ludwigsburg wird getestet. Die Betreuer der Freizeiten in Untersteinbach haben in Kreischgrün ein Abbild ihrer liebevoll Monster genannten Schützlinge gebastelt. Alles in Ordnung, der Wagen bremst. Die Vaihinger können sich auf einen bunten Umzug freuen. Nur einer kam schon seit langem nicht mehr in den Genuss des Festzugs: „Ich habe dann Werkstattdienst“, sagt Ekkehard Radke. Außer einigen Pferden und dem einen oder anderen Anhänger wird Radke an diesem Tag wohl nicht viel zu sehen bekommen.
