Vaihingen (rkü). „Den Beruf des Messerschmieds gibt es seit Jahrhunderten, jetzt stirbt er aus.“ Eberhard Winter, der am 15. Mai 1959 die Meisterprüfung ablegte, gehört zu denen, die sich noch auf ihre ganz spezielle Weise der Metallbearbeitung verstehen. Jetzt bekam er den Goldenen Meisterbrief.
Eberhard Winter (74), der den alten Familienbetrieb in der Vaihinger Innenstadt mittlerweile an seinen Sohn Michael übergab, charakterisiert seinen Berufsstand mit dem alten Spruch: „Jeder Messerschmied ist ein Scherenschleifer. Aber nicht jeder Scherenschleifer ist ein Messerschmied.“ Damit will er aussagen, dass es einer fundierten Ausbildung und jahrelanger Übung bedarf, um mit sicherem Griff stumpfen Messern und Scheren neue Schärfe und Glanz zu verleihen.
Reparaturen bestimmen die Tätigkeit des Messerschmieds. „Viele Aufträge bekommen wir heute aus Industrie, Handwerk und aus Großküchen“, erläutert Winter. „Uns geht die Arbeit auch in der jetzigen Zeit nicht aus, weil viele Eisenwarengeschäfte keine Messerschmiede mehr haben.“ Sein Beruf sterbe aus, stellt Winter fest, der früher stellvertretender Innungsobermeister war. Sohn Michael trat als einer der wenigen jüngeren Messerschmiede noch in die Fußstapfen des Vaters und schloss seine Ausbildung als Bundessieger ab. „Für einen Lehrling wäre es heute aber sehr schwierig, weil er eine weite Fahrt zu seinem Ausbildungsbetrieb hätte.“
Die Werkzeuge, die bei den Winters in der Werkstatt stehen, muten altertümlich an. Es kommt in diesem Gewerbe eben nicht auf hochmoderne Technik an, sondern auf das sichere Auge und die ruhige Hand des Messerschmieds. Allein 14 Arbeitsschritte sind nötig, bis eine stumpfe Schere fachmännisch wieder hergerichtet wurde. Für die Handwerker dieser aussterbenden Art gibt es noch viel zu tun.
