Vaihingen/Riet (aa). Einen Untersuchungsauftrag zur „Optimierung des Hochwasserschutzsystems im Einzugsbereich des Strudelbachs“ hat der Zweckverband Hochwasserschutz Strudelbach vergeben. Das Institut für Wasser- und Gewässerentwicklung an der Universität Karlsruhe soll das heftig diskutierte Modell des Gutachters Andreas Hutarew überprüfen.
Die Gewitter der letzten Tage sorgen für Unruhe in Riet. Vorsorglich lieferte am Freitagabend vergangener Woche nach einem schweren Niederschlag die Vaihinger Feuerwehr Sandsäcke in den Teilort. Und an der Straße zwischen Riet und Enzweihingen wurden von der Straßenmeisterei Hochwasser-Warnschilder aufgestellt. Mit solchen Aktionen muss auch in der nächsten Zeit gerechnet werden, denn das neue Gutachten soll frühestens in einem halben Jahr vorliegen.
Die Planungen für den Hochwasserschutz werden bekanntlich von der Bürgerinitiative als völlig überzogen eingestuft. Der seit dem Jahre 2001 bestehende Zweckverband, dem Vaihingen, Eberdingen, Weissach, Ditzingen und der Landkreis Böblingen angehören, hat bereits 2002 ein Bauprogramm in Auftrag gegeben, das im März 2003 vorgestellt wurde. Zeitnah seien die notwendigen Planungsarbeiten in Angriff zu nehmen, damit der Hochwasserschutz umgesetzt werden könne, hieß es. Inzwischen sind sechs Jahre vergangen. Und es ist noch kein Ende der Planungszeit abzusehen.
Für 12,5 Millionen Euro sollen nach den Vorstellungen des Planers Andreas Hutarew entlang des rund 15 Kilometer langen Baches Dämme und 13 Rückhaltebecken gebaut werden. Zwar will das Land laut Bescheid des Regierungspräsidiums (RP) von 2004 immerhin 70 Prozent der Kosten übernehmen, doch das wird von vielen Rieter Bürgern schlicht als Steuerverschwendung angesehen. Vor einem Jahr gingen sie in Vaihingen sogar auf die Straße und haben gegen den ihrer Meinung nach völlig überzogenen Hochwasserschutz demonstriert. In einem Brief an den baden-württembergischen Rechnungshof hatte die Rieter Initiative die Maßnahme angezweifelt und um Überprüfung des Vorhabens gebeten. Hier solle eine Sicherheit geschaffen werden, „die hier niemand braucht“, wurde geklagt und darum gebeten, das Vorhaben auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.
Der Appell aus Riet hat ganz offensichtlich gewirkt, was bei der Bürgerinitiative und bei Ortsvorsteherin Roswitha Haid als großer Erfolg angesehen wird. „Vom Rechnungshof wurde gegenüber dem Regierungspräsidium Stuttgart angeregt, eine Untersuchung zur Optimierung der geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen im Strudelbach durchführen zu lassen“, heißt es beim Zweckverband. Und das RP sei der Meinung, dass dieser Anregung nachgegangen werden sollte. Da wollte man sich nicht groß sträuben, zumal die Hälfte der Untersuchungskosten (insgesamt 54740 Euro) übernommen werden.
Die Planungen seien im Wesentlichen nicht zu beanstanden, meinte Vaihingens Bürgermeister Wilfried Nestle bei der Sitzung des Zweckverbandes im Vaihinger Rathaus. Durch ein neues Berechnungsverfahren könne es jedoch eventuell andere Ergebnisse bei einer Überspülung der Dämme geben, meinte Nestle vorsichtig. Die „Bewirtschaftung“ der Rückhaltebecken sei bisher statisch berechnet worden, meinte Tiefbauamtsleiter Hartmut Helber. Die Experten der Uni Karlsruhe hätten den Ansatz einer Steuerung, was natürlich Auswirkungen auf den Bachlauf zwischen den Becken habe. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Beckenstandorte nicht ändern, allenfalls die Größe.
„Wir lassen uns überraschen“, meinte Carsten Scholz vom Fachbereich Wasser- und Bodenschutz des Landratsamtes, „doch wir erwarten durch das andere Berechnungsverfahren keine großen Abweichungen.“ Scholz hatte vor längerer Zeit eine Besichtigungsfahrt zu abgeschlossenen Hochwasserschutzmaßnahmen angeboten, war damit jedoch auf kein Interesse gestoßen. Oberbürgermeister Gerd Maisch: „Das macht wohl erst nach der neuen Untersuchung einen Sinn. Wir sind alle froh, wenn weniger rauskommt.“
Rieter Bürger, die nicht der Initiative angehören, zweifeln am Sinn der neuen Untersuchung und sehen das Ergebnis vorher: „Es wird wie die Male zuvor festgestellt werden, dass es keinen nennenswerten Schutz vor Hochwasser im Vaihinger Bereich des Strudelbachs gibt. Hier werden Mittel der Gemeinde zur Hochschulförderung in Baden verwendet…“
Ob die Sandsäcke am Strudelbach sicherheitshalber liegen bleiben? Die nächste Gewitter und damit Starkregen kommen bestimmt.
