Ludwigsburg (afi). Das war so recht nach dem Geschmack der Veranstalter: Pünktlich zum Auftakt des 241. Ludwigsburger Pferdemarkts hörte am vergangenen Freitag der Dauerregen auf. Am Sonntag gab es sogar „Kaiserwetter“. Das Ergebnis: Zehntausende Besucher strömten in die Barockstadt, die in diesem Jahr ihr 300-jähriges Bestehen feiert.
Oberbürgermeister Werner Spec hatte noch beinahe im Regen gestanden, als er am Freitagabend zur Eröffnung des beliebten Volksfests auf dem Rathaushof das erste Fass Jubiläumsbock anstach. Dass er mit einem einzigen Schlag den Hahnen ins Spundloch schlug, ohne einen Tropfen zu vergießen, schien wie ein gutes Omen. Prompt klarte auch die dunkle Regenwolkenwand auf.
Es wurde ein Fest der Superlative. Rund um die Bärenwiese drängten sich bereits am Samstag die Besucher. Nie zuvor hatte es eine so abwechslungsreiche und spannende Reitershow gegeben. Da inszenierte der bayerische Schleppjagdverein eine Parforcejagd zu Pferde und einer Hundemeute, Kinder demonstrierten angstfrei den Segen therapeutischen Reitens, es gab Western- und Tandemreiten sowie einen klassischen Pas de deux zu Pferd. Da durfte gestaunt werden über die mächtigen braunen Shire-Horses des Gestüts Dudelhof, über die Voltigierkünste der Jüngsten des Reit- und Fachvereins Leonberg sowie über Pferdefußball. Nicht nur die Kinder waren hellauf begeistert.
Pferdehandel gibt es zwar längst nicht mehr beim Ludwigsburger Pferdemarkt, aber immerhin noch jede Menge Prämierungen. Am Samstag und Sonntag wurden insgesamt 264 Pferde aus der ganzen Region den Juroren vorgeführt und prämiert. Elf wurden sogar mit einem der begehrten Ehrenpreise der Stadt Ludwigsburg ausgezeichnet. Ein Traum für sich war die Kutschenparade im Südgarten des Blühenden Barock, an der 46 Ein-, Zwei-, Drei- und Vierspänner teilnahmen und sich dem Preisgericht und dem Publikum bei der Fahrt rund um die Wasserfontäne stellte. Drei wurden ebenfalls mit einem Ehrenpreis bedacht.
Doch der Pferdemarkt ist nicht nur ein riesiger Spielplatz für Ross und Reiter, sondern auch ein beliebtes Volksfest. So gehört der riesige Rummelplatz auf der Bärenwiese ebenso zu seinen Highlights wie der Krämermarkt auf der Königsallee, wo sich zwischen eng aneinander gereihten Verkaufsständen und Buden regelrechte Menschenmengen schieben. Mit über 120 Anbietern gehört der Ludwigsburger Krämermarkt zu den größten und attraktivsten im Land. Pferdemarkt-Organisator Martin Boy: „Wir legen großen Wert darauf, dass seine Vielfalt gewahrt wird. Bei uns bekommt man Sachen zu kaufen, die es anderswo nicht mehr gibt.“
Während der Kunst- und Handwerkermarkt mit seinen zwei Dutzend Ständen rund um die evangelische Stadtkirche schon lange zu den festen Bestandteilen des Pferdemarkts gehört, war das „Fest der alten Schmiede“ in der Unteren Stadt neu und erfreute sich trotzdem eines regen Besuchs. Erstmals geöffnet war die original erhaltene Museumsschmiede in der Unteren Reithausstraße. Dort zeigten gestandene Hufschmiede, dass sie das alte Handwerk nach wie vor beherrschen. Verbunden war die Präsentation dieses Kleinods mit einem zünftigen Straßenfest in diesem Stadtquartier.
Parkplätze waren in Ludwigsburg Mangelware an diesem Wochenende. Doch die Veranstalter hatten auch davor gewarnt, mit dem eigenen Fahrzeug zum Fest zu kommen. Die meisten Besucher hielten sich auch daran, sodass die Polizei wenig Aufräumarbeit hatte. „Keine besonderen Zwischenfälle“, meldete ein Sprecher der Polizeidirektion am Sonntag. Thomas Schärer, der Leiter des Fachbereichs Film, Medien, Tourismus bei der Stadtverwaltung Ludwigsburg zog ebenfalls eine positive Bilanz: Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt.“
Im Jahr des 300-jährigen Bestehens der Stadt Ludwigsburg präsentierten die Veranstalter am Sonntag einen besonders großen historischen Festumzug. In acht Kapiteln zog die Geschichte der Stadt an den Zuschauern vorbei. Der Einsatz der Gemeinderäte als Hüter der Demokratie wurde vom Publikum genauso begeistert aufgenommen wie die erstmals außerhalb Ravensburg gezeigte barocke Prunkkutsche mit Pfauenfedern oder der Auftritt der Ludwigsburger Kindergartenkinder in Märchenkostümen. Ein Highlight des Jubiläumsumzuges waren die Ballonfiguren – Herzog Eberhard am Anfang und eine riesige Sonne am Ende. Am Marktplatz und am Schillerplatz flogen 7000 weiße Luftballons in den blauen Ludwigsburger Sommerhimmel.
