12/05 2009
„Die Innenstadt darf nicht aussterben“
Vaihingen (phs). Wenn die Parfümerie Wolf in Vaihingen schließt, bleibt kein weiterer leerer Laden zurück: Ein Unternehmen aus Bretten will in der Stuttgarter Straße ab Juli die Geschicke in Sachen Parfüms und Cremes in die Hand nehmen.
In Vaihingen geht eine Ära zu Ende. Die Parfümerie Wolf schließt nach mehr als 40 Jahren ihre Pforten. „Aus Altersgründen“, lässt der 66-jährige Inhaber Sven-Jörg Wolf wissen. Ende Juni wird das letzte Parfümflakon über den Ladentisch gehen – zumindest vorerst. Der scheidende Geschäftsmann hat nämlich auch gute Nachrichten: Er gibt einen Nachfolger an.
Die Brettener Parfümerie Stephan will in Vaihingen eine Filiale eröffnen. Mit zehn Geschäften ist sie bereits unter anderem in Darmstadt, Karlsruhe, Bruchsal und Rastatt vertreten. „Der Laden in Vaihingen wird unsere elfte Filiale“, sagt Geschäftsführerin Miriam Stephan.
Einem weiteren Leerstand in der Vaihinger Kernstadt ist damit entgegengewirkt. Das war ein Anliegen von Sven-Jörg Wolf. „Die Innenstadt darf nicht aussterben“, sagt er und erhebt Vorwürfe: „Vaihingen ist ein wunderschöner Ort, der aber unter einer verfehlten Innenstadtpolitik zu leiden hat.“ Zu wenige Angebote für junge Menschen, keine Anziehungspunkte für ein gesellschaftliches Miteinander. Das sind für ihn Faktoren, die den Niedergang des Einzelhandels begünstigen. „Ein einfaches Café würde schon ausreichen, um mehr Menschen in die Stadt zu ziehen.“
Als gravierendsten Fehler in Sachen Innenstadtbelebung sieht er den Bau des Ärztehauses Vaisana: „Viele Menschen müssen jetzt nicht mehr in die Fußgängerzone kommen, wenn sie zum Arzt müssen. Damit haben die Einzelhändler Kunden verloren.“ Mittlerweile regt er sich darüber nicht mehr so auf wie früher einmal. Ändern kann Wolf daran so oder so nichts.
Damit der Laden nicht leer steht, hat er sich bereits im vergangenen Jahr um die Nachfolge gekümmert. Wichtig sei ihm dabei gewesen, dass keine große Kette in die Innenstadt einziehe. Einer Buchhandlung, die in vielen deutschen Städten vertreten ist, habe er zum Beispiel eine Abfuhr erteilt. „Bei der Parfümerie Stephan weiß ich wenigstens, dass es ein qualitätsvolles Geschäft in Familienhand ist“, sagt Sven-Jörg Wolf.
Das Brettener Haus plant nach eigenen Angaben, das Sortiment – im Vergleich zum bisherigen Angebot von Wolf – zu vergrößern. „Wir werden alle internationalen Marken im Programm haben“, sagt Miriam Stephan. Außerdem würden die Mitarbeiter, die Interesse an einer weiteren Beschäftigung zeigen, übernommen. Für Vaihingen habe sich das Unternehmen entschieden, weil hier noch Ansätze einer Einzelhandelsstruktur vorhanden seien.
Eine Lücke in der Vaihinger Ladenlandschaft wird sich übrigens in naher Zukunft ebenfalls wieder schließen: Nachdem der Mobilfunk-Shop neben der Parfümerie Wolf vor wenigen Wochen seine Pforten schloss, soll dort bald wieder ein Geschäft einziehen. „Bei uns haben sich viele Interessenten gemeldet und wir wollen das Objekt schnell wieder vermieten. Auch damit wieder Leben in die Stadt kommt“, war vom Vermieter auf Nachfrage der Vaihinger Kreiszeitung zu erfahren.
Trotz aller Kritik versichert Sven-Jörg Wolf, dass er Vaihingen auch mit einem weinenden Auge verlässt. Er zieht nach Schwieberdingen um. Der Geschäftsmann sieht für Vaihingen aber noch eine Chance: „Zu spät ist es nie. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Jetzt muss in Sachen Innenstadt in Vaihingen allerdings schnell gehandelt werden.“
