Vaihingen (fw). Laut Gesetz hat die Feuerwehr die Aufgabe, bei Bränden und Notständen Hilfe zu leisten. In Vaihingen geht die Freiwillige Feuerwehr diesen Aufgaben seit 150 Jahren nach. Am Samstag zeigen die Wehrleute ihr Können auf dem Marktplatz – im Rahmen einer Großübung.
Retten, löschen, bergen und schützen. So kann man die Tätigkeiten der Feuerwehr kurz und knapp beschreiben. Die erste Aufgabe ist dabei das Retten. Menschen aus brennenden Häusern holen, Verletzte aus verunfallten Fahrzeugen schneiden, bei der Suche nach Vermissten helfen, das sind die Hauptaufgaben der Feuerwehr. Dabei gilt es, die Lebensgefahr für die beteiligten Personen zu bannen.
Dazu gehören zum Beispiel das Absichern einer Unfallstelle als Schutz für Patienten und auch Retter, das patientengerechte Befreien aus Zwangslagen und Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die Zeit spielt unter Umständen auch eine entscheidende Rolle. „Viele Personen können gerettet werden, weil die Feuerwehr schnell zum Unglücksort kommen, und noch rechtzeitig eingreifen kann, oder aber Passanten durch überlegtes Handeln eine Rettung einleiten“, sagt der Vaihinger Abteilungskommandant Thomas Korz.
Wenn es nichts mehr zu retten gibt, beginnt das Bergen
Die älteste und ursprünglichste Aufgabe der Feuerwehr, das Löschen, heißt im Fachjargon „abwehrender Brandschutz“. In Brand geratenes soll möglichst schnell gelöscht werden, um ein Ausbreiten der Flammen, und damit weiteren Schaden zu verhindern. Gibt es nichts mehr zu retten, fängt in der Regel das Bergen an. Nach Unfällen und Katastrophen muss die Feuerwehr Fahrzeuge, Sachgüter, Tiere oder auch tote Menschen bergen. Nach Unwettern zählt beispielsweise auch das Entfernen umgestürzter Bäume von Straßen zu den Aufgaben. Oder eben das Auspumpen von Kellern. „Manchmal müssen wir auch entlaufene oder entflogene Tiere einfangen“, fügt Korz hinzu.
In die Verhinderung von Notfällen, also das Schützen, investiert die Feuerwehr viel Zeit und Arbeit. Zum Beispiel stelle sie Brandsicherheitswachen bei öffentlichen Veranstaltungen auf, kontrolliere und warte Brandmelder, Warnsysteme, Hydranten und Löscheinrichtungen. Sie berate auch Firmen bei der Aufstellung von Alarmplänen und anderen Brandschutzmaßnahmen. „In Schulen und Kindergärten wird Kindern bei der Brandschutzerziehung schon früh das Verhalten bei Feuer und Unglücksfällen nahe gebracht.“ Aktiven Umweltschutz betreibt die Feuerwehr durch die Eindämmung von Gefahren nach Unfällen mit Öl oder anderen chemischen, biologischen oder atomaren Gefahren.
Das bedeutet jede Menge Arbeit für die Feuerwehrangehörigen in Vaihingen, und das seit nunmehr 150 Jahren. Nachdem sich die Feuerwehr bereits bei der Vaihinger Messe präsentiert hat, soll für die Bevölkerung im Mai das erste Highlight zum Jubiläum der Abteilung „Stadt“ der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen stattfinden. Am Samstag (9. Mai) wird ab 15 Uhr auf dem Marktplatz in Vaihingen eine große Schauübung stattfinden. Hierbei wollen die Wehrmänner der Abteilung Vaihingen zeigen, was sie können, aber auch wie die Tätigkeiten Retten, Löschen, Bergen und Schützen sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt haben. „An jeder Ecke des Marktplatztes wird eine Übung stattfinden“, sagt Thomas Korz.
Feuerwehrmänner müssen ihre Erlebnisse aufbereiten
Bei den Einsätzen stehen Feuerwehrleute oft extrem unter Stress. Sowohl körperlich als auch seelisch. Manchmal sehen und erleben sie schlimme Dinge. „Wenn Personen verletzt oder sogar getötet wurden, sind die meisten Retter hinterher noch so aufgewühlt, dass keiner nach dem Einsatz sofort nach Hause gehen kann.“ Zuerst müsse das Erlebte verarbeitet werden, vor allem nachts, wenn keine Ablenkung durch die Arbeit gegeben sei. Meist wird dann noch zusammen gesessen und über den Brand oder den Unfall und seine Folgen gesprochen. In ganz extremen Fällen stehen den Rettern sogar Seelsorger zur Seite. Das gemeinsame Erlebnis der Einsätze mit ihrer großen seelischen Beanspruchung schweiße Feuerwehrleute oft eng zusammen.
„Dies wird als Kameradschaft bezeichnet. Bei Außenstehenden führt dieser Begriff gerne zu einem falschen Bild“, sagt Abteilungskommandant Thomas Korz. Mit der althergebrachten leutseligen Kumpanei, wie es in vielen Köpfen noch herumschwirre, habe die Beziehung der Feuerwehrleute untereinander nichts zu tun.
