Milchstreik: Etwa 75 Bauern aus der Umgebung sind dabei
Vaihingen – Am bundesweit ersten Streik der Milchbauern beteiligen sich auch rund 75 Bauern aus dem Landkreis Ludwigsburg und dem Enzkreis. Frank Bäuerle aus Iptingen liefert zum Beispiel nichts mehr an die Campina-Molkerei bei Heilbronn.
„Wir wollen, dass uns die Molkereien pro Liter Milch mindestens 43 Cent bezahlen“, sagt der Teamleiter für den Enzkreis des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Frank Bäuerle. Mit ihm streiken zurzeit rund 75 Milchbauern aus dem Enzkreis und dem Landkreis Ludwigsburg. „Die genaue Anzahl wissen wir noch nicht, da ja nicht alle Bauern im Verband organisiert sind“, erläutert Bäuerles Kollege Wolfgang Eckstein aus Remseck, der im Verband für den Landkreis Ludwigsburg zuständig ist.
Die Forderung begründet der Iptinger Milchbauer stellvertretend für die BDM-Mitglieder mit den gestiegenen Kosten für Futter und Haltung der Kühe. Die nötigen Aufwendungen für einen Liter Milch seien in den vergangenen Jahren um etwa sieben Cent gestiegen. Der Preis, den die Molkereien bezahlen, sei hingegen bei etwa 34 Cent stehen geblieben. „Ich bin nicht mehr bereit, für diesen Dumpingpreis zu verkaufen“, sagt Bäuerle und erläutert, dass er lieber täglich etwa 800 Liter Milch an Kälber verfüttert und in den Gully leert.
Der Kreisvorsitzende des Bauernverbandes Ludwigsburg-Heilbronn Eberhard Zucker aus Vaihingen gibt zu bedenken, dass das Wegleeren der Milch mit ethischen Problemen verbunden sei. Frank Bäuerle sieht das anders: „Alles kann ich ja nicht den Kühen geben, sonst werden sie krank.“
Die Campina-Molkerei bei Heilbronn, die unter anderem auch Landliebe-Produkte herstellt, beliefern die rund 75 Bauern erst wieder, wenn sie den geforderten Betrag von 43 Cent pro Liter bezahlt. „Wir haben einen langen Atem“, sagt Wolfgang Eckstein. Milchbauer Bäuerle aus Iptingen rechnet vor: „Wenn wir nur zwei Cent mehr pro Liter bekommen würden, könnten wir davon 20 Tage Streik finanzieren.“
Damit auch der Handel den fehlenden Milch-Nachschub zu spüren bekommt, wollen einige im BDM organisierten Bauern jetzt die Regale leer kaufen. „Ich habe gestern zum Beispiel 60 Liter gekauft“, sagt der Iptinger. Da er auch den Verkauf auf seinem Hof eingestellt hat, verschenkt er einen Teil der gekauften Milch an seine Kunden.
Philipp-Marc Schmid
