Vaihingen (oh) – Überfüllte Busse, fehlende Möglichkeiten zum Festhalten, keine Vertaktung mit dem Nachmittagsunterricht – eine Umfrage des Gesamtelternbeirats der Vaihinger Schulen zur Schülerbeförderung offenbart Verbesserungsbedarf.
„Zwischen Federvieh und nacktem Schaf“ titelt der Landeselternbeirat in seiner Januar-Ausgabe der Zeitschrift „Schule im Blickpunkt“ und vergleicht die Vorschriften zur (Schüler-)Beförderung mit denen zum Viehtransport. Fazit: Während laut EU-Richtlinie einem ungeschorenen Schaf mindestens 0,2 Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen müssen, passt ein Mensch laut Richtlinie zur Personenbeförderung auf 0,125 Quadratmeter. Anders ausgedrückt: Acht mit Schulranzen, Rucksäcken oder Sporttaschen bepackte Schüler dürfen auf einer Fläche von einem Quadratmeter transportiert werden.
Dass der Vergleich mit dem Viehtransport gar nicht weit her geholt ist, offenbarte auch die Umfrage zur Schülerbeförderung, die der Gesamtelternbeirat (GEB) der Stadt Vaihingen unter allen Fahrschülern der weiterführenden Schulen im November vergangenen Jahres durchführte. Insgesamt 713 ausgefüllte Fragebögen wurden an Oberbürgermeister Gerd Maisch und Kämmerer Jürgen Liegmann übergeben. Sie zeigen, dass in vielen Bereichen der Schülerbeförderung Verbesserungsbedarf besteht.
Der Fragebogen bot die Möglichkeit, die Schülerbeförderung mit einer Schulnote zu bewerten – für ein „ausreichend“ (3,6) hat es immerhin gereicht. In der Wirtschaft bedeutet bereits ein Befragungsergebnis von schlechter als 3,0 eine dringende Handlungsaufforderung; nur bei einem Durchschnitt von besser als 2,0 lehnen sich die Entscheidungsträger zufrieden zurück.
Mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) klagt über fehlende Festhaltemöglichkeiten in den Bussen, da unter der Decke verlaufende Haltestangen vor allem für jüngere Schüler einfach nicht zu erreichen sind. Diese sind es jedoch, die häufig nur Stehplätze ergattern, da sich die Großen besser durchsetzen können. Es überrascht daher nicht, dass die Gruppe der Schüler, die regelmäßig keine Festhaltemöglichkeit finden, durchschnittlich deutlich schlechtere Noten vergibt (4,4) als die anderen (3,1).
Die Überfüllung der Busse wird insgesamt von nahezu allen Befragten beklagt – übrigens auch von vielen, die eine gute Note für die Schülerbeförderung vergeben haben. Sie führt regelmäßig dazu, dass Schüler an Bushaltestellen stehen gelassen werden. Weichen die Kinder auf frühere Busse aus, sind die Schulen noch gar nicht geöffnet. Ein weiteres Problem ist die fehlende Vertaktung der Busfahrpläne mit dem Nachmittagsunterricht. Dadurch benötigen einzelne Kinder bei „ungünstigem“ Wohnort 90 Minuten für den Heimweg. Wenn dann noch Hausaufgaben angesetzt sind, wird die ohnehin knappe Freizeit weiter unnötig begrenzt. Insbesondere im Zusammenhang mit der hohen Zeitbelastung der Kinder im achtjährigen Gymnasium sei zusätzliche „Pufferzeit“ für akzeptable Beförderungsbedingungen nicht hinnehmbar, heißt es in einer Mitteilung des GEB.
Überhaupt scheinen Haltestellen und Fahrpläne nur einen ungefähren Anhaltspunkt zu liefern, dass an diesen Orten irgendwann einmal Personenbeförderung stattfindet. Häufig wird bemängelt, dass Busse zu früh abfahren oder gelegentlich auch Haltestellen gar nicht anfahren. Insbesondere, wenn Haltestellen am Ende einer Route liegen, handeln einzelne Busfahrer offenbar nach persönlichen Vorlieben. Zur Begründung, warum der Bus im konkreten Fall das Stromberg-Gymnasium Vaihingen nicht mehr anfahren würde, wurde zitiert: „Aufgrund der hohen Benzinpreise kann der Bus nicht mehr weiter fahren.“
Die Busfahrer haben es schwer, denn auch für sie ist das Gedränge an den Haltestellen, der Lärm im Bus und die Überfüllung von Buslinien im Schülerverkehr eine Zumutung. Dennoch gibt es nach Meinung der Befragten einzelne positiv herausragende Fahrer. Leider sei diese Kundenorientierung bei anderen deutlich weniger ausgeprägt und so liegen einige Fragebögen vor, die über unhöfliches und barsches Verhalten der Fahrer berichten. Auch Beschimpfungen der Schüler scheinen für den einen oder anderen Busfahrer zum guten Ton zu gehören.
Der Gesamtelternbeirat hat mit der Fragebogenaktion gezeigt, dass bei der Schülerbeförderung einiger Handlungsbedarf besteht. Vor allem der Problembereich Überfüllung müsse dringend von den Verantwortlichen des Landkreises Ludwigsburg angegangen werden. Die Deutsche Versicherungswirtschaft empfiehlt, zur Verbesserung der Sicherheit in Schulbussen die Kapazitäten so zu planen, dass für jeden Fahrgast ein Sitzplatz mit Sicherungsgurt zur Verfügung steht. Das bedeutet zusätzliche Schulbusse während der Schulzeit.
Der GEB plant, die Umfrage künftig in jedem Schuljahr durchzuführen, um weiterhin Schwachstellen aufzuzeigen und Verbesserungswünsche anzubringen. An alle Eltern und Schüler bleibe die Aufforderung bestehen, Mängel und Beschwerden konkret unter Angabe von Buslinie, Datum und Uhrzeit an die betroffenen Busunternehmen und das Landratsamt weiterzuleiten.
