Lebenshilfe plant Wohnheim in Vaihingen
Vaihingen (aa) – Der 6. Juli soll eine Marke setzen. Da wird das Jubiläumsprojekt der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker im Vaihinger Spitalhof bei einem Tag der offenen Tür offiziell vorgestellt. Sieben Wohnplätze für Menschen mit Behinderung sollen auf historischem Boden mitten in Vaihingen entstehen. Angegliedert werden Räume als Treffpunkt zur Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung sowie für das bestehende Angebot für Offene Hilfen.
Treffpunkt Spitalhof an der Auricher Straße. Fridolin Bernhart, Vorsitzender der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker, und Manfred Schmidt, Mitglied im Vorstand, erklären gerne das Vorhaben, das sie zum 40-jährigen Bestehen des Vereins angehen. „Es ist sicher unser bislang schwierigstes Projekt der Lebenshilfe“, meint Bernhart. „Und es wird für uns eine Mords-Belastung darstellen.“ Immerhin: rund 730000 Euro müssen nach Einschätzung des Architekten aufgebracht werden, um das denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren. Ein gutes Drittel erhofft sich der Verein als Zuschuss von der „Aktion Mensch“, ein weiteres Drittel muss über Darlehen finanziert werden, das letzte Drittel aus Eigenmitteln und -leistungen sowie Spenden. Ein Aufruf an die Mitglieder und Freunde ist schon verfasst. Wer hat handwerkliche Fähigkeiten und kann helfen?
Einen Schlüssel für das Haus haben die Herren von der Lebenshilfe derzeit noch nicht, doch die Verträge mit der Stadt Vaihingen sind unter Dach und Fach. Die Stadt Vaihingen hat dem Verein das Gebäude zu günstigen Konditionen überlassen. „Wir müssen im Prinzip nur den Preis für das Grundstück bezahlen“, freut sich der Vorsitzende. Im Klartext: Es sind rund 70000 Euro, die fällig werden, wenn die Lebenshilfe ins Haus kann. Die hier viele Jahre untergebrachte Sozialstation residiert seit einem Jahr im Ärztehaus Vaisana; unter dem Dach wohnt noch eine Familie, die aber in diesen Tagen auszieht. Mit ihrer Hilfe kommen die neuen Besitzer schon mal ins Gebäude.
Hilfen vor Ort anzubieten ist ein zentrales Anliegen der Lebenshilfe. Seit 22 Jahren betreibt sie zum Beispiel in Kleinglattbach ein Wohnheim, doch hat man speziell für die Kernstadt Vaihingen einen Bedarf für alternative Wohnformen ausgemacht. Und der soll im Spitalhof 4 angeboten werden. „Ambulant betreutes Wohnen ist auf Dauer angelegt und geprägt von weitgehender Selbstständigkeit und Eigenverantwortung“, erklärt Bernhart. Für eine Begleitung sorgen Fachkräfte der Lebenshilfe mit einer gewissen Betreuungszeit.
Im Ober- und Dachgeschoss sollen sieben Einzelzimmer entstehen. Dazu gehören Sanitärräume und ein großer gemeinschaftlicher Aufenthalts- und Küchenbereich. Im Erdgeschoss ist mit separatem Zugang eine kombinierte Nutzung vorgesehen. So wird das ehemalige Lager der Sozialstation als Saal genutzt; eine Küche wird angegliedert. Zudem soll eine Anlaufstelle für die oft nachgefragten Offenen Hilfen der Lebenshilfe entstehen und die damit, zentral gelegen, endlich eine feste Heimat bekommen. Die Bereiche werden durch einen Aufzug miteinander verbunden, was in einem Haus, das für Behinderte eingerichtet wird, eine Selbstverständlichkeit ist. Aber auch das Treppenhaus muss erhalten bleiben – das Denkmalamt will es so. So wird der Aufzug kaum mehr als einen normalen Rollstuhl aufnehmen können.
Auf die Aspekte des Denkmalschutzes sollte nicht nur im Treppenhaus geachtet werden. Stuckdecken müssen selbstverständlich erhalten werden, die früher recht radikal überpinselten hölzernen Vertäfelungen an den Wänden darf man auf keinen Fall entsorgen. „Wir mussten da schon kräftig schlucken“, meint Vorsitzender Bernhart.
Wie gesagt: Am 6. Juli will die Lebenshilfe das Projekt groß der Öffentlichkeit präsentieren und die Werbetrommel rühren. „Wir freuen uns auf Helfer, auf Spender, auf Mitglieder und künftige Bewohner“, sagt Bernhart. Zwei konkrete Anmeldungen liegen übrigens schon vor. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das Haus im Herbst 2009 in Betrieb zu nehmen – möglichst voll belegt, „denn leerstehende Zimmer können wir uns nicht leisten“. Um die 2000 Euro im Monat müssen die künftigen Bewohner für einen Platz einkalkulieren, Kosten, die in aller Regel über die Eingliederungshilfen getragen werden.
Zum Tag der offenen Tür soll es unter anderem auch eine Ausstellung über die Frauenarbeitsschule geben, die hier (mit Pause) von 1910 bis 1968 bestand. Dazu werden nach wie vor Erinnerungen gesucht, Fotos vom Schulbetrieb, von Abschlusskursen oder auch die damals hergestellten Dinge wie Tischdecken. „Wir haben schon eine schöne Palette von Ausstellungsstücken beisammen“, freut sich Manfred Schmidt, der die Ausstellung „Ein Haus zeigt seine Geschichte – über 200 Jahre Spitalhof 4“ konzipiert.
Wer noch Ausstellungstücke beisteuern kann (Leihgaben mit Namen und Adresse versehen), ist bei der Lebenshilfe jederzeit willkommen. Kontaktadresse ist die Geschäftsstelle des Vereins Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker in der Mühlackerstraße 141 in Lomersheim, Telefon (07041) 9542-0. Die Abgabe sollte bis zum 28. Mai erfolgen.
