Donnerstag, 24. Mai 2012

Kanufahren auf der Enz


Bei der Einhaltung der Regeln sind Kanufahrten auf der Enz eher ungefährlich. Foto: Bögel
Bei der Einhaltung der Regeln sind Kanufahrten auf der Enz eher ungefährlich. Foto: Bögel

Vaihingen (elf) – Seit Anfang Mai sind sie vor allem an den Wochenenden wieder zu sehen - die Kanufahrer auf der Enz. Ein Ausflugsspaß für die ganze Familie, bei dem man schon auch mal im kühlen Wasser landen kann. So wie einige Teilnehmer einer Jugendgruppe, die am Montag bei Mühlhausen mit ihren Kanus kenterten. Außer nassen Klamotten hatte das Bad im Flüsschen keine Konsequenzen. Die VKZ hat sich bei Beteiligten, Verantwortlichen und Verwaltung umgehört.
„Dass da die Mühlacker Feuerwehr anrückte, war absolut unnötig“, sagt Martina Fink vom Jugendhaus Marbach, die selbst in einem der gekenterten Boote saß. Nach dem unfreiwilligen Bad in der Enz seien die Gekenterten ans Ufer geklettert, hätten trockene Kleidung angezogen und erstmal gevespert. Sicher hätte der eine oder andere etwas gefroren, weshalb man sich von den Floriansjüngern dazu überreden lassen hätte, im Mühlhäuser Feuerwehrgerätehaus aufzuwärmen. Doch auch ohne Feuerwehr wäre alles in Ordnung gewesen.
Im Rahmen einer jährlich stattfindenden gemeinsamen Veranstaltung der Jugendhäuser aus Vaihingen und Marbach machten sich am Montagmorgen acht Jugendliche aus Vaihingen und elf aus Marbach mit ihren fünf Betreuern auf einen dreitägigen Kanuausflug auf der Enz. Aber schon nach zweieinhalb Stunden war Schluss. „Die Strömung war so stark, dass wir Mühe hatten, Sichtkontakt zu den anderen Kanus zu halten“, berichtet Martina Fink, die in einem der acht Kanus saß. Eines der Boote kenterte plötzlich, weil es gegen einen Strauch fuhr. Gleich darauf kenterten zwei weitere Kanus. Da es in dem an dieser Stelle rund zwei Meter tiefen Wasser nicht möglich gewesen sei, gegen die Strömung zu schwimmen, mussten sich die Gekenterten ans Ufer treiben lassen.
„Die Gruppe wurde eingewiesen, wie es Vorschrift ist“, weiß Karin Reithmeyer vom Sersheimer Kanuverleiher „Natur pur“. Ihr Sohn Helge, ein ausgebildeter Kanu-Touristiker, hätte die Enz als gut befahrbar eingeschätzt, eine Einweisung vorgenommen und auch auf das Tragen von Schwimmwesten hingewiesen. „Wenn wir uns nicht an die strengen Auflagen des Landratsamtes halten würden, müssten wir damit rechnen, dass unser Verleih geschlossen wird“, so Karin Reithmeyer. „Angst brauchte man an dem Tag wirklich nicht zu haben.“
Gerd Hofer vom Kanu-Tour-Unternehmen „Die Zugvögel“ in Bietigheim-Bissingen bestätigt: „Die Enz ist ideal für Leute, die sanft paddeln und die Natur genießen wollen.“ Auch bei ihm sei eine Einweisung an Land obligatorisch. Die Gefahr zu kentern bestehe für ein Kanu immer dann, wenn das Wasser flach wird und Steine auf dem Grund sind. Auch wenn in den Kurven, die man von außen anfahren sollte, Gebüsch hereinhängt, an dem die Bootsinsassen hängenbleiben, drohe Kentergefahr. Schnell verlagert sich der Schwerpunkt oder das Boot stellt sich quer – und es macht platsch. „Das muss man einkalkulieren und ist auch nicht gefährlich, da Schwimmwesten vorgeschrieben sind“, sagt Hofer. Wichtig sei es, sich speziell an den gefährlichen Stellen an die Vorschriften zu halten. So sei es unabdingbar, in Vaihingen an den Wehren beim E-Werk und der Auch-Mühle die Enz samt Kanu zu verlassen und das Hindernis zu umgehen. Bei der Brücke beim Leinfelder Hof in Enzweihingen gelte es, auf das flache, schnelle Wasser und die Steine aufzupassen. „Mittig und gerade fahren, dann ist das harmlos“, weiß Hofer. Zwischen Oberriexingen und Unterriexingen sei es wichtig, auf das Riff in der Mitte zu achten. Erfahrene Kanuten würden die Durchlässe erkennen und meistern. Alles in allem sei die Enz „eher ein Wanderfluss“ für Anfänger.
„Kanufahren ist zum Trendsport geworden“, sagt Claudia Göllner, Leiterin des Sachgebiets Wasserrecht im Landratsamt Ludwigsburg. Sie wirkte maßgeblich an der Erarbeitung und Umsetzung einer Rechtsverordnung bezüglich des Bootsverkehrs auf der Enz mit. Die Verordnung gelte ab Roßwag bis zum Viadukt in Bietigheim-Bissingen. Ziel der Verordnung, die seit 1. Mai diesen Jahres vollständig in Kraft trat, sei es, das Kanufahren auf dem Flüsschen zu ermöglichen und gleichzeitig den Lebensraum Enz zu schützen.
So sei das Kanufahren ab der Landkreisgrenze bei Roßwag bis zur Seemühle vom 1. Mai bis 30. September verboten und nur in Ausnahmen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Im Bereich des Vaihinger Freibads gebe es eine wasserstandsabhängige Regelung. So ist dort das Befahren der Enz bis zur Sägmühle Bissingen bei einem Pegelstand unter 45 Zentimeter ganzjährige verboten. Vom 1. Mai bis 30. September sind bei einem Pegelstand zwischen 45 und 64 Zentimeter geführte Touren möglich. Maßgebend ist der Tagesmittelwert des Vortages am Pegel Vaihingen. Dieser kann vor jeder Tour unter Telefon (07042) 17111 abgefragt werden. Zwei ehrenamtliche Enzbeauftragte kontrollieren die Rechtsverordnung an schönen Sonn- und Feiertagen und wirken laut Claudia Göllner vorwiegend „beratend und informierend“. Wichtig seien in diesem Zusammenhang auch die Rückmeldungen ans Landratsamt. In Sachen Verstöße gegen die Rechtsordnung habe sie noch keine Klagen gehört.
Wer sich nicht an die gängigen Vorschriften hält, kann am Ende auch durchaus in einem Sarg landen, wie Stadtbrandmeister Thomas Fais von der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen weiß: „Es hat schon Spezialisten gegeben, die über das Wehr bei der Auch-Mühle gefahren sind, dort kenterten und von uns ein paar Stunden später tot geborgen werden mussten.“ Übrigens: Der Ausflug der Jugendgruppen aus Vaihingen und Marbach fand nicht mehr auf der Enz, sondern gemütlich im Trockenen des Jugendhauses „Abseits“ statt.


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