Donnerstag, 24. Mai 2012

Brückenprüfung in Vaihingen


Der Fußgängersteg bei der Auch-Mühle wurde untersucht. Foto: Elsässer
Der Fußgängersteg bei der Auch-Mühle wurde untersucht. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Sie ist mit ihren rund 45 Jahren schon etwas in die Jahre gekommen – die Fußgängerbrücke, die die beiden Enzufer zwischen der Enzgasse bei der Auch-Mühle und dem Egelsee in Vaihingen verbindet. Gestern wurde sie von einem Ingenieurbüro eingehend unter die Lupe genommen. Und mit ihr auch die Brücke über den Strudelbach in der Hochdorfer Straße in Enzweihingen.
Gestatten: Helmut Schaffran, Diplom-Ingenieur, Thomas Lehmann, Diplom-Ingenieur und Stefan Weber, Brückenuntersichtgerätefahrer. Gemeinsam machten sich die drei Männer gestern daran, den Steg zum Egelsee einer sogenannten Brückenprüfung nach DIN 1076 zu unterziehen. Was sich trocken nach Verwaltungsdeutsch anhört, ist eine spannende und ungemein wichtige Angelegenheit. Witterungseinflüsse und mitunter auch Bausünden der Vergangenheit sind es oft, die den Brücken zusetzen und im Laufe der Jahre zu schadhaften Stellen führen. Kein Wunder, dass die Brücken alle sechs Jahre einer Hauptprüfung und alle drei Jahre einer einfachen Untersuchung unterzogen werden müssen. Die Stadt Vaihingen hat hierfür das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner in Stuttgart beauftragt.
Genau 65 Meter lang ist die Brücke, die Anfang der 60er Jahre gemeinsam mit dem Wehr bei der Auch-Mühle gebaut wurde. Inzwischen hat sie den einen oder anderen Korrosionsschaden aufzuweisen und entspricht auch nicht mehr den modernen Anforderungen. So stellten die Ingenieure Schaffran und Lehmann gleich fest, dass das Geländer mit seiner Höhe von 90 Zentimetern nicht der aktuellen Gesetzgebung entspricht, die eine Höhe von einem Meter vorschreibt. Doch ersetzt werden muss das Geländer deswegen noch lange nicht. „Erst wenn Instandsetzungsmaßnahmen an der Brücke erforderlich sind, wird auch das alte Geländer erneuert“, sagt Helmut Schaffran. Bis dahin gelte der Bestandschutz.
Ein höheres Geländer wird es wohl in absehbarer Zeit nicht für den Fußgängersteg geben, denn auf den ersten Blick präsentierte er sich in einigermaßen gutem Zustand. Betonschäden waren vor allem an den Gesimsen zu erkennen. Um solche und andere Schäden zu erkennen, wird ein sogenanntes Brückenuntersichtgerät verwendet, dass es den Ingenieuren erlaubt, die Brücke aus einem Korb heraus von unten und trockenen Fußes zu inspizieren.
Während der Fahrer von oben aus das mit einem elektrohydraulischen Fahrantrieb versehene Gerät im Schneckentempo über die Brücke bewegt, klopfen die Ingenieure von unten mit dem Hammer gegen den Beton. „Dadurch erkennen wir, ob sich im Beton Hohlstellen oder Abplatzungen befinden“, sagt Schaffran. Außerdem müssen die Lager auf Beweglichkeit und ihren Zustand hin untersucht werden. Daneben müssen die Fachleute die Stahlteile auf Korrosion begutachten und auch die Schutzeinrichtungen wie Geländer auf ihren Zustand hin prüfen. Dabei gibt es für die Spezialisten drei Hauptkriterien, nach denen sie den Zustand einer Brücke bewerten: die Standsicherheit, die Verkehrssicherheit und die Dauerhaftigkeit des Bauwerks. Bewertet wird von 1 (gut) bis 4 (schlecht). Nachdem die Ingenieure nach rund fünf Stunden mit ihrer Arbeit fertig waren, kamen Mitarbeiter der Kläranlage und untersuchten die dort verlegten Abwasserrohre. Ergebnis: keine Beanstandungen.
In nicht ganz so tollem Zustand präsentiert sich die Brücke über den Strudelbach im Bereich der Hochdorfer Straße in Enz–weihingen. Da dort bereits Abplatzungen im Beton festgestellt wurden, wurden dort gestern Nachmittag Proben entnommen. Vor allem die notwendigen Streumaßnahmen durch den Winterdienst hätten der Brücke zugesetzt, sagt Tiefbauamtsleiter Hartmut Helber. Am kommenden Mittwoch werde noch der Steg zwischen Mühlstraße und Badplatz inspiziert.


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