Maulbronn (eld) – Um drei bis vier Prozent sind in den vergangenen Jahren die Besucherzahlen im Kloster Maulbronn gestiegen. Unter den Gästen befinden sich auch immer mehr Touristen aus dem Ausland. Führungen in Fremdsprachen sind gefragter denn je.
„Wir haben uns schon immer bemüht, den französischen und englischen Part abzudecken“, sagt Abteilungsleiterin Dr. Karin Stober, bei Staatliche Schlösser und Gärten zuständig für die Maulbronner Öffentlichkeitsarbeit. Doch längst erzählen Klosterführer auch auf Spanisch, Italienisch, Niederländisch oder sogar Russisch den Besuchern von der Historie des Zisterzienserklosters.
Dr. Karin Stober und ihre Mitarbeiter im Amt Pforzheim führen keine Statistik über die Zahl der ausländischen Klosterbesucher. Insgesamt besuchten 2007 rund 100000 zahlende Gäste das Kloster, damit habe schon wie in den Jahren zuvor eine Steigerung um rund drei Prozent verzeichnet werden können.
Während landauf, landab die Besucherzahlen rückläufig waren sind sie im Amtsbereich von Karin Stober, der vom Bodensee bis zur Kurpfalz reicht, gestiegen. Der Grund: Seit dreieinhalb Jahren wird der Schwerpunkt auf eine bessere Öffentlichkeitsarbeit gelegt.
Den Zuwachs führt die Historikerin auch auf die steigenden Zahlen ausländischer Besucher zurück. Unter ihnen auch: hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft. 2007 kamen unter anderem der chinesische Volksgerichtspräsident und der amerikanische Botschafter nach Maulbronn.
„Das Unesco-Prädikat ist ausschlaggebend“, stellt Stober fest. Sie denkt aber auch, dass die besondere Aura des Klosters mit entscheidend für den wachsenden Zulauf ist.
Fremdsprachige Flyer sind derzeit in Produktion. Die Klosterführer in französisch, englisch und italienisch sind im Druck. Spanisch soll folgen. Stober: „Wir reagieren auf die Entwicklung und richten unser Angebot nach der Nachfrage aus.“ Die Serviceleistung sei nachfrageorientiert ausgerichtet.
Das wachsende Interesse des Auslands lässt sich an der Zahl angemeldeter Gruppen erkennen. Auch die Nachfrage nach Audio-Guides hat sich verstärkt. Mit dem Hörer am Ohr marschieren selbst Gäste aus Indien und Korea durch das Kloster. Laut Karin Stober haben in jüngster Zeit vor allem die gebuchten Führungen in Französisch zugenommen.
Bei der Einstellung neuer Mitarbeiter für das Info-Zentrum im Klosterhof sind Fremdsprachenkenntnisse längst ein Kriterium. Barbara Gittinger, die dort arbeitet, spricht englisch und spanisch. Auf englisch, französisch und italienisch verständigt sich Angelika Wiechert mit den Besuchern. Monika Müller führt in englischer Sprache durch das Kloster. „Wir haben viele japanische Gäste“, stellt sie fest.
„Wir versuchen, in das Ausland reinzugehen“, erklärt Karin Stober die Entwicklung. So sei Maulbronn unter anderem im europaweiten Verband der Zisterzienserklöster, dem „Charte Cistercienne“ vertreten. Auch über den Welterbeverein werde international für das Kloster geworben. Die Unesco-Auszeichnung sei die Schiene, über die Maulbronn sich über die nationale Grenzen hinweg befördern könne.
„Das Tourismusgeschäft ist eine Gradwanderung“, sieht sie zugleich die Grenzen dieser Entwicklung. Tourismus sei mit Augenmaß zu betreiben, die historischen Bauwerke dürften keinen Schaden nehmen. Maulbronn zeichne sich durch eine einmalige Mischung aus Tourismus, Seminar und dem normalen Leben einer Stadt aus. Dies trage zur besonderen Atmosphäre bei und müsse erhalten belieben.
