Donnerstag, 24. Mai 2012

Sanierung des Eberdinger Rathauses


Das Rathausdach in Eberdingen wird saniert. Foto: Bögel
Das Rathausdach in Eberdingen wird saniert. Foto: Bögel

Eberdingen (ub) – Der Eberdinger Verwaltung wird derzeit gehörig aufs Dach gestiegen. An der Sanierung des Rathauses in der Stuttgarter Straße, der früheren herrschaftlichen Zehntscheuer und Kelter, führt kein Weg vorbei. Der Dachaufbau ist bauphysikalisch fehlerhaft, die Ziegel sind durch Frosterosion zerstört, die Fassade ist hohl und bei der Sanierung von knapp 20 Jahren wurde nachweislich falsches Material verwendet.
Seit mehreren Jahren sind die Schwachstellen an dem unter Denkmalschutz stehenden Verwaltungssitz bekannt. Gutachter bestätigten die gravierenden Mängel. Doch die Beweisführung gegen den damaligen Architekten vor Gericht gestaltete sich äußerst schwierig. „Wir erzielten nicht den Erfolg, den wir uns wünschten“, sagte Steffen Heinrichsdorff, Leiter des Eberdinger Bauamtes. Die Gemeinde musste sich mit einem Vergleich zufrieden geben. Und förderfähig ist die Rathaussanierung mit Kosten von rund 515000 Euro auch nicht.
„Wegen mangelnder Bauaufsicht erfolgte eine fehlerhafte Bauausführung insbesondere an Dachisolierung und Fassade des historischen Rathauses Eberdingens, weshalb bereits jetzt nach 20 Jahren eine erneute umfangreiche Sanierung notwendig ist“, heißt es aus dem Sitzungsbericht des Gemeinderats vom Januar. Von Mai bis August wird deshalb das Gebäude grundlegend auf Vordermann gebracht. Aktuell sind die Zimmerleute an der Nord- und Westseite auf dem Dach, um die brüchigen Biberschwanz-Ziegel, die gut und gerne über 50 Jahre halten, bereits nach zwei Dekaden auszutauschen.
Bauamtschef Heinrichsdorff: „Es wurde uns klar bestätigt, dass der Dachaufbau damals falsch gemacht wurde. Die Hinterlüftung der Ziegel war zu gering, so dass sie nicht richtig trocknen konnten und bei Frost brüchig wurden.“ Vor rund fünf Jahren wurden diese Mängel bereits entdeckt: Es bröselte vom Dach. Auch die Zerstörung der Fassade war ein schleichender Prozess. Wenn die Zimmerleute abgerückt sind, kommen die Restauratoren. Heinrichsdorff: „Die Fassade wurde vor 1989 nicht denkmalgerecht saniert. Sie ist jetzt regelrecht kaputt.“
Mit großem Stolz wurde im November 1989 das neue Eberdinger Rathaus, das aus der über 400 Jahre alten ehemaligen Pflege des Klosters Hirsau entstanden ist, eingeweiht. „Den planerischen Architekten ist es, wie ich meine, mit viel Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail gelungen, den ursprünglichen Charakter dieses jahrhundertalten und über die Zeit hinweg zu den verschiedensten Zwecken genutzten Gebäudes zu erhalten, es mit den Möglichkeiten und Mitteln unserer Zeit für die neuen Nutzungen umzugestalten und so Alt und Neu in ein geglücktes Spannungsverhältnis zu bringen“, schwärmte in der Festschrift damals Bürgermeister Rolf Fetzer. Ein Trugschluss, wie sich jetzt herausstellte.
Sieben Millionen Mark kostete 1989 der Umbau des 1575 erbauten Komplexes. Neben Kelter und Keller im Erdgeschoss, lagen im Obergeschoss der Fruchtkasten und der Amtssitz des Hirsauer Pflegers. In der Zehntscheuer, im westlichen Gebäudeteil, waren ein Bandhaus (Küferwerkstatt) und ein Viehstall untergebracht. Das riesige Dachgeschoss des L-förmigen Baus bot genügend Raum für weitere Getreide- und Heuböden sowie Kammern für Knechte.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im 20. Jahrhundert wurde die historische Kelter und die Zehntscheuer durch die Gemeinde verschiedenen Nutzern zugänglich gemacht. Seit 1881 befand sich in der ehemaligen Pflegerwohnung der Eberdinger Kindergarten, der dann 1971 neu untergebracht wurde. Der Fruchtkasten wurde an Eberdinger Bürger vermietet. Ebenso die Kellerräume. Durch Lattenverschläge unterteilt, dienten diese den Bürgern als Lagerraum. Seit 1950 befanden sich im Dachraum der Zehntscheuer, dort wo schon früher die Knechtkammern waren, zwei Notwohnungen, die erst 1980 aufgegeben wurden. Im westlichen Teil der Scheune hatte die Feuerwehr seit 1969 ihr Gerätehaus, bis 1987 das neue Feuerwehrhaus bezogen werden konnte. Und schließlich war im östlichen Scheunentrakt seit 1977 der Gemeindebauhof untergebracht, der zehn Jahr später ein neues Domizil bezog.


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