Donnerstag, 24. Mai 2012

Preis für Ochsenbacher Geigersberg


Eine sehenswerte Landschaft: Der Ochsenbacher Geigersberg. Foto: Arning
Eine sehenswerte Landschaft: Der Ochsenbacher Geigersberg. Foto: Arning

Ochsenbach (kg) – Die kulturhistorische Weinlandschaft am idyllischen Ochsenbacher Geigersberg im Kirbachtal am Stromberg erhält den diesjährigen Kulturlandschaftspreis. Die bezaubernde Ausstrahlung, die diese weit und breit einzigartige Weinlandschaft nach jahrelangem intensivem Einsatz zahlreicher Beteiligter prägt, hat jetzt auch die Preisrichter des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes, die den mit 1500 Euro dotierten Hauptpreis am 9. Oktober der Teilnehmergemeinschaft „Kulturhistorische Weinlandschaft Geigersberg“in Gruibingen verleihen wird, eingefangen.
Vom aufgelassenen, wild überwucherten Terrassenhang hat sich der Geigersberg zum attraktiven ökologischen Vorzeigeprojekt gemausert. Am landschaftlich markanten Ochsenbacher Geigersberg hatte die Realteilung der reformierten Herzöge zur Folge, dass die traditionelle Weinbergnutzung der auf 60 Eigentümer verteilten Weinbergsparzellen seit 1960 stetig abnahm. Der Brache folgten rasch Hecken und Gebüsch, die einst mühevoll gebauten Weinbergsmäuerle fielen ein. Nach jahrelanger intensiver Vorbereitung ist hier von 1996 bis 2000 auf mustergültige Art und Weise ein Flurneuordungsverfahren gelungen, welches die moderne, wirtschaftliche Nutzung möglich macht und die üppige Vielfalt an Flora und Fauna gedeihen lässt.
Die kunstvoll gepflegten Trockenmauern, die nicht nur waagerecht, sondern auch senkrecht als sogenannte Backenmauern das imposante Erscheinungsbild dieses Kleinods mitgestalten, bieten Lebensraum für zahlreiche Moose und Flechten, Mauerpfeffer, Nelken und die Holunderschwertlilie. An schattigeren Stellen finden sich Standorte der Knoblauchsrauke, Labkraut, Osterluzei, Farne und weiterer charakteristischer Pflanzenarten.
Diese und auch die reiche Vielfalt an Schmetterlingen, sowie die Gelbbauchunke, Mauereidechsen, Heuschrecken, harmlose Schlingnattern, Feuerwanzen, Erdbienen, Spinnen und der Ameisenlöwe sind auf den über 30 sehr ansprechend handcolourierten Informationsstafeln des 2,7 Kilometer langen Rundgangs veranschaulicht. Hier werden Natur, Historie, soziale Unterschiede, traditionelle und moderne Bewirtschaftung wunderbar in Einklang gebracht und zum einzigartigen Erlebnis für die an der Natur interessierten Besucher.
Georg Merkle, Lehrpfadsbeauftragter der Teilnehmergemeinschaft, und Jungwinzer mit eigenem Weingut am Fuß des Geigersbergs hat sich von Anfang an mit viel Herzblut und Engagement diesem Projekt verschrieben. Er bewirtschaftet auch den Sortenlehrpfad, an dem alle für den Standort typischen Rebsorten begutachtet und deren Trauben probiert werden dürfen.
So lockt die weinkundigen Genießer auch ein Wein namens „Weinhähnchen“ einer äußerst seltenen, sehr wärmebedürftigen Zikadenart, die auf der Roten Liste steht und sich am Ochsenbacher Geigersberg sehr wohl fühlt, oder der charaktervolle Rotwein „Bona Dea“welcher der berühmten Ochsenbacher Weiberzeche gewidmet ist. Auch darüber geben zwei Infotafeln am Geigersberger Lehrpfad Auskunft. Übrigens erhielt Ochsenbach bereits 1993 eine Goldmedaille im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Ganz aktuell diesen Sommer hat das heimelige Idyll bei einer erneuten Teilnahme stolze 99 von 100 möglichen Punkten von der Jury bekommen.


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