Vaihingen (aa) – Kinderspiele im Rondell steht da noch ganz unscheinbar im Programm. Es ist nicht die ganz große Fete, doch hier kann der Maientag noch in seiner ursprünglichen Form als Kinderfest erlebt werden.
Eigentlich sind die Aktionen völlig unspektakulär. Da steht ein acht Meter hoher Klettermast, es gibt eine Walze und einen Fuchsbau. Das Prinzip am Masten braucht nicht groß zu erklärt werden. Wer hoch kommt, greift sich ein Teil seiner Wahl – einen Fußball, ein Federballset. Und runter geht‘s mit Karacho. Für Brandblasen steht notfalls das Deutsche Rote Kreuz parat. Am Boden wacht Hans-Peter Mayer von der Stadtgärtnerei auf einer dicken Matte aus Häckselgut, dass niemand zu Schaden kommt und gibt zur Not auch einen Anschub. Henrik (11 Jahre) aus Illingen ist der erste, der ganz nach oben kommt. Beifall für den geschickten Kletterer. Und Henrik aus Kleinglattbach kämpft sich gleich hinterher. An seinem elften Geburtstag will er es wissen und beißt sich durch. Die Eltern strahlen. Passiert ist beim Mastklettern noch nie etwas. Einmal war ein Kran mit Sicherheitsseil da, doch das hat alles viel zu lange gedauert.
Chef im Ring ist bei den Kinderspielen Andreas Kübler, Hausmeister der Sporthalle am Alten Postweg. Der Einsatz der Hausmeister hat Tradition. „Ich bin einst gar nicht gefragt worden, das war ein Auftrag: am Nachmaientag im Egelsee“, erinnert sich Helmut Szemerits, Hausmeister der Realschule. Auch Werner Pross ist aus alter Verbundenheit wieder da. Jahrelang stand der ehemalige Hausmeister der Wilhelm-Feil-Schule am Fuchsloch und hat die Geschenkle verteilt. Eine Freikarte für den Sieger, Süßigkeiten für den Zweiten.
Das Fuchsloch-System ist ganz simpel. Zwei Kinder rennen los und schlüpfen durch zwei Öffnungen in eine Kiste. Nach oben hin gibt es aber nur eine Öffnung. Wer zuerst den Kopf raussteckt, hat gewonnen. Andreas Kübler wacht hier über den Ablauf. Nebenbei ist er übrigens der Schwiegersohn von Werner Pross. Und der Pross-Enkel David Bugdalle steht mit Helmut Szemerits an der Walze und verteilt ebenfalls Freikarten. Wer über die zweieinhalb Meter lange Rolle rutschen kann, ohne runterzuplumpsen, ist Sieger. Szemerits sorgt schon dafür, dass es viele Sieger gibt, indem er die Walze festhält. Und noch ein (Ex-) Hausmeister lässt sich den Spaß nicht entgehen. Siegfried Keilhofer (FAG) schaut als Besucher mit seinem Enkele zu, dass seine Nachfolger alles recht machen.
Im Schatten unter den Kastanien sinnieren die älteren Herrschaften über früher. Werner Pross, inzwischen 70, weiß noch, wie er als Schulerbub selbst hier rannte. Knut Berberich, der nach Möglichkeit jedes Jahr zu den Spielen kommt und sich freut, dass so viele Kinder da sind, hat noch ein Bild von 1947 im Kopf: „Da hing am Ende der Walze an einer Latte eine Brezel, aus Weißmehl gebacken. Für uns Kinder war das beim ersten Maientag nach dem Krieg das Größte. Und am Klettermasten baumelten Würste.“ Auch an die Harzzeit erinnern sich die Oldies. „Das hat man beim Baumwart geholt, um nicht abzurutschen. Aber es war a Jesas-Sauerei.“
Vom Festplatz dröhnt die Musik herüber. Dort sind zwar am Nachmaientag verbilligte Preise angesagt, doch hier hinter dem Rondell ist alles umsonst. Man darf nur kein Wunder der Unterhaltungstechnik erwarten. Wenn man in die Gesichter der Kinder schaut, haben sie auch mit einfachen Spielen großen Spaß. Ganz wie ihre Väter und Großväter.
