Donnerstag, 24. Mai 2012

Vandalismus in der Talaue


Demolierter Mülleimer in der Talaue. Foto: Elsässer
Demolierter Mülleimer in der Talaue. Foto: Elsässer

Illingen (elf) – Turnende Jugendliche auf dem Sonnensegel, demolierte Mülleimer, zerdepperte Flaschen, ständiger Müll und ewige Ruhestörung: die Talaue in Illingen ist schon längst kein Ort der Ruhe und Erholung mehr. Lärmende Jugendliche und Vandalismus sind hier mittlerweile an der Tagesordnung. Zwei Bürger haben jetzt die Nase gestrichen voll und ließen in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend ihrem Unmut freien Lauf.
„Die Talaue verkommt“, schimpfte Wolfgang Gutjahr. „An Wochenende und Werktagen randalieren dort die Jugendlichen, sie saufen sich den Kragen voll, Flaschen wie von Schwerstabhängigen bleiben liegen, ältere Herrschaften fühlen sich belästigt und mir haben sie schon das Auto kaputt gemacht – das kann so nicht weitergehen.“ Peter Griebel ergänzte: „Wir haben ein Problem, das wir an der Wurzel packen müssen. Der Sommer kommt, die Pfingstferien stehen bevor, und die Jugendlichen werden unweigerlich auch kommen. Die Bürgergeduld ist am Ende.“
Auch im Gespräch mit unserer Zeitung lassen die beiden verärgerten Illinger Dampf ab. „Die Gemeindeverwaltung bekommt das Problem seit Jahren nicht in den Griff“, sagt Griebel. Jetzt sei es an der Zeit, endlich durchzugreifen, sonst bekomme man das nicht mehr in den Griff. So richtig schlimm seien die Zustände in der Talaue ab Mitte 2006 geworden. Letztes Jahr hätte sich die Situation sogar noch verschärft. Und auch in diesem Jahr sei keine Entspannung in Sicht.
„Am 21. Dezember haben die dort ein zwei Meter hohes Feuer entzündet, am 25. April haben die Jugendlichen derart randaliert, dass die Polizei mit drei Streifenwagen anrückte und Passanten fragen nach Besen, um für ihre spielenden Kinder die Scherben wegzufegen“, zählt Gutjahr auf. Vor allem für die Anwohner der Talaue sei das heftig. Wenn die Gemeindeverwaltung nicht alsbald entsprechend reagiere, wolle er Anzeige gegen sie erstatten wegen Verletzung der Fürsorgepflicht. „Die Gemeinde kommt ihrer Aufsichtspflicht gegenüber den Bürgern nicht nach.“ Eine mehrmalige Korrespondenz mit der Verwaltungsspitze sei für ihn nicht zufriedenstellend verlaufen.
Insgesamt 33 Einsätze hat die Polizeidirektion Pforzheim im vergangenen Jahr in der Talaue verzeichnet. In diesem Jahr sind es bereit 23. Das waren allerdings nicht immer Reaktionen auf Bürgeranrufen, sondern auch normale Streifenfahrten, wie von Rüdiger Schroth von der Pressestelle der Polizeidirektion Pforzheim zu erfahren war. Die Talaue stehe ebenso wie die Burg Löffelstelz, die Drehscheibe und die Bahnhofstraße in Mühlacker auf der sogenannten Überwachungsliste. Das dominierende Delikt sei die Ruhestörung. Vor allem zur Nachtzeit würden sich die Anwohner vermehrt über Lärm beschweren.
Bei Kontrollfahrten und Einsätzen seien in jüngster Zeit nicht nur Jugendliche aus Illingen, sondern auch von auswärts festgestellt worden. „Die kommen aus Sachsenheim, Mühlacker und Niefern“, sagt Schroth und spricht von „Cliquen mit wechselnder Besetzung“. Seine Kollegen hätten in der Talaue auch schon Platzverweise erteilt. In mindestens einem Fall seien auch Drogen mit im Spiel gewesen. Mitunter hätten die Beamten die angetroffenen Jugendlichen auch schon zum Aufräumen verpflichtet. „Da ist schon ein dicker Packen Papier zusammengekommen“, so Schroth. Zur Behebung des Problems würde die Polizei viele Gespräche mit den Jugendlichen führen und den Vorfällen konsequent nachgehen. Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass die Polizei zeitnah von den belästigten Bürgern angerufen werde.
„Ich kann den Frust verstehen“, sagt Bürgermeister Harald Eiberger. Wenn er sehe, wie viel Müll der Bauhof dort jede Woche abzuräumen hat, gehe ihm „das Messer in der Tasche auf“. Der örtliche Vollzugsdienst sei zwar immer wieder vor Ort, hätte allerdings auch andere Anlaufstellen. Eiberger: „Letzten Endes haben wir uns an rechtsstaatliche Mittel zu halten und bauen auf eine aufmerksame Bürgerschaft.“


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