Vaihingen (aa). Im Wahlkreis 13 (Vaihingen) sind die Karten nochmals neu gemischt worden. Kam vor fünf Jahren Sachsenheim dazu, so ist jetzt auch noch Bönnigheim mit im Boot – und Vaihingen ist als Wahlkreis plötzlich interessant geworden, denn jetzt haben neben dem CDU-Kandidaten auch andere Bewerber echte Chancen auf einen Sitz im Landtag. Rund 113 000 Stimmen sind am Sonntag zu vergeben. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die meisten an die CDU gehen werden. So war es immer. 1976 und 1980 gewann Annemarie Griesinger das Direktmandat, ab 1984 war der spätere Ministerpräsident Günther Oettinger auf den Wahlsieg abonniert. Bewerber anderer Partien mussten eigentlich nie ernsthaft Gedanken über den Einzug in den Landtag verschwenden, denn mit unter 100 000 Wahlberechtigten war der Raum Vaihingen bei der Auszählung der Zweitmandate gegenüber den dichter besiedelten Gebieten eindeutig im Nachteil, da die absoluten Stimmen zählten. Da blickte man neidisch auch Bietigheim (vier Abgeordnete) oder den Enzkreis (3). Erst als 2006 Sachsenheim in den Wahlkreis Vaihingen verschoben wurde, schaffte es Wolfgang Stehmer (SPD) hinter Oettinger in den Landtag. Jetzt haben sich die Aussichten noch weiter verbessert. So sorgt zum einen Bönnigheim für zusätzliches Potenzial; zum anderen gilt im Kampf um das Zweitmandat nicht mehr die absolute Stimmenzahl, sondern die prozentuale Verteilung. Günther Oettinger erreichte 2001 knapp 43 Prozent, 2006 lag er bei 45,2 Prozent. Nach seiner Wahl zum Kommissar der Europäischen Union rückte Albrecht Fischer aus Gündelbach Anfang 2010 in den Landtag nach. Nur zu gerne hätte Fischer das Mandat verteidigt; er hatte die Arbeit im Parlament „verschmeckt“. Doch er fiel bei der Abstimmung knapp durch. Konrad Epple aus Ditzingen will als Abgeordneter in die Fußstapfen von Oettinger beziehungsweise Fischer treten. 206 schaffte es Stehmer mit weniger Stimmen als 2001 Bei der Wahl von 2006 hat Vaihingen erstmals seit 1976 mit Wolfgang Stehmer (SPD) einen zweiten Abgeordneten erhalten. Die SPD rutschte zwar im Vergleich zu 2011 um 9,6 Prozentpunkte auf 23,9 Prozent ab, doch es hat dennoch zu einem Sitz gereicht. Der 59-Jährige aus Hemmingen hat sich in letzter Zeit vor allem mit seiner Kritik an den Mängeln der Notarztversorgung hervorgetan. Mit Leib und Seele will er sich auch weiterhin für den Wahlkreis einsetzen. Die Grünen hoffen auf eine Verdoppelung der Stimmen Bei den Grünen herrscht Aufbruchstimmung. Zusammen mit der SPD soll die derzeitige Regierung abgelöst werden – und der Vaihinger Kandidat Dr. Markus Rösler aus Ensingen will daran mitwirken. Das Ergebnis von 2006 (11,7 Prozent mit der Kandidatin Susanne Schwarz-Zeeb) soll mindestens verdoppelt werden. Die allgemeine Stimmungslage läuft ja voll auf die Grünen raus. Eventuell werden sie sogar die zweite Kraft im Wahlkreis. Liberale traditionell mit starken Werten Traditionell stark sind im Heimatraum Vaihingen die Liberalen. Dr. Wolfgang Weng steigerte zuletzt das Ergebnis um über zwei Punkte auf 11,6 Prozent. Ein ähnliches Ergebnis wäre für Viola Noack (Korntal-Münchingen) ein Traum. Die Linke ist mit Peter Schimke (Vaihingen) im Rennen. Er selbst tippt sich auf sieben Prozent. Das ist vielleicht etwas zu optimistisch. 2006 kam die WASG auf 2,6 Prozent. Im Reigen der „Anderen“ wird vor allem das Abschneiden der Piratenpartei mit größerer Aufmerksamkeit verfolgt. Hier ist Thomas Lambeck aus Aurich der Kandidat. Weitere Bewerber sind: Franziska Weible n (AUF) aus Weissach, Alwin Dirs (REP) aus Ludwigsburg, Boris Jab (NPD) aus Ludwigsburg und Christoph Jansen (ödp) aus Korntal-Münchingen. Die Wahlbeteiligung 2006 lag im Wahlkreis Vaihingen bei 61,72 Prozent (2001 69,5). In Vaihingen selbst wurden 62,69 Prozent notiert. Hier fuhr die CDU 46,2 Prozent der Stimmen ein, für die SPD stimmten 20,7, für die Grünen 13,6 und für die FDP 10,4 Prozent. Viktoria Schmid will Scheuermann beerben Im Enzkreis vertrat Winfried Scheuermann aus Illingen viele Jahre die Farben der CDU. Er zieht sich altershalber zurück. Seine Nachfolge will Viktoria Schmid aus Niefern-Öschelbronn antreten. Thomas Knapp (SPD) aus Mühlacker will seinen Sitz verteidigen, das gilt auch für Hans-Ulrich Rülke (FDP), den Fraktionschef der Liberalen im Landtag. Der ehemalige OB von Mühlacker, Arno Schütterle, hat sich für die Grünen viel vorgenommen. Der Wahlkreis Bietigheim-Bissingen hatte bisher vier Abgeordnete: Manfred Hollenbach (CDU), Christine Rudolf (SPD), Franz Untersteller (Grüne) und Monika Chef (FDP). Rudolf tritt nicht mehr an; ihre Nachfolge strebt der Pfarrer Thomas Reusch-Frey aus Bietigheim-Bissingen an. Untersteller ist in den Wahlkreis Stuttgart gewechselt. Für die Grünen kandidiert Daniel Renkonen. Monika Chef versucht es erneut..In Ludwigsburg gibt es die Neuauflage des Dreikampfes zwischen Klaus Herrmann (CDU), Claus Schmiedel (SPD) und Jürgen Walter (Grüne), die bisher schon im Landtag vertreten sind. Für die FDP tritt Martin Müller aus Ludwigsburg an. Fragen an die Kandidaten aus dem Wahlkreis Vaihingen auf den Seiten 12 und 13, die Enzkreis-Kandidaten stellen wir auf Seite 14 vor.


