- Gestern wurde die Hülse für die Turmspitze mit den aktuellen Nachrichten „gefüttert“; von links Bruno Kadler, der das Museum im Bärentürmle betreut, Stephan Sure vom Stadtplanungsamt, Stadtarchivar Lothar Behr, Ortsvorsteher Stefan Wasserbäch, Waldemar Mann von der Hochbauabteilung, Flaschnermeister Wilfried Zoller und Martina Fischer, Pressesprecherin der Stadt Vaihingen. Foto: Bögel
Horrheim (ub). Die Sanierung des Horrheimer Bärentürmles ist nahezu abgeschlossen. In der nächsten Woche soll das Gerüst abgebaut werden, gestern gab es die neuen Dokumente für die Turmspitze.
Rund 130000 Euro kostet die Instandsetzung des Stadtmauerturms. „Eine dringend notwendige Maßnahme“, so Waldemar Mann von der Hochbauabteilung der Stadtverwaltung Vaihingen. Es habe bereits starke Verschiebungen im Gebälk gegeben sowie Pilzbefall durch eindringende Feuchtigkeit. Die Einschätzung von Mann: „In den vergangenen Jahrzehnten wurde da wenig fachmännisch repariert. Es waren nur Flickarbeiten.“ So stand bei der Sanierung die Erneuerung des Tragwerks im Vordergrund.
Wenn die Elektrik montiert ist, kann wieder das kleine Heimatmuseum – betreut durch Bruno Kadler – eingerichtet werden. „Da hilft der Ortschaftsrat beim Umziehen wieder mit“, versprach gestern Ortsvorsteher Stefan Wasserbäch. „Wir haben schon beim Auszug mit angepackt.“
Die Kosten für die Sanierung des Bärentürmles bleiben aber nicht allein an der Stadt hängen. Vom Landesdenkmalamt und erstmals auch von der Stiftung Denkmalschutz gibt eine „stattliche“ Förderung. Mann: „Wahrscheinlich bleiben wir so unter 100000 Euro.“
Gestern wurde im Betrieb von Flaschnermeister Wilfried Zoller die neuen Dokumente in die metallene Turmspitze eingesetzt. Im Januar wurde die alte Kupferhülse geknackt – und Stadtarchivar Lothar Behr bekam „Nachschub“. In dem Behältnis waren neben interessanten Informationen über die Instandsetzung des Stadtmauerturms im Frühjahr 1972 auch Dokumente über die damalige Eingliederung Horrheims in die Stadt Vaihingen. Ein entsprechender Bericht wurde am 23. März 1972 abgefasst und von Bürgermeister im Ruhestand und Ortsvorsteher Rudolf Strom, den Bediensteten des Rathauses, vom Fronmeister und dessen Mitarbeiter unterschrieben. Weiter enthielt die Kupferhülse Flaschenetiketten der Jahrgänge 1965 bis 1969 des Horrheimer Türkenbluts sowie eine Zeitungsseite aus der Vaihinger Kreiszeitung vom 21. Februar 1972.
Gestern wurde die Hülse wieder befüllt: mit der aktuellen Ausgabe der Vaihinger Kreiszeitung, dem Amtsblatt der Stadt, dem Einkaufsführer von Horrheim, dem historischen Ortsrundgang, einer Wanderkarte und dem Prospekt des Weinmuseums. Dazu noch ein Weinetikett vom Spätburgunder Weißherbst Kabinett 2009.
Für die Hülse hat Ortsvorsteher Stefan Wasserbäch eine zweiseitige Abhandlung zur Sanierung des historischen Rundturms verfasst. „Wir hoffen, dass unser Bärenturm mit der jetzigen Sanierung auch weiterhin als Zeuge über das im 15. Jahrhundert bestandene Stadtrecht von Horrheim erinnert.“ In seinem Brief an die „Nachwelt“ erinnerte Wasserbäch auch an das „unvergessliche Datum“ 11. Mai 2000: „Die Reben hatten bereits zum Sechs-Blatt-Stadium ausgetrieben, als am Abend des 11. Mai gegen 20 Uhr ein gewaltiger Hagelsturm den Ernteerwartungen ein vorzeitiges Ende bereitete. Die Zerstörung bahnte sich ihren Weg von Ost nach West über den kompletten Klosterberg. Niederschlagsmengen von über 50 Millimeter innerhalb einer guten halben Stunde am Klosterberg ließen zahlreiche Keller in den darunter liegenden Siedlungen voll laufen. Während es im Ortskern noch circa 20 Millimeter regnete, waren es in Ensingen gerade noch zwei Millimeter! Aber den Klosterberg hatte es voll erwischt.“
Nach der Renovierung des Bärentürmles ist ab Juni oder Juli auch wieder das kleine Heimatmuseum für die Öffentlichkeit zugänglich. Bruno Kadler bietet zweimal im Jahr (Frühjahr und beim Tag des Denkmals im September) Führungen an. Einmal im Jahr besuchen die Drittklässler der Grundschule das kleine Museum. „Ansonsten öffnen wir auf Anfrage“, so Kadler.
Info: Das Horrheimer Bärentürmle
Das Bärentürmle in der Stadtmauerstraße war Teil der früheren Stadtbefestigung (von der Mitte des 13. bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts wird Horrheim in Urkunden als Stadt bezeichnet). Der Turm wurde im 19./20. Jahrhundert als Armenhaus verwendet und mehrfach umgebaut. 1929 wurde er in das Landesverzeichnis der Baudenkmale in Württemberg eingetragen, 1972 richtete man ein Heimatmuseum ein. Die heute noch bei den Bewohnern Horrheims gängige Bezeichnung „Bärentürmle“ geht wohl auf den letzten Bewohner des Turms zurück. Dabei soll es sich um einen großen Mann gehandelt haben, der einen langen Mantel trug und (aus Sicht der Kinder) – wohl auch etwas tapsig – wie ein Bär daherkam.