Donnerstag, 24. Mai 2012

Teurer Bahndurchlass




Die Geh- und Radwegunterführung in Sersheim kostet 1,25 Millionen Euro. Derzeit gehen viele Bürger einfach über die Gleise. Foto: Bögel
Die Geh- und Radwegunterführung in Sersheim kostet 1,25 Millionen Euro. Derzeit gehen viele Bürger einfach über die Gleise. Foto: Bögel

Sersheim (sf). Ob der Sersheimer Gemeinderat inklusive Verwaltung wohl noch jemals glücklich mit der Deutschen Bahn werden wird? Erneut sorgte das Thema Bahnunterführung für Gesprächsbedarf im Sersheimer Gremium. Kritisiert wurden die Kosten, die sich im siebenstelligen Bereich bewegen.
 Bekannt oder völlig neu? Es war die Gretchenfrage am Freitagabend, die die Reihen im Sersheimer Gemeinderat spaltete. Während vor allem die Vertreter der UBS vollkommen überrascht von der vorgelegten Zusammenstellung der Kosten von rund 1,25 Millionen Euro für die vorgesehene Geh- und Radwegunterführung waren, bestätigte etwa Sieghard Geske (Freie Wähler), was zuvor auch schon Bürgermeister Jürgen Scholz bemerkt hatte: Bei der Verabschiedung des Projekts Bahnunterführung mit dem Ziel einer Reduzierung des derzeitigen Gefährdungspotenzials für Fußgänger und Radfahrer habe er bereits darauf hingewiesen, dass sich die Kosten in diese Größenordnung entwickeln könnten. Wie auch immer: Die Zahlen führten zu neuen Diskussionen über Sinn und Unsinn des Vorhabens. Dass Roland Kögele (UBS) dabei kritisierte, es sei möglicherweise nicht genügend Hirnschmalz in alternative Überlegungen gesteckt worden, wollte Bürgermeister Scholz allerdings nicht ganz so stehen lassen.
„Ich muss Sie da leider korrigieren“, wies er die Anmerkung des seit dieser Periode neu amtierenden Gemeinderats diplomatisch zurück. Die Debatten über die richtige Vorgehensweise haben das Gremium unzählige Stunden beschäftigt. Zahlreiche Varianten sind durchdacht und auch mit den Verkehrsbehörden besprochen worden. Die Bahnunterführung blieb als einzig denkbare Maßnahme, bei der auch Kosten und Nutzen in einem tragbaren Verhältnis erscheinen. Eigentliche Ursache der Malaise sei zudem, dass die vor vielen Jahren schon geplante Aufweitung der bestehenden Unterführung für den Straßenverkehr in der Bahnhofstraße nicht durchgezogen wurde. Weil Anwohner sich über die lange Zeit der Baustelle beklagt haben, ist das Vorhaben damals offenbar nicht direkt umgesetzt worden.
 Heute häufen sich die Probleme hinsichtlich des Bahnübergangs. Viele Bürger gehen einfach über die Gleise. „Das müssen wir in den Griff bekommen“, warnte Scholz davor, das Projekt angesichts der vorgelegten Kostenschätzung zu stoppen und andere Maßnahmen für die Sicherheit der Menschen zu suchen, wie seitens der Vertreter der UBS angeregt.  
„Die Unterführung ist alternativlos“, argumentierte auch Sieghard Geske dagegen – „obwohl mich die Kosten genauso überrascht haben.“ Am Ende fand sich ein Kompromiss. Die Verwaltung wird dazu ermächtigt, ein weiteres Büro um eine Kostenschätzung zu bitten – in der Hoffnung, dass sich – orientiert am Vorbild eines ähnlich gelagerten Falls in Kornwestheim - durch eine Überprüfung der Berechnung die Kosten noch einmal senken lassen. Gleichzeitig soll die Verwaltung mit der Deutschen Bahn verhandeln, bei den Erhaltungs- und Betriebskosten einen fixen Betrag (aktuell sind 159950 Euro geplant) in die Kostenplanung einzustellen und so die Befürchtung zu entkräften, ohne vorab vereinbarte Deckelung könnten auch in diesem Bereich die Kosten weiter steigen.




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