Enzweihingen (sf). Die Gospelmusik liegt dem Liederkranz Enzweihingen offensichtlich: Angetrieben von dem unermüdlichen Elan ihres Dirigenten Werner Dippon haben die Sängerinnen und Sänger am Sonntagnachmittag ein mitreißendes Konzert abgeliefert, in dessen Mittelpunkt eine Gospelmesse stand.
Alleine schon über die Resonanz dürften sich die Chormitglieder gefreut haben: Das Kirchenschiff war voll besetzt. Mehrere hundert Zuschauer wollten sich den Gospel-Event in der evangelischen Martinskirche nicht entgehen lassen. Zum Teil liegt das sicherlich auch an den guten Erfahrungen, die das Publikum schon in der Vergangenheit mit dem Gesangsensemble machen durfte. Ganz offensichtlich stehen sie als eigentlicher Laienchor für eine durchaus ansprechende, qualitativ hochwertige Darbietung – im Falle der Gospelsongs mit dem nötigen Schuss Einfühlungsvermögen kombiniert. Das war per se schon eine gute Mischung, um aus dem Konzertnachmittag unter dem Motto „Singing for the lord“ ein für alle Seiten ansprechendes Erlebnis machen zu können.
Gospel zu singen ist ja gerade für hiesige Chöre nicht immer einfach. Nicht selten wirken die Protagonisten seltsam verkrampft. Es fehlt die ursprüngliche Authentizität der sprühenden Lebensfreude mit all ihren traurig-melancholischen, nachdenklich-sinnierenden und herzhaft-jubilierenden Facetten. Die Enzweihinger haben gezeigt, wie sich auch „weiße“ Chöre in der „schwarzen“ Musik bestens orientieren können und ihr das gewisse Etwas verleihen, das den Gospel so unnachahmlich macht.
Da war es nur konsequent, dass die spürbare Begeisterung des Chores für die Gospelliteratur schnell auch aufs Publikum übertragen wurde, das sich von den munteren Rhythmen anstecken ließ und mit rhythmischem Klatschen ebenso wenig geizte, wie mit reichlich Beifall – zumindest zu Beginn, als die Sänger noch mit einzelnen Songs auf die eigentlich zentrale Gospelmesse hinführten. Während der Messe selbst, so die Bitte des Chores, sollte bewusst nicht applaudiert werden, um die Einheit des zehnteiligen Werks nicht zu gefährden.
Im sogenannten Halbplayback-Verfahren – die Hintergrundmusik hatte Dirigent Dippon im Vorfeld des Konzerts aufgezeichnet und sie am Sonntagnachmittag per Lautsprecheranlage einspielen lassen – präsentierten Sänger und Sprecher die zehn Gospel umfassende Messe. „Ein moderner Chor muss so etwas können“, hatte Dippon im Hinblick auf die Musik aus der Konserve gerade noch dem Publikum erklärt, als das Ensemble selbst den Worten Taten folgen ließ. Angelehnt an die wesentlichen Bestandteile einer klassischen Messe begannen die Sänger mit einem Introitus („Body and Soul“), um sich dann den vielschichtigen, farbenfrohen einzelnen Gospelsongs zu widmen; unter anderem Kyrie („There is one more day“), Gloria („Now at the name of Jesus“), Sanctus („I sing holy“), Agnus dei („Waiting fort he Lord“) oder Schlusshymne („Oh happy day“) in mal andächtig-einfühlsamer, dann wieder inspirierend-herzhafter und mitreißender Form zu interpretieren. Eben ganz so, wie gut gemachter Gospel sein muss.
Dass die Enzweihinger das erwähnte Händchen dafür hatten, wurde schon im „Vorprogramm“ mehr als deutlich. „Put your hand in the hand“, ein Klassiker des Gospelgesangs, ließ bereits die qualitative Richtung erkennen, in die das restliche Konzert steuerte. Homogene Stimmen, sauber akzentuierte Einsätze und die richtige Melange aus Konzentration und Dynamik.
Das Publikum hatte sichtlich Spaß an der Interpretation so populärer Weisen, wie „Somebody’s knocking on my door“, „We are going down“ oder „Rock my soul“. Der Zauber der Gospelmusik in seiner reinsten Form hat in der Martinskirche also seinen ihm zustehenden Raum gefunden. Die lang anhaltenden, warmherzigen Beifallsbekundungen der Zuschauer waren da am Ende nur konsequent – als Anerkennung einer zweifellos leidenschaftlichen Leistung aller Beteiligten.
