Enzweihingen (aa). „Sitzung“ des Vaihinger Gemeinderates auf der Kläranlage. Am Samstag ließen sich 13 Stadträte in die Geheimnisse des Klärwerks Strudelbach einführen. Hintergrund waren die Überlegungen zur Umkonzipierung. Die Stadt Vaihingen hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben.
Wenn Wolfgang Lieb über „seine“ Kläranlage referieren darf, könnte er stundenlang erzählen. Der Diplom-Ingenieur im Tiefbauamt der Stadt Vaihingen hat ein besonderes Verhältnis zu den Anlagen und der Brühe, die hier verarbeitet wird. „Bei uns ist Ihr Abwasser in guten Händen“, beteuert er den Stadträten. Die nehmen es ihm durchaus ab. Sie wissen auch um den Auftrag des Wasserhaushaltsgesetzes, in dem steht, „dass Abwasser so zu beseitigen ist, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird“.
Vor wenigen Wochen hat der Vaihinger Gemeinderat beschlossen, eine 53000 Euro teure Studie in Auftrag zu geben, in der geklärt werden soll, wie man es in Zukunft mit den beiden Anlagen in Vaihingen und Enzweihingen halten will (siehe VKZ vom 16. März). Soll man beide Anlagen nebeneinander betreiben? Soll Vaihingen aufgegeben werden und dafür eine zweite Druckleitung nach Enzweihingen gebaut werden? Soll Vaihingen als Puffer für Enzweihingen betrieben werden? Diese Puffer-Variante würde die geringsten Investitionskosten verursachen. Die bestehende Anlage Strudelbach müsste nur unwesentlich verändert werden (Bau eines zweiten Nachklärbeckens) und ließe für die Zukunft alle Möglichkeiten offen. Vor dem Preis des Baus einer zweiten Druckleitung zuckt nicht nur die Verwaltung zurück. „Die bestehende Leitung hat zwei Millionen gekostet“, weiß Oberbürgermeister Gerd Maisch, „wir müssen ein System finden, bei dem diese Kosten gespart werden können.“
Ziel ist insgesamt die Minimierung der Emissionen aus dem Gesamtsystem. Deshalb werden alle Regenentlastungsanlagen im Mischsystem der Stadt Vaihingen und im Einzugsgebiet der Kläranlagen Vaihingen und Strudelbach überrechnet und in die Studie zur Aufgabe der Vaihinger Anlage eingearbeitet.
Angestrebt wird eine kostengünstige Gesamtlösung, die genau auf die Verhältnisse der Stadt Vaihingen, die ein Drittel ihres Abwassers in die Anlage Strudelbach führt, und der Gemeinde Eberdingen (sie leitet ihr Abwasser aus Nussdorf und Eberdingen nach Enzweihingen) angepasst ist.
In Vaihingen gibt es derzeit rund 200 Kilometer Abwasserkanäle. Neben den beiden Kläranlagen werden 26 Regenüberlaufbecken (11420 Kubikmeter), sieben Regenüberlaufe, sieben Regenrückhaltebecken, fünf größere Hebewerke, vier kleinere Pumpstationen, acht Kleinkläranlagen und zwei Pegelmessstellen betrieben. Für die öffentlichen Kanäle gibt es einen jährlichen Unterhaltungsaufwand von rund 540000 Euro. Die Kanäle auf Privatgrundstücken sind nach den Schätzungen des Tiefbauamtes doppelt so lang wie die öffentlichen. Hier wird derzeit bei der Sanierung noch auf Freiwilligkeit gesetzt.
Ziel der Stadtentwässerung ist vor allem die Abkopplung von Oberflächenwasser zur Entlastung der Kläranlagen und der Gewässer. Dazu kommt noch das Thema der Stoffe mit endokriner Wirkung. Sie greifen störend in das Hormonsystem ein, wodurch negative Auswirkungen bei Mensch und Tier oder seinen Nachkommen auftreten können.
Doch diese Problematik wurde am Samstag nur angerissen, wie auch die Phosphorgewinnung. Man besichtigte unter anderem die neuen Bauwerke zur maschinellen Überschuss-Schlammentwässerung und kam mit OB Maisch zur Überzeugung: „Eine Kläranlage ist was hoch Interessantes.“
