Vaihingen (sr) – Es war ein Zeichen. Als Antje Svoboda aus Vaihingen ein dicker Wälzer über Meerschweinchen auf den Zeh fiel, war das der Startschuss für eine lange und ausgiebige Liebe. Inzwischen leben in den Ferien bis zu 30 Tiere bei der Mitarbeiterin des Vereins Meerschweinchenhilfe.
Es ist 21.30 Uhr bei den Eheleuten Svoboda in Vaihingen. Das wissen auch die 19 Meerschweinchen, mit denen sich das Paar die Wohnung teilt. Wenn dann nicht ein Stückchen Gurke vor den Beißerchen landet, beginnt ein Pfeifkonzert, das sich gewaschen hat.
„Meerschweinchen sind richtig clevere, kleine Viechle“, sagt Antje Svoboda und lächelt. Wenige Meter von ihr entfernt begeben sich die Nager derweil zur Mittagsruhe. 13 eigene Schweinchen, zwei Paten- und vier Pflegetiere tummeln sich in einer Haustiervilla und einem Käfig. Die Villa mit den Svoboda-Schweinchen ist ein vierstöckiger Etagenbau mit Terrasse, bei dem alle Stockwerke miteinander verbunden werden können. Hier hat beispielsweise Lady ihr Domizil. Eine Meerschweinchendame mit wildem Haar und ulkigem Blick. „Bei ihr sind die Wimpern nach innen gewachsen, deshalb sieht sie nur noch unten“, erklärt Tierschützerin Svoboda. Lady wirft den Kopf in den Nacken, um mit ihrer guten Augenhälfte die Besucherin zu mustern.
Auch Sternchen wohnt in der Villa. Der Meerschweinchenbock muss gerade zwangsernährt werden, da ihm ein Mammutzahn das Fressen vermiest. Da konnte auch der Tierzahnarzt nichts ausrichten. Antje Svoboda weiß nicht, wie lange sie das noch machen wird. „Wenn ein Tier dauerhaft Schmerzen hat und keine Chance auf Besserung besteht, wird es nach Rücksprache mit dem Tierarzt erlöst.“
Vor sieben Jahren hat die 40-Jährige, die in der ehemaligen DDR Tierzüchterin gelernt hatte, ihre Liebe zum Hausmeerschweinchen entdeckt. Nachdem ihr Chihuahua-Rüde nach 15 treuen Jahren gestorben war, begab sie sich auf die Suche nach dem passenden Haustier. In Büchereien durchwühlte sie Ratgeber, so lange, bis ihr der Meerschweinchen-Wälzer auf den nahezu ungeschützten Zeh stürzte. Svoboda: „Das war ein Zeichen. Mit jeder Seite habe ich gemerkt, dass Meerschweinchen für mich die perfekten Tiere sind.“
Meerschweinchen haben sowohl tagsüber, als auch nachts Aktivitäts- und Ruhephasen, können sich aber in gewissem Maß ihrem Umfeld anpassen. Die Tiere sollten unbedingt in Gruppen mit mindestens zwei Tieren gehalten werden. Als Kuscheltiere eignen sie sich nicht. Zwar halten die Nager häufig still, wenn sie aus dem Käfig genommen und gestreichelt werden. „Viele Menschen interpretieren das als Zutrauen“, so Svoboda. Dabei handle es sich aber um eine Angststarre, da Meerschweinchen Fluchttiere sind.
Für Kinder unter zwölf Jahren seien die ursprünglich aus Südamerika stammenden Nagetiere gar nicht geeignet, sagt Antje Svoboda. Wer sich eine kleine Meersau anschafft, sollte auch bedenken, dass die Gesellen eine Lebensdauer von bis zu acht Jahren auf den Buckel kriegen können.
Nachdem sich Antje Svoboda im Jahr 2003 in einer Zootierhandlung ihre ersten beiden Exemplare gekauft hatte, entdeckte sie ein Plakat der Meerschweinchenhilfe.
Zunächst informierte sie sich im Internet, bald darauf trafen die ersten drei Tiere der Meerschweinchenhilfe bei ihr ein. „Kurze Zeit später war ich Mitglied.“ Dann sei eins nach dem anderen dazugekommen. Svoboda: „Die Kranken bleiben sowieso bei uns.“
Meerschweinchendame Ratatouille dagegen blühte in der Pflegestelle der Vaihingerin richtiggehend auf. Verpilzt und ohne Fell kam der kranke Wurm an – „das war so eine kleine, freche Sau“. Jetzt strotzt das Schweinchen vor Lebensfreude und könnte gut weitervermittelt werden. Aber Gatte Karel habe sich komplett in die Kämpfernatur verliebt. Ratatouille blieb folglich und Karel Svoboda grübelte über ein passendes Heim für die wachsende Pfleglingsschar nach. Zu Weihnachten 2008 präsentierte er seiner Frau schließlich die selbstgebaute Haustiervilla, in der die Schweinchen sich frei über die Etagen verteilen können.
Antje Svoboda ist mittlerweile bei der Meerschweinchenhilfe Kassiererin, hat eine Pflege- und Urlaubsstelle und ist im Telefondienst tätig. Rund 300 Mitglieder zählt der Verein, der im Großraum Stuttgart bis Karlsruhe wirkt und seine Arbeit von Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert. Der Slogan zu Ostern lautet übrigens: „Leckereien statt Lebewesen. Keine lebenden Tiere ins Osternest.“
Im Herbst wird Antje Svoboda und Tierärztin Iris Ohlhafer zum Thema „Gesundheitsvorsorge und Pflege von Meerschweinchen und Kaninchen“ in Bietigheim einen Kurs bei der Schiller-Volkshochschule Ludwigsburg halten.
Kontakt über die Meerschweinchenhilfe in Murrhardt, Telefonnummer 070006337728, Infos im Internet unter www.meerschweinchenhilfe.de.
