Ludwigsburg (sr) – Die ersten Zecken krabbeln im Fell von Hund und Katze: Zeckenalarm. Die achtbeinigen Spinnentiere kreuchen wieder durch die Gegend. Grund genug für Dr. Uschi Traub vom Landratsamt Ludwigsburg über die Krankheitsüberträger sowie die FSME-Impfung zu informieren.
Die Farbe Rot bedeutet in der Regel Gefahr. Die Erkrankung Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, bedeutet ebenfalls Gefahr – unter Umständen für Leib und Leben. Denn die von Viren verursachte und durch den Zeckenstich übertragene Krankheit ist bis heute nicht sicher behandelbar.
Wer sich die aktuelle Karte der Risikogebiete in Deutschland betrachtet, sieht inzwischen, mit Ausnahme von Heilbronn und Ulm, in Baden-Württemberg nur noch Rot. Das bedeutet, fast das ganze Ländle gilt als FSME-Risikogebiet. Seit dem Jahr 2007 werden nicht mehr Risiko- und Hochrisikogebiete unterschieden, sondern lediglich noch Risikogebiete festgelegt.
„Schutz vor der Infektion mit FSME-Viren ist durch eine Impfung möglich“, sagt Dr. Uschi Traub vom Dezernat Gesundheit und Verbraucherschutz vom Landratsamt Ludwigsburg. In Österreich seien beispielsweise vor ausgedehnten Impfkampagnen jährlich 700 Fälle einer schwer verlaufenden FSME registriert worden. Seit rund 90 Prozent Österreicher geimpft seien, würden nur noch 70 Fälle pro Jahr zu Buche schlagen, erläutert Traub.
Von dieser Impfakzeptanz ist Baden-Württemberg noch weit entfernt. 28 Prozent der Befragten im Land waren im Jahr 2009 laut einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung vollständig gegen FSME geimpft. 2006 betrug diese Zahl allerdings nur 19 Prozent. Mit einer Durchimpfungsrate von 32 Prozent sticht der Landkreis Ludwigsburg im Ländle positiv hervor. Viele der 319 befragten Personen im Landkreis hatten aber nicht alle der drei nötigen Teilimpfungen absolviert. Je älter die Personen, desto schlechter falle insgesamt die Durchimpfungsrate aus.
Während bei der Altersgruppe bis 16 Jahre noch 43 Prozent geimpft sind, können dies nur noch 22 Prozent der über 50-Jährigen von sich behaupten. „Gerade in dieser Altersklasse kommt es aber zu einer höheren Rate von Komplikationen bei einer Infektion“, gibt Uschi Traub zu bedenken. Wobei der moderne rüstige Ruheständler sich bekanntermaßen viel im Freien bewegen.
Angst vor Impfreaktionen spielt bei der Impfmüdigkeit eine Rolle. „Die ‚Zeckenimpfung‘ gehört mittlerweile zu den am besten verträglichen Impfungen überhaupt“, sagt Traub. Mögliche Komplikationen wie lokale Rötungen oder grippeähnliche Symptome seien zwar möglich. Offiziell anerkannte Impfschäden gebe es laut Paul-Ehrlich-Institut nicht, so Christine Jöricke von der Agentur Convergo. Sie betreut im Auftrag des Pharmaunterunternehmens Baxter eine Ausstellung zum Thema Zecken im Berufsschulzentrum am Römerhügel in Ludwigsburg.
Im Jahr 2000 wurde bei dem Impfstoff für Kinder das Konservierungsmittel entfernt, was die Komplikationsrate erhöht hatte. Seit Herstellung mit neuer Rezeptur 2001/2002 seien die Impfstoffe sehr gut verträglich.
Durch die Ausstellung am Römerhügel werden angehende Erzieherinnen sowie medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte geführt. Sie seien die zukünftigen Multiplikatoren, die über die Gefahr der Infektionen durch FSME-Viren und deren Vermeidung aufklären können. Im letzten Jahr stieg die Zahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen bundesweit auf 313 und lag somit 25 Erkrankungsfälle über dem Wert des Vorjahres. Im Landkreis Ludwigsburg sind von 2001 an in acht Jahren 16 Fälle gemeldet worden. „Die häufigsten Ansteckungen haben wir im Großraum Vaihingen registriert“, so Traub. Ein weiter Grund für mangelnde Impflust: Im Landkreis Ludwigsburg gingen bei der Befragung viele Personen von der fälschlichen Annahme aus, nicht in einem Risikogebiet zu wohnen.
Das FSME-Virus lauert im Speichel der Zecke und gelangt unmittelbar nach dem Stich in den neuen Wirt. Die Inkubationszeit beträgt vier bis 28 Tage. Rund 30 Prozent der Infizierten zeigen Krankheitssymptome, grippeähnliche Beschwerden machen das Leben zunächst schwer. Oftmals ist die Krankheit damit überstanden. In einer zweiten Erkrankungsphase kann es aber nach einem beschwerdefreien Intervall zur Beteiligung des zentralen Nervensystems kommen. Ein bis zwei Prozent dieser Erkrankten sterben an der Infektion.
Am 9. und 10. Juni findet in der Wilhelmgalerie in Ludwigsburg eine öffentliche Ausstellung zum Thema Zecken statt.
