Maulbronn/Ludwigsburg (os). Die Befürchtung einer Käseglocke überm Stromberg-Heuchelberg-Gebiet bewahrheitete sich nicht. Im Gegenteil in den 30 Jahren seines Bestehens hat der Naturpark sein Ziel, diese einzigartige Kulturlandschaft zu erhalten, zu schützen und als Erholungslandschaft zu pflegen, nachhaltig umgesetzt.
Andreas Felchle, Vorsitzender des Trägervereins und Maulbronner Bürgermeister, hob aus Anlass des kleinen Jubiläumsjahres einerseits die hohe ökologische Wertigkeit dieser Region hervor, aber auch die Tatsache, dass in diesen drei Jahrzehnten in diesem rund 33000 Hektar großen Gebiet zwischen den Ballungsräumen Ludwigsburg, Heilbronn und Pforzheim keineswegs die Zeit stehen geblieben ist.
Seit Beginn der 1980er Jahre flossen rund 4,3 Millionen Euro an Fördermitteln von Land und EU in den Naturpark, wo damit Investitionen in doppelter Höhe in über 1000 Einzelmaßnahmen ausgelöst wurden. Freilich hat sich in der Beziehung in diesen drei Jahrzehnten ein enormer Wandel vollzogen: Wurden vom Naturpark in den ersten zehn, fünfzehn Jahren noch in großem Umfang Erholungseinrichtungen – von der Grillhütte bis zum Waldspielplatz – finanziell gefördert, so stehen heute Pflegemaßnahmen in Biotopen, die Vermarktung regional erzeugter Lebensmittel und die Öffentlichkeitsarbeit für den Naturpark, ihn in seiner gesamten Vielfalt als natürlicher Erlebnisraum zu begreifen, bei er Mittelverwendung im Vordergrund. „Wir hoffen nur, dass sich das Land nicht aus seiner Verantwortung entzieht, denn es sind seine Naturparke, einst vom Land als schützenswerte Landstriche verordnet“, so Felchle. Immerhin geht es heute immer noch um jährlich rund 100000 Euro, die es im Stromberg-Heuchelberg zu verteilen gilt.
So stehen dieses Jahr die Zertifizierung des rund 40 Kilometer langen Eppinger-Linienwegs zum Qualitätswanderweg von Eppingen nach Mühlacker ebenso auf der Agenda wie eine Erlebnisinszenierung zum Thema Streuobstwiesen, um deren Bedeutung und ihre Erhaltung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, wie Geschäftsführer Dietmar Gretter ausführte.
Des weiteren wird es zum 30-jährigen Bestehen des Naturparks eine ganze Reihe gezielter Veranstaltungen geben, die Naturschutz, Umweltbildung sowie touristische Naherholung zum Inhalt haben. Denn man könne Naturräume nur schützen, wenn man sie auch kenne, betonte Andreas Felchle. So wird es in der ersten Juni-Woche eine Jubiläumswandertour geben – in fünf Tagesetappen vom Kloster Maulbronn ausgehend „zu Glanzlichtern und Geheimtipps“ des Naturparks. Zertifizierte Naturparkführer vermitteln die Reiz von Geschichte und Gegenwart in allgegenwärtiger Natur.
Am 1. August werden mehrere landwirtschaftliche Betriebe und Weingüter zum „Brunch auf dem Bauernhof“ einladen, um den Gästen schmackhafte Büffets mit selbsterzeugten Produkten zu servieren. Damit soll die Arbeit der Landwirte als Erzeuger und Landschaftspfleger stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden. Die selbe Absicht verfolgt der Naturparkmarkt am 24. Oktober auf dem Kürnbacher Marktplatz. Auch hier werden regionale Angebote im Vordergrund stehen – Lemberger-Nudeln statt Lachsbrötchen, Apfelsaft statt Cola.
Ein Naturerlebnistag ist am 19. September im neuen Naturparkzentrum in Zaberfeld angesagt, wo regionale Akteure attraktive Mitmachangebote für Jung und Alt bieten. Dort sind das Jahr über noch weitere Aktivitäten geplant, etwa von Mai bis Juni eine Sonderausstellung zum Thema „Lebendiger Weinberg“. Und nicht zuletzt werden die über 20 zertifizierten Naturparkführer das ganze Jahr über Aktionen anbieten – von Führungen durch Fachwerkdörfer über naturkundliche Weinbergwanderungen bis hin zu literarischen Naturführungen.
