- Ein Fall aus Vaihingen, der für Schlagzeilen sorgte: die Brandstiftung in der Ferdinand-Steinbeis-Realschule am 14. Oktober 2009. Ein 13-Jähriger verweigert nach wie vor jede Aussage .Foto: VKZ-Archiv
Vaihingen (ub). Im Bereich des Polizeireviers Vaihingen, das für rund 87000 Einwohner zuständig ist, wurden im letzten Jahr 2872 Straftaten registriert – das sind 6,9 Prozent mehr als 2008. Eine besondere Häufung von Straftaten gab es in Sersheim und Sachsenheim.
Das bedeutet allerdings nicht, dass in diesen beiden Orten Mord und Totschlag herrscht. Die 153 Straftaten (2008: 123) in Sersheim resultieren aus einer deutlichen Steigerung der Betrugsfälle von 9 auf 22 und auf einer Zunahme der Körperverletzungen um sechs Fälle. In Sachsenheim ist vor allem die Steigerung im Diebstahlsbereich (plus 70 Prozent) dafür ursächlich, dass hier in der Statistik eine Steigerung bei den Straftaten von 27,4 Prozent steht. In Eberdingen gab es im letzten Jahr 112 Straftaten (-7,4 Prozent), in Markgröningen 457 (-9,3 Prozent), in Oberriexingen 48 (-5,9 Prozent), in Sachsenheim 568, in Schwieberdingen 366 (+5,2 Prozent), in Sersheim 153 und in Vaihingen 1168 Straftaten (+6,8 Prozent).
Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik (die VKZ berichtete gestern) gab es auch einige Fallbeispiele aus dem Landkreis Ludwigsburg. Beispiel Internetbetrug: Im Januar 2009 lernte eine 56 Jahre alte Frau aus Ludwigsburg über das Internet einen angeblichen englischen Staatsangehörigen aus Liverpool kennen. Dieser gab an, als erfolgreicher Geschäftsmann mit seiner Autohandelsfirma neu- und hochwertige Kraftfahrzeuge nach Ghana zu verkaufen. Der Kontakt intensivierte sich durch Telefongespräche, E-Mail-Verkehr und Bildertausch. Ende Januar flog der Mann angeblich nach Ghana, um dort Geschäfte abzuwickeln. In der Folgezeit gab er gegenüber der Frau an, unverschuldet in private und geschäftliche Not geraten zu sein und kurzfristig Geld zu benötigen. Die 56-Jährige überwies zunächst kleinere, dann größere Beträge an verschiedene Personen nach Ghana, die sich als Police-Officer, Rechtsanwalt, Geschäftspartner oder Arzt ausgaben und durch plausible Erklärungen insgesamt rund 235000 Euro von der Frau kassierten. Im Oktober 2009 nahmen die Täter erneut mit der Frau Kontakt auf und versprachen ihr, dass sie das Geld zurückerhalten würde. Sie flog daraufhin im November 2009 in die Niederlande. Dort wurde sie von mehreren Schwarzafrikanern aufgesucht, die ihr einen Koffer voller Geldbündel mit rotem Aufdruck zeigten. Anschließend führten sie ihr den sogenannten „Wash-Wash-Trick“ mit zwei echten 100-Dollar-Noten vor. Nachdem die Frau wieder zu Hause war, wurde ihr mitgeteilt, dass die Spezialflüssigkeit zum Entfernen des roten Aufdrucks verdorben sei und diese neu beschafft werden müsse. Die Flüssigkeit koste 100000 Euro. Diesen Betrag solle die Geschädigte in bar nach Belgien bringen, um dort gemeinsam die Flüssigkeit zu kaufen, damit im Anschluss daran das Geld „reingewaschen“ werden könne. Die Frau lehnte das „Angebot“ der Täter ab und fuhr nicht nach Belgien. Die Möglichkeit, dass die Geschädigte ihr Geld wieder zurückerhält, geht gegen Null.
Vaihingen: Polizei durchsucht
Wohnungen von Dealern
Thema Rauschgift: Im Dezember vergangenen Jahres durchsuchte die Kriminalpolizei mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei die Wohnungen von insgesamt sieben Beschuldigten im Bereich Bietigheim-Bissingen und Vaihingen. Die Beschuldigten, die sich zu einem Rauschgift-Verteiler-Ring zusammengeschlossen hatten, verkauften an zahlreiche Personen große Mengen Marihuana und Kokain. Bei der Beschaffung der Stoffe halfen sich die Täter gegenseitig aus, so dass jeder von ihnen jederzeit über die erforderlichen Mengen an Betäubungsmitteln verfügen konnte. Die Personen der Tätergruppe waren der Polizei einschlägig als Rauschgiftdealer bekannt und der Großteil von ihnen musste als gewaltbereit eingestuft werden. Bei der Durchführung von Ermittlungsmaßnahmen und Wohnungsdurchsuchungen kam es in zwei Fällen zu Widerstandshandlungen und Angriffen auf Polizeibeamte. Dabei wurde ein Beamter leicht verletzt, als mit einem Stuhl in Richtung seines Kopfes geschlagen wurde. Bei den Durchsuchungen wurden vorbereitete Verkaufsportionen an Kokain und Marihuana und bei einem 23-jährigen Deutschen 16500 Euro offensichtliches Dealergeld sichergestellt. Die weiteren Ermittlungen erbrachten, dass dieser große Mengen an Marihuana jeweils beschafft und an mindestens 41 verschiedene Personen nachweislich weiterverkauft hatte. Dies tat er vorwiegend in Mengen à 25 und 50 Gramm. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurden weitere Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es wird davon ausgegangen, dass die Gruppierung zerschlagen und ihr illegales Treiben eingestellt wurde.
Thema brutale Jugendliche: Ein 34-jähriger Mann befand sich alleine auf dem Nachhauseweg von Korntal zu seiner Wohnung in Münchingen. Auf Höhe des Sportgeländes traf er auf insgesamt sieben männliche Jugendliche in Alter von 14 bis 17 Jahren, die dort gemeinsam Alkohol tranken. Die Jugendlichen sahen den Geschädigten und beschlossen, diesen zusammenzuschlagen. Daraufhin liefen sie dem 34-Jährigen hinterher, welcher Kopfhörer trug und deshalb von der Verfolgung zunächst nichts mitbekam. Ohne Vorwarnung wurde auf ihn eingeschlagen, bis dieser zu Boden ging. Auf dem Boden liegend wurde weiter mit Stiefeln auf ihn eingetreten, auch auf das Gesicht des Opfers, sodass die Schuhabdrücke zu sehen waren. Vermutlich ließen die Täter nur deshalb von ihrem Opfer ab, weil zufällig ein Auto vorbeikam. Von den Beschuldigten rief niemand einen Krankenwagen. Keiner der Beschuldigten wollte Verantwortung für die Tat und die schweren Verletzungen des Geschädigten übernehmen. In den Vernehmungen wurde deutlich, dass es für die Tat kein Motiv gibt, sondern das Opfer einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war. Es hätte jeden anderen getroffen, der zu diesem Zeitpunkt an dem Tatort vorbeigekommen wäre. Der Geschädigte trug durch die Tat schwerste Kopfverletzungen, unter anderem einen mehrfachen Schädelbasisbruch, eine Hirnblutung und mehrere Frakturen im Gesicht, an der Schläfe und am Jochbein davon. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat mittlerweile gegen alle sieben Beschuldigten Anklage beim Landgericht Stuttgart erhoben.