Mittwoch, 23. Mai 2012

Braucht die Stadt zwei Kläranlagen?




Die Vaihinger Kläranlage soll aufgegeben werden – falls eine neue Studie ebenfalls zu diesem Schluss kommt. Die vorhandenen Becken würden aber unter Umständen weiterhin als Puffer genutzt, damit die Kläranlage Strudelbach in Enzweihingen nicht überfordert wird. Foto: Küppers
Die Vaihinger Kläranlage soll aufgegeben werden – falls eine neue Studie ebenfalls zu diesem Schluss kommt. Die vorhandenen Becken würden aber unter Umständen weiterhin als Puffer genutzt, damit die Kläranlage Strudelbach in Enzweihingen nicht überfordert wird. Foto: Küppers

Vaihingen (rkü). Muss die Vaihinger Kläranlage weiter betrieben werden oder würde auch die Kläranlage Strudelbach in Enzweihingen ausreichen? Eine Studie soll Aufschluss bringen. Ziel ist, die Behandlung von Abwasser und Mischwasser zu optimieren, Kosten zu sparen und dennoch möglichst sauberes Wasser in die Enz einzuleiten.

„Wasserwirtschaftliche Belange gehen über alles“, unterstreicht Wolfgang Lieb, der bei der Vaihinger Stadtverwaltung für die Abwasserbeseitigung zuständig ist. Die Kosten dürften nicht ausschlaggebend sein, wenn sich der Gemeinderat für eine von drei vorgeschlagenen Varianten entscheidet. Die Qualität des Wassers muss stimmen, wenn es vom Kanalnetz wieder in offene Gewässer eingeleitet wird. Gleichwohl soll in Vaihingen nicht unnötig Geld verpulvert werden. Nach einer Studie aus dem Jahr 1992, die zu einem großen Teil umgesetzt wurde, stünde jetzt eine Investition von 11,8 Millionen Euro an. Das Konzept sieht vor, die Kläranlage Vaihingen aufzugeben, dafür die Kläranlage Strudelbach erheblich zu erweitern und eine zweite Druckleitung zu bauen, durch die das Abwasser von Vaihingen nach Enzweihingen transportiert würde.

Ob diese Vorgehensweise noch dem aktuellen Stand der Technik entspricht, soll durch eine neue Studie geklärt werden. Der Gemeinderat hat den Auftrag hierfür zu einem Angebotspreis von 53100 Euro an das Pforzheimer Ingenieurbüro Weber vergeben. In einem ersten Schritt soll analysiert werden, in welchem Umfang Regenentlastungsanlagen im Einzugsgebiet der Kläranlagen Vaihingen und Strudelbach notwendig sind. Darauf aufbauend soll geklärt werden, unter welchen Umständen die Kläranlage in Vaihingen aufgegeben werden kann. Möglich wäre auch, in Vaihingen die Kapazitäten zu verringern und in Enzweihingen entsprechend aufzustocken, allerdings nicht im ursprünglich geplanten großen Umfang.

Ein Problem bei der Dimensionierung von Kanälen, Kläranlagen und Regenrückhalteeinrichtungen sind unberechenbare Starkregenfälle. Sollten diese geballt in der Kläranlage Strudelbach ankommen, würde das die dortigen Kapazitäten sprengen. Darum muss entweder die Anlage ganz erheblich erweitert werden oder es müssen entsprechende Puffer vorhanden sein. So ließe sich beispielsweise die Kläranlage Vaihingen mit ihren vorhandenen Becken (die im Fall einer Aufgabe frei wären) als Puffer verwenden, der bei heftigen Regenfällen genutzt würde.
„In Neubaugebieten achtet man darauf, Abwasser und Regenwasser getrennt abzuleiten“, erklärt Lieb. „Aber in Vaihingen ist das in der vorhandenen Kanalisation alles vereint und kommt in der Kläranlage an.“ Um welche Mengen es geht, lasse sich in der zu erstellenden Studie sehr genau bewerten. Lieb sagt, dass in Vaihingen schon seit fast zehn Jahren die Daten für Kläranlagen und Regenüberlaufbecken automatisch aufgezeichnet werden und jetzt für die Kapazitätsberechnungen verfügbar sind.

Unabhängig davon, was das Konzept aus dem Jahr 1992 vorsieht, muss die Stadt Vaihingen jetzt tätig werden. Im Bereich der Schlammfaulung besteht in der Vaihinger Kläranlage hoher Sanierungsbedarf. Darum soll dieser Bereich ohnehin komplett zur Kläranlage Strudelbach verlegt werden. Bevor allerdings Geld investiert wird, das über das hierfür notwendige Maß hinaus geht, soll als Entscheidungsgrundlage erst einmal das neue Gesamtkonzept erstellt werden.




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