Aurich (elf) – Die Umwandlung einer Gewerbebrache in ein Wohngebiet ist eine vielerorts willkommene Angelegenheit. Doch oftmals gestaltet sich die Realisierung recht schwierig, wie das Beispiel „Römerbergle“ in Aurich zeigt. Nach Jahren der Vorbereitung stand das Bebauungsplanverfahren kurz vor seinem Abschluss. Ein CDU-Antrag im Gemeinderat hat jetzt dafür gesorgt, dass die Planung neu überdacht werden muss.
Es war die Firma Aski Schaum- und Kunststoffe, die auf dem Quartier ihren Unternehmenssitz hatte und dort Schaumstoff für Matratzen und andere Produkte herstellte. Seit vielen Jahren liegt das Gelände am Ortsausgang in Richtung Enzweihingen brach und soll nun der Wohnbebauung zugeführt werden. Mit der Wohnbau Oberriexingen steht bereits ein Investor in den Startlöchern und wartet auf das grüne Licht aus Vaihingen.
Das Gebiet hat eine Fläche von 126 Ar, und gliedert sich in ein allgemeines Wohngebiet (98 Ar), die Verkehrs- und Verkehrsgrünflächen (20 Ar) und einen großzügigen Spielplatz (8 Ar). In dem Wohngebiet sollen zwölf Doppel- und 15 Einzelhäuser in anderthalbgeschossiger Bauweise mit Satteldächern entstehen. Bauplatzgrößen von 360 bis 710 Quadratmetern verhindern eine zu dichte Bebauung. Damit ist die Struktur mit der des benachbarten Wohngebiets „Lunschen“ zu vergleichen. Für die verkehrliche Erschließung hat das Planungsbüro „schwarzingenieure“ aus Vaihingen mehrere Varianten vorgelegt. Am Ende einigte man sich im Stadtplanungsamt auf eine Variante mit einer Ringstraße. Diese mündet auf der einen Seite in die Dieselstraße und auf der anderen in den Sonnenblumenweg (siehe Plan auf dieser Seite).
Genau diese Variante scheidet die Geister. So hat der Auricher Ortschaftsrat die Variante zweimal (Juli und September 2008) abgelehnt, weil er mit der Straßenführung nicht einverstanden war. Vermisst wurde eine Anbindung an die nördlich gelegene Kreisstraße nach Enzweihingen, außerdem gefiel die Einmündung in den schmalen Sonnenblumenweg nicht. So musste sich das Stadtplanungsamt immer wieder mit der Planung auseinandersetzen. „Wir haben die verschiedenen Varianten mehrfach untersucht und die vorliegende als die geeignetste gesehen“, sagt Stadtplaner Ernst Loos. In dem Ring fänden sich die Autofahrer schnell zurecht, die Häuser seien gut erreichbar, das Müllauto komme auf einen Rutsch durch, der Bauhof komme für Pflege- und Reinigungsarbeiten besser durch und die Verkehrssicherheit sei ebenso gewährleistet. Außerdem werde in dieser Variante auch das Ziel erreicht, die öffentlichen Straßenflächen so gering wie möglich zu halten. Insgesamt sei dort täglich mit bis zu 120 Fahrzeugbewegungen zu rechnen, die sich auf die beiden Anschlüsse verteilen.
In einer dritten Sitzung Ende September 2008 konnte sich am Ende auch der Auricher Ortschaftsrat für diese Variante erwärmen. „Nach mehreren öffentlichen und nichtöffentlichen Beratungen erschien es uns als die Lösung, die für die Allgemeinheit am wenigsten belastend zu sein scheint“, sagt Ortsvorsteherin Helga Eberle. Der Ortschaftsrat sie im Übrigen jederzeit mit allen nötigen Informationen ausgestattet gewesen. Sicherlich wären nicht alle Auricher glücklich mit dieser Variante, doch am Ende sei sie kein großes Diskussionsthema im Ortsgremium mehr gewesen.
Diskussionsbedarf sah bei der Gemeinderatssitzung am vergangenen Mittwoch dagegen Stadtrat Thomas Fritz (CDU, Ensingen). Als der Satzungsbeschluss des Bebauungsplans „Römerbergle“ erfolgen sollte, meldete er sich zu Wort. „Die Umwandlung eines Gewerbegebiets in ein Wohngebiet ist sicherlich eine Aufwertung, doch der Anschluss der Erschließungsstraße an den schmalen Sonnenblumenweg ist nicht akzeptabel“, wandte Fritz ein. Die Straßenführung samt Anschluss müsse in einer für alle nachvollziehbaren Weise gestaltet werden. Fritz beantragte daher – wie bereits bei der Einbringung des Bebauungsplanentwurfs – eine neue Planung vorzunehmen. Diesmal fand sein Antrag bei 17 Ja- und elf Nein-Stimmen sowie fünf Enthaltungen die erforderliche Mehrheit.
Im Gespräch mit der VKZ begründete der CDU-Stadtrat nochmals seine Vorgehensweise. „Es kann doch nicht sein, dass eine breite Erschließungsstraße auf einen schmalen Weg trifft, der ein paar Meter weiter wieder auf eine breite Straße stößt – so etwas gibt es sonst nirgends in Vaihingen“, sagte Fritz. Er frage sich, wie dort ein Möbellaster durchfahren will. Bei einem völlig neu zu überplanenden Gebiet müsse es möglich sein, eine Erschließung derart zu gestalten, dass sie nachvollziehbar ist. „Hier müssen sich die Fachleute etwas einfallen lassen.“ Zur Not müsse eben ein geplantes Haus weichen oder die Verdichtung anders gestaltet werden. Die Planung müsse ein Gewinn für beide Seiten sein: für diejenigen, die künftig im Wohngebiet leben sowie für die Anwohner.
Jetzt muss also neu geplant werden. „Wenn jemand eine neue Idee hat – warum nicht?“, sagte Stadtplaner Ernst Loos. Und Ortsvorsteherin Helga Eberle ergänzte: „Ich bin nicht optimistisch, dass etwas anderes dabei herauskommt, bin aber für jede Besserung dankbar.“
