Eberdingen (sr) – Da hat selbst der gute Draht nach oben nichts genützt. Pfarrerin Dorothee Lächler hatte auf einen milden Winter gehofft, doch Väterchen Frost kam mit Macht. Das ist einer der Gründe, weshalb die Kircheneinweihung in Eberdingen bis Mitte Juni auf sich warten lässt.
Zur Konfirmation am 21. März sollte die Renovierung der Pfarrkirche St. Martin in Eberdingen eigentlich abgeschlossen sein. Beim Blick ins Kircheninnere schlägt dem Betrachter allerdings die Realität in Form von Gerüsten, Dreck und tiefen Gräben entgegen. Zum einen haben die Eisfach-Temperaturen ihren Anteil an der Bauverzögerung. Zum anderen habe jedoch ein öffentliches Bauvorhaben dieser Art „seine eigenen Abläufe“, wie im neuen Gemeindebrief zu lesen sein wird. Viele Absprachen zwischen Architekt, Handwerker und Behörden, darunter das Denkmalamt, seien nötig gewesen und hätten letztendlich mehr Zeit in Anspruch genommen, als geplant.
Im Hinblick auf die lange Geschichte des Gotteshauses sind einige Wochen hin oder her ein verschwindend kleiner Zeitraum. Denn die Pfarrkirche St. Martin reckt seit dem Jahr 1520 ihre spätgotischen Mauern gen Himmel. Auf diese Zeit werden auch die Wandmalereien datiert, die im Deckenbereich des Chors das Gewölbe zieren. Momentan verstellt allerdings ein gewaltiges Gerüst die Sicht auf die frisch aufgearbeiteten Fresken. Der mit beeindruckenden Schnitzereien versehene Chorstuhl ist ebenfalls verdeckt. Er hätte aufgrund seiner Größe nicht durch die Tür weichen können, weshalb er kurzerhand in die Mitte gerückt und bedeckt wurde. Ähnlich erging es der Orgel, die Verpackungskünstler Christo alle Ehre gemacht hätte.
Im Jahr 2006 liefen die Planungen für die Renovierung der Kirche an, bei denen dem Kirchengemeinderat ursprünglich nur die Innenrenovierung vorschwebte. Im Zuge der Bauschau habe sich allerdings herausgestellt, dass zunächst eine Dachsanierung vonnöten sei, erinnert sich Pfarrerin Lächler. Im Herbst 2008 starteten die Arbeiten am Dach, die sich als „bitternötig“ herausstellten, so Lächler. Im darauffolgenden April wurde dieser Bauabschnitt abgeschlossen. Währenddessen sei auch klar geworden, dass die Renovierung im Innern, die Mitte 2009 startete, viel umfangreicher werden würde, als ursprünglich gedacht. Beispielsweise mussten die Heizung und die Elektrik erneuert werden.
Pfarrerin Dorothee Lächler lässt sich von der Baustelle im Kircheninnern nicht aus der Ruhe bringen und zählt auf, welche baulichen Hürden schon genommen sind. So haben die Restauratoren ihre Arbeit am Gewölbe im Chorraum beendet. Farbauffrischungen verleihen den Malereien und Reliefs eine neue Schönheit. Vermieden wurde dabei das Nachmalen und ergänzende Malen von Motiven, deren ursprünglicher Charakter nicht mehr nachvollziehbar war.
Für die neue Heizung mit Flüssiggas wurde ein Heizraum in den Turm eingebaut, wofür ein Zwischenboden eingezogen werden musste. Der Kirchengemeinderat hätte zwar einen Anbau bevorzugt, dafür haben jedoch die finanziellen Mittel gefehlt, bedauert Pfarrerin Lächler.
Die Decke im Schiff erwies sich als einsturzgefährdet und wurde mit Dübeln gesichert. Lächler: „Das ist auch fertig.“ Sobald das Wetter etwas freundlicher wird, könne in Absprache mit dem Denkmalamt und dem Restaurator die Farbe für den Innenbereich ausgesucht werden. Die elektrischen Leitungen sind verlegt, es fehlen noch die Beleuchtungsmittel.
Sobald die Gerüste gewichen sind, werden Boden und Innenleben wieder hergestellt. Die tiefen Gräben müssen geschlossen, der Estrich aufgebracht werden. Eine schwierige Entscheidung sei die Ausführung der Sitzplätze gewesen. Bankähnlich verbundene Stühle standen zur Diskussion und hoch im Kurs. Doch die vorhandenen Holzbänke waren noch gut erhalten und machten nicht zuletzt aus finanziellen Gründen das Rennen. Die Bänke aus den 60er Jahren werden nun leicht überarbeitet und finden dann auf einem neuen Holzboden – eine Auflage des Denkmalamts – ihren altbewährten Platz.
Sehr dankbar ist Pfarrerin Lächler in diesen Zeiten über die Hilfe der bürgerlichen Gemeinde. Ein dickes Lob lässt die Gottesfrau in Richtung Rathaus vom Stapel. Bürgermeister Peter Schäfer und seine Mitarbeiterinnen stünden der Kirchengemeinde zur Seite, vor allem mit der Bereitstellung von Ersatzräumen. Die Konfirmation wird beispielsweise im Rathaus- Gewölbekeller stattfinden.
Kopfzerbrechen bereite den Kirchengemeinderäten dagegen die Zunahme der Baukosten. Die Arbeiten an der Dachkonstruktion und die Neueindeckung des Kirchendaches seien zwar nur unwesentlich vom Kostenvoranschlag abgewichen, doch der Innenausbau verteuere sich schmerzhaft, so der Gemeindebrief. Von den ursprünglich veranschlagten 420000 Euro liege die Hochrechnung nun bei rund 520000 Euro. Die größten Brocken der Mehrausgaben finden sich beim Rohbau, bei den Gewerken der Restauratoren, Maler, Schreiner und beim Heizungsbau.
Bei der Finanzierung hoffen die Verantwortlichen der Eberdinger Kirchengemeinde weiterhin auf die Unterstützung der Bürger. 106677 Euro an Spenden und Opfer konnten schon verbucht werden. Die Summe der Gesamtfinanzierung belaufe sich inzwischen auf 780000 Euro, was einen Eigenanteil der Kirchengemeinde von 400000 Euro bedeute. „Ohne Darlehensaufnahme wird es nicht gehen“, so der Gemeindebrief. Jede Spende werde die aufzunehmende Summe verringern.
Die Kircheneinweihung ist vorläufig für den 20. Juni geplant. Ein großes Fest und ein „Gott sei Dank“ von Pfarrerin Lächler sind zu diesem Anlass sicher.
Spenden unter dem Stichwort „Kirchenrenovierung“ an die evangelische Kirchengemeinde Eberdingen, Kontonummer 881 2867 bei der Kreissparkasse Ludwigsburg, Bankleitzahl 604 500 50.
