Mittwoch, 23. Mai 2012

Feuerwehrhaus wird gebaut




So wird das Vaihinger Feuerwehrhaus nach seiner Fertigstellung aussehen. Der Gemeinderat fasste jetzt den Baubeschluss. Grafik: K-plan
So wird das Vaihinger Feuerwehrhaus nach seiner Fertigstellung aussehen. Der Gemeinderat fasste jetzt den Baubeschluss. Grafik: K-plan

Vaihingen (elf) – Am Ende herrschte doch noch Einigkeit: Nach einer erneut langen Diskussion fasste der Vaihinger Gemeinderat am Mittwochabend den endgültigen und letztlich sogar einstimmigen Beschluss für den Bau des neuen Feuerhauses zwischen Franckstraße und Neuer Bahnhofstraße. Spätestens im September sollen die Bagger anrollen.
Die Zuschauerstühle waren schnell belegt, denn viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Vaihingen wollten es sich nicht nehmen lassen, der für sie historischen Sitzung beizuwohnen. Doch kaum hatten sie Platz genommen und Oberbürgermeister Gerd Maisch die Sitzung eröffnet, rannten einige von ihnen wieder aus dem Saal. Der Grund: Im Bereich des Vaihinger Ecks war ein Hund beim Gassigehen in ein Regenüberlaufrohr geplumpst und musste gerettet werden. Dem Hund konnte geholfen werden – den Floriansjüngern auch. Denn: Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau der neuen Feuerwache begonnen werden.
Oberbürgermeister Gerd Maisch schwor die Stadträte nochmals auf Einigkeit ein und wollte damit eine lange Diskussion vermeiden: „Wir haben die Baumaßnahme bereits sehr intensiv und mehrere Stunden lang vorberaten. Dazu haben wir die positiven Empfehlungen aus dem Stadtteilausschuss und dem Technischen Ausschuss.“
Am Ende waren es zwei Punkte, an denen sich die Geister schieden: eine Atemschutzstrecke für 404000 Euro sowie das geplante Flachdach. Da es im Landkreis Ludwigsburg bereits eine Atemschutzübungsstrecke gibt (in Ludwigsburg), sieht es mit der Förderung einer Strecke in Vaihingen schlecht aus. „Die Hürden sind hoch“, sagte der Verwaltungschef. Er versprach allerdings, dass die Verwaltung die Angelegenheit nochmals mit Kreisbrandmeister Arnd Marquardt und dem Regierungspräsidium Stuttgart erörtern wolle.
„Die Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Kommune und somit müssen wir auch eine vernünftige Arbeitsgrundlage zur Verfügung stellen“, sprach sich Stefan Wasserbäch (Freie Wähler, Horrheim) für die Realisierung der Übungsstrecke aus. Die Einrichtung später einmal nachzurüsten käme teurer. Friedrich Wahl (FDP, Vaihingen) ging davon aus, dass „in einem Landkreis mit fast 520000 Einwohnern die Strecke nicht nur von Vaihingen genutzt wird“. Seine Fraktion werde daher zustimmen. Er forderte allerdings OB Maisch bezüglich der Zuschüsse auf: „Bleiben Sie dran!“ Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach) stellte den Baubeschluss ebenfalls nicht in Frage. Allerdings müsse sich die Feuerwehr darüber Gedanken machen, wie man die Strecke auch anderen Wehren im Kreis zur Verfügung stellen kann.
Dr. Heike Tapken-Brust (Grüne, Enzweihingen) zeigte sich enttäuscht darüber, soviel Geld für eine Atemschutzübungsstrecke auszugeben. „Eine Strecke im Kreis reicht, das ist die Vorgabe“, sagte sie. Bei Kindergärten werde beispielsweise wegen 10000 „geknapst“, die Feuerwehr hingegen bekomme „ein Sahnehäubchen obendrauf gepackt“. Dies sah auch Fraktionskollege Armin Zeeb (Vaihingen) so: „Die Strecke in Ludwigsburg ist ausreichend. Wir können hier nicht guten Gewissens großzügig sein und andere mit fehlenden Mitteln abstrafen.“
„Sicherheit ist kein Luxus – da geht es um Leben oder Tod“, sagte Erich Hangstörfer (CDU, Gündelbach). Er sprach sich daher für die Atemschutzübungsstrecke aus, forderte aber ebenfalls von der Verwaltung, nochmals zu verhandeln. Stadtbrandmeister Thomas Fais wies darauf hin, dass jedes Feuerwehrmitglied alle zwölf Monate eine Atemschutzübung absolvieren müsse. „Das ist organisatorisch nicht mehr in Griff zu bekommen“, sagte Fais und appellierte an die Verantwortung: „Wenn nur einmal etwas passiert, steht anschließend der Staatsanwalt da.“ Im Übrigen werde niemand abgelehnt, der Interesse an der Benutzung der Vaihinger Strecke zeigt. Anfragen aus dem Enzkreis würden bereits vorliegen. In einer getrennten Abstimmung sprachen sich die Stadträte mehrheitlich bei vier Gegenstimmen der Grünen und einer Enthaltung für die Realisierung der Übungsstrecke aus.
Uneinigkeit herrschte im Gremium auch bezüglich der Dachform der neuen Feuerwache. „Es macht wohl keinen Sinn, ein Sattel- oder Pultdach zu nehmen“, sprach sich Friedrich Wahl für ein Flachdach aus. Eberhard Berg warnte: „Wir sollten davon Abstand nehmen.“ Es habe sich gezeigt dass diese Dächer Schwachpunkte haben, die man später teuer bezahlen muss – auch wenn sie eine leichte Neigung von zwei bis drei Grad haben. Wer etwas anderes als ein Pultdach beschließt, müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein, sagte der SPD-Stadtrat.
OB Maisch wies darauf hin, dass sich der Gemeinderat bereits mehrheitlich für das Flachdach ausgesprochen hat. Ein Pultdach sei nicht schlecht und auch nicht teurer. Doch wenn man die Planung jetzt nochmals ändere, müsse man wieder in den Planungsentwurf einsteigen, was Kosten zur Konsequenz hätte. Auf die entsprechende Frage von Erich Hangstörfer hin, sagte Stadtplaner Ernst Loos, dass ein gut gebautes Flachdach über 100 Jahre halten könne. Auch Eduard Aldinger (Freie Wähler, Enzweihingen) sprach sich gegen ein Flachdach aus. Aufgrund der Tatsache, dass auf dem Dach Lüftungstechnik installiert wird, vermutete er, dass im Rahmen von Wartungsarbeiten Teile des Dachs in Mitleidenschaft gezogen werden können. Letztlich sprach sich der Rat mehrheitlich für das Flachdach aus. Einstimmigkeit im Gremium herrschte dagegen beim anschließend gefassten Baubeschluss. Die neue Feuerwache wird rund 6,085 Millionen Euro kosten.




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