Ludwigsburg (oh). „Während sich die Anzahl der Verkehrsunfälle im Landkreis insbesondere durch den Anstieg im Bereich der Bagatellunfälle insgesamt erhöhte, fällt jedoch besonders positiv auf, dass die Unfälle mit Personenschaden rückläufig sind, vor allem im Bereich der Getöteten und Schwerverletzten“, sagte Frank Rebholz, der Leiter der Polizeidirektion Ludwigsburg anlässlich der Veröffentlichung der Verkehrsbilanz 2009.
Trotz dieses erfreulichen Trends ist aber insbesondere eine Zunahme der Unfälle bei der Gruppe der „jungen Fahrer“ zu verzeichnen. Rebholz sieht daher bei dieser Zielgruppe weiterhin einen Schwerpunkt polizeilicher Verkehrssicherheitsarbeit. „Wir werden unser Augenmerk noch deutlicher auf diese Risikogruppe richten“, sagte Rebholz.
Die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen ist an 24 Prozent aller Unfälle im Landkreis beteiligt, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung nur etwa acht Prozent beträgt. Den Fahranfängern und jungen Fahrern fehlt noch die Übung und Erfahrung im Umgang mit Fahrzeugen und in der Einschätzung von Verkehrssituationen. Viele junge Menschen pflegen einen risikoreichen Fahrstil, anstatt vorausschauend und defensiv unterwegs zu sein. Dies birgt zwangsläufig ein erhöhtes Gefährdungspotenzial.
Neben zahlreichen Zielgruppenprogrammen, die in enger Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht durchgeführt werden, hat sich auch im Kreis Ludwigsburg das „Begleitete Fahren ab 17“ etabliert. Diese Initiative ermöglicht jungen Fah-rern, sich mehr Fahrpraxis anzueignen und will sie früher für die Gefährdungen und Gefahren des Straßenverkehrs sensibilisieren.
Auf den Straßen des Landkreises (ohne Autobahnen) stieg die gesamte Zahl der Unfälle um 9,6 Prozent auf insgesamt 12393 (im Vorjahr: 11311) an.
Eine deutliche Zunahme um 12,8 Prozent ist insbesondere bei den Kleinstunfällen festzustellen. Diese werden statistisch nicht geführt, da nur solche Unfälle in der Statistik berücksichtigt werden, denen eine bedeutende Ordnungswidrigkeit beziehungsweise eine Straftat zu Grunde liegt. Rückgänge sind dagegen bei den Unfällen mit Personenschaden und hier insbesondere bei den Unfällen mit schwerverletzten bzw. getöteten Personen zu verzeichnen. Nach wie vor sind die Ursachen „Geschwindigkeit“ und „Vorfahrt“ bei den Unfällen mit Personenschaden auf den beiden vorderen Rängen. Die meisten tödlichen Unfälle lassen sich ebenfalls auf zu hohe Geschwindigkeit zurückführen.
Insgesamt starben 14 Menschen bei Verkehrsunfällen im Landkreis. Die Zahl an Verkehrstoten, die bereits seit einigen Jahren tendenziell rückläufig ist, konnte nunmehr auf den geringsten Stand seit dem Jahr 2000 gebracht werden. „Mit der Senkung der Zahl der Verkehrstoten auf dieses Ergebnis haben wir bereits viel erreicht. Dieser Umstand ist uns aber gleichzeitig auch Verpflichtung, in unseren Bemühungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit nicht nachzulassen. Wie in den Jahren zuvor gilt es daher, Unfallschwerpunkte zu entdecken, durch geeignete Maßnahmen zu entschärfen sowie entsprechende Unfalluntersuchungen durchzuführen“, erläu-tert Frank Rebholz.
Zum Vergleich: Im Jahr 1998 lag die Zahl der Verkehrstoten im Kreis Ludwigsburg noch bei 27, in den Siebzigerjahren sogar noch weit darüber, in Richtung der 100er-Marke (Jahr 1973: 95; Jahr 1978: 92). Insbesondere vor dem Hintergrund einer stetig zunehmenden Verkehrsdichte darf hier von einer langfristig günstigen Entwicklung gesprochen werden. Die Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei, die fortschreitende Entwicklung zur Verbesserung der passiven Sicherheit an Kraftfahrzeugen aber auch Bauvorhaben im öffentlichen Verkehrsraum tragen zu dieser Entwicklung bei.
Unfälle mit Kindern
sind zurückgegangen
Eine erfreuliche Entwicklung registrierte die Polizei bei den Verkehrsunfällen mit Kindern, die um 8,8 Prozent auf 146 (Vorjahr 160) zurückgegangen sind. Die Anzahl der Schulwegunfälle blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert bei 35. Unfälle mit Senioren sind um 1,8 Prozent auf 940 Fälle (Vorjahr 923 Fälle) leicht angestiegen.
Die Anzahl der festgestellten Alkoholfahrten ist im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert hoch geblieben. So wurden im Jahr 2009 bei verschiedenen Schwerpunktkontrollen aber auch im Rahmen der Streifendiensttätigkeit insgesamt 812 Personen wegen der Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkoholbeeinflussung beanstandet (Vorjahr: 813). In 461 Fällen wurden sofort Anträge auf die Entziehung der Fahrerlaubnis gestellt. Die Gesamtzahl der Alkoholunfälle reduzierte sich um 4,3 Prozent von 250 im Vorjahr auf 246 Unfälle. Hiervon wurden 230 von alkoholisierten Verkehrsteilnehmern verursacht. Bei 73 der durch Alkohol verursachten Verkehrsunfälle wurden Personen verletzt.
Im letzten Jahr wurden 448 Personen wegen des Fahrens unter Drogeneinfluss angezeigt (Vorjahr 346). In 36 Fällen sind Führerscheine sichergestellt oder beschlagnahmt worden. Die Unfälle mit unter Drogeneinfluss stehenden Beteiligten gingen von 27 auf 13 Fälle zurück. Bei zwölf dieser Unfälle waren die Betäubungsmit-telkonsumenten auch Verursacher und bei drei Unfällen wurden Personen verletzt. Trotz dieser positiven Bilanz geht die Polizei von einem nicht zu unterschätzenden Dunkelfeld aus, weshalb die bereits bestehende flächendeckende Kontrolldichte im Landkreis weiterhin aufrechterhalten wird.
Die Polizeidirektion Ludwigsburg wird auch in diesem Jahr einen ihrer Kontrollschwerpunkte in der Bekämpfung von Alkohol- und Drogenbeeinflussung im Straßenverkehr setzen.
