Ensingen (ub). Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch war gestern Morgen als Brunnenbohrer gefordert. Und das Hantieren mit den Schalthebeln machte dem Stadtoberhaupt sichtlich Spaß: Er wollte die Kabine bei kaltem Wind fast nicht mehr verlassen.
Mit der Erkundungsbohrung bis zu 500 Meter Tiefe will die Ensinger Mineral-Heilquellen GmbH in den Standort investieren und neue Mineralwasserressourcen für die nächsten Generationen erschließen. Derzeit sind sieben Brunnen rund um den Firmensitz in Ensingen aktiv; gestern startete die 15. Bohrung in der Firmengeschichte. 1,5 Millionen Euro investiert das Unternehmen in die neue Tiefbohrung – bei optimalem Verlauf sind drei Wasservorkommen nutzbar. Doch mit Ergebnissen wird erst in etwa sechs Monaten gerechnet.
„Das ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein gutes Signal“, freute sich der Vaihinger OB Gerd Maisch. Man müsse der Firma Ensinger – ein wichtiges Unternehmen in der Stadt – für diese Zukunftsinvestition gratulieren.
Grundlage für die neue Tiefbohrung waren ausführliche geologische Gutachten. Die Auswertungen von drei Probebohrungen der vergangenen Jahre, ein daraus erarbeitetes Grundwasser-Strömungsmodell und ein zwölf Monate dauerndes Genehmigungsverfahren beim Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau gingen dieser Erkundungsbohrung, bei der man aktuell in 30 Meter Tiefe angekommen ist, voraus.
„Diese Tiefbohrung bis 500 Meter ist einmalig in unserer bisherigen Firmengeschichte“, sagte gestern Thomas Fritz, geschäftsführender Gesellschafter von Ensinger. Zusammen mit dem Geologen Bernd Bühler (siehe auch Artikel „Vorsicht und höchste Sorgfalt“) ist sich Fritz einig: „Was uns erwartet, wissen wir nicht genau.“ Der Standort in der Nähe des Ensinger Schützenhauses wurde ausgewählt, weil er hydrogeologisch gesehen die größten Erfolgschancen verspricht. Fritz: „Wir durchbohren sechs verschiedene Gesteinsformationen und können im besten Fall in einigen Monaten drei unterschiedliche Wasservorkommen erschließen.“
Schon bisher werden am Standort zwei ganz unterschiedliche Mineralwasser-Typen aus sieben aktiven Brunnen abgefüllt. Ensinger Sport und Ensinger Schiller Quelle werden aus dem 80 Meter tiefen Gipskeuper gewonnen, der für die hohe Mineralisierung sorgt.
Darunter liegt der Horizont des Muschelkalks. Rund 200 Meter misst diese Gesteinsschicht, aus der Ensinger ebenfalls mineralisiertes Wasser gewinnt. Auf den Muschelkalk folgt der Buntsandstein mit einer Mächtigkeit von annähernd 400 Metern. Das dort vermutete Mineralwasservorkommen ist das Hauptziel der neuen Tiefbohrung auf 500 Meter.
„Spätestens wenn wir den Buntsandstein erreicht haben, wird die Spannung steigen. Man kann nie im Voraus wissen, was einen konkret erwartet“, so Thomas Fritz. „Von hochmineralisierter Sole bis hin zu geringmineralisiertem Thermalwasser dürfen wir mit allem rechnen.“ Die Wunschvorgabe, die auch die hohen Investitionskosten rechtfertigt, ist aber auch klar: Mit der Erkundungsbohrung am Rande des Ensinger Fleckenwaldes soll artesisches Mineralwasser gewonnen werden.
Der Transport des Wassers zum Firmensitz in der Horrheimer Straße ist dabei das kleinste Problem. Durch die Brunnen – zwei davon sind auf dem Firmensitz – besteht bereits ein Leitungsnetz. Der Brunnen der Bohrung Nummer zehn ist so nicht weit von der gestern gestarteten Tiefbohrung weg.
