Samstag, 04. Februar 2012

Tipps vom Gärtnermeister




Michael Müller mit dem Vlies, das für ein gutes Kleinklima sorgt.
Michael Müller mit dem Vlies, das für ein gutes Kleinklima sorgt.

Vaihingen (sr). Der Hickhack beim Wetter schlaucht. Mal kitzelt die Sonne, dann wieder knirscht der Schnee unterm Stiefel. Wie verkraften die Pflanzen und der Wirtschaftsfaktor Honigbiene die Extreme? Die VKZ fragte nach.
 Das Wohl der Honigbiene liegt logischerweise dem Imker am Herzen, geht aber alle Menschen etwas an. Denn 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge in Deutschland hängen von der Bestäubung der Honigbiene ab, meldet der Deutsche Imkerbund. „Damit nimmt die Honigbiene den dritten Platz der wichtigsten Nutztiere hinter Rind und Schwein ein“, so der Imkerbund weiter. Wie verkraftet das kleine, wichtige Insekt die Temperatursprünge der letzten Tage?
Gerhard Haffner kann im Moment Entwarnung geben: „Der Winter war noch nicht bienenwidrig.“ Der Imker lebe in der Hoffnung, dass die Bienen gut auswintern, sagt Haffner, 2. Vorsitzender des Bezirksimkervereins Vaihingen und Bienensachverständiger. Hin und wieder konnten die Hautflügler schon bei der Arbeit im Freien beobachtet werden. Haffner: „Ab circa acht Grad Celsius und bei wenig Wind fliegen sie raus.“ Dann wird Pollen an den Blüten von Weide, Hasel, Winterling und den anderen Frühblühern gesammelt. Besonders die Weidenkätzchen seien als Nahrungsspender wichtig und sollten blühen dürfen, so der Imker. Der Pollen werde im Bienenstock eingelagert und reize ab Ende Februar die Königin zur Eiablage. Nun sei wichtig, dass die Winterbienen, die im letzten Spätsommer geschlüpft sind, ihre sechs bis acht Monate Lebenserwartung in guter Verfassung ausschöpfen können. Nur so werde die nächste Generation von Bienen gut auf den Weg gebracht. Dann kann sich der Imker über eine gute Auswinterung freuen.
5000 bis 10000 Bienen pro Volk befinden sich gerade in der Behausung, häufig ein sogenanntes Magazin mit zwei Räumen. Dort, zwischen den Waben, zieht sich das Volk im Winter zur Wintertraube zusammen. Im Innern dieser lebenden Kugel sitzt die Königin, dort herrscht in der Regel eine Temperatur von 15 Grad Celsius. Gibt es junge Brut im Innern zu hüten, wird die Temperatur durch Muskelzittern auf 35 Grad Celsius erhöht. An der Wintertraube herrscht das Rotationsprinzip, wodurch jede Biene mal innen, mal außen sitzt. Fressen müssen die Insekten immer, in einem Winter verfüttert der Imker bis zu 20 Kilogramm Leckereien. Sobald die Brut gewärmt werden muss, nimmt auch der Energieverbrauch des Volkes schlagartig zu. Wenn er es sich aussuchen könnte, würde Imker Haffner sich einen gemächlichen und stetigen Temperaturanstieg wünschen. Denn wenn das Auf und Ab an der Quecksilbersäule weiter so dramatisch anhält, könnte das schon negative Auswirkungen auf den Erntehelfer und Honiglieferanten Honigbiene haben.
Pflanzen können
im Winter vertrocknen
Dass die Berg- und Talfahrt der Celsiusgrade auch an den Pflanzen nicht spurlos vorbei geht, weiß Gärtnermeister Michael Müller. „Die starke Märzsonne und die starken Nachtfröste im Wechsel, das ist erhöhter Stress für die Pflanzen“, so der Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei in Ensingen mit Ladengeschäft in Vaihingen. Die Pflanzen tauen in der Sonne oben auf und unten aus dem gefrorenen Wurzelbereich kann kein Wasser nachkommen. Bei einer solchen Witterung raffe beispielsweise nicht der Frost direkt Rosenstöcke dahin, sondern die Pflanze vertrockne. „Es ist wichtig, die Verdunstung einzudämmen“, rät der Fachmann. Deshalb sei es ratsam, die Rosenstöcke mit Reisig zu bedecken, um die Sogwirkung der Sonnenstrahlen abzuschwächen. Müller: „Das ist der Hauptgrund für die Reisigabdeckung.“ Eine Schneedecke ist immer gut, sie isoliert sowohl gegen Kälte, als auch gegen Sonnenlicht.
Obstgehölze seien in der Regel noch nicht in Gefahr. Kübelpflanzen sollten dagegen entweder ins Haus geholt oder mit einem Vlies abgedeckt werden. Unter dem künstlichen Schutz könne sich ein förderliches Kleinklima entfalten. Dort profitiert die Pflanze von einer höheren Luftfeuchtigkeit, höheren Temperaturen und auch einer gewissen Beschattung. Weitere Tipps des Gärtnermeisters: Die Überwinterungspflanzen gießen und auf Schädlingsbefall untersuchen. Das Frühbeet abends zumachen und tagsüber lüften. Als blühende Frühlingsboten eignen sich Stiefmütterchen, Bellis und Zwiebelpflanzen, bei Frost schon wieder kritisch seien Ranunkel und Primel.
Mit der Abhärtung von Stiefmütterchen kennt Müller sich aus. Rund 100000 Pflanzen werden in der Ensinger Gärtnerei seit November unter einfacher Folie gehegt und frieren auch mal ein. Das härtet ab und so sind die Müllerschen Stiefmütterle sogar auf der rauen Alb begehrt.




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