Freitag, 30. Juli 2010

Mehr Unfälle, weniger Verletzte




Der Illinger Motorradherbst gilt bei der Polizei als Präventionsmaßnahme. Foto: VKZ-Archiv
Der Illinger Motorradherbst gilt bei der Polizei als Präventionsmaßnahme. Foto: VKZ-Archiv

Enzkreis (ub). Gekracht hat es auf den Straßen des Enzkreises oft genug: 8434 Karambolagen registrierte die Polizeidirektion Pforzheim im letzten Jahr – 4,7 Prozent über dem Vorjahreswert, höher auch als der Landestrend. Trotz der höheren Zahl der Unfälle wurden aber weniger Menschen verletzt oder getötet.
 Die Zahl der Todesopfer ist von 14 auf zwölf gesunken, bei den Schwerverletzten gab es einen Rückgang von 7,8 Prozent auf 270 und auch bei den Leichtverletzten registrierte die jetzt von der Polizei vorgelegte Unfallstatistik im Vergleich zu 2008 einen Rückgang von 9,6 Prozent.
Nach Angaben von Polizeichef Burkhard Metzger entspreche die Zahl der zwölf Todesopfer – acht Autofahrer, zwei Fußgänger, ein Rad- und ein Motorradfahrer – dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Von den erschreckenden Vergleichsdaten aus den 70er Jahren mit rund 60 Verkehrstoten sei man weit entfernt. „Wir hoffen, dass wir mit unserer Verkehrsüberwachungsarbeit auch einen kleinen Anteil daran haben“, so der Leitende Polizeidirektor. Die Bilanz der polizeilichen Überwachungsmaßnahmen im vergangenen Jahr: 9883 Geschwindigkeitsverstöße, 4498 kontrollierte Lastwagen (1625 beanstandete Fahrzeuge, 78 Brummis wurde die Weiterfahrt untersagt), 380 Anzeigen im Bereich Alkohol, davon 143 Führerscheinentzüge, 93 Anzeigen bei Drogen, davon sieben Führerscheinentzüge.
Neben präventiven Maßnahmen wie die Schutzengelaktion gebe es jetzt in Kooperation mit der Stadt Pforzheim und dem Landratsamt Enzkreis eine weitere Kampagne. So sollen Informationen über Jugendliche, die bei Gewaltdelikten auffällig geworden sind, künftig an die Führerscheinstelle weitergeleitet werden. Diese wiederum kann die jungen Leute mit der „Gelben Karte“ verwarnen. Die jungen Fahrer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren stellen für die Polizei nach wie vor eine hohe Risikogruppe dar. Zwar, so Metzger, sei ihr Anteil nur acht Prozent an der Gesamtbevölkerung, aber die jungen Fahrer seien statistisch gesehen 15 Prozent aller Hauptverursacher von Unfällen, stellen mit 21 Prozent die alkoholisierten Hauptverursacher, sind mit 21 Prozent bei den Leichtverletzten dabei, mit 22 Prozent bei den Schwerverletzten, mit 33 Prozent bei den Getöteten und nehmen mit 50 Prozent die Spitzenstellung bei den Unfallverursachern unter Einfluss von Betäubungsmitteln ein.
Auch Kinder gehören zu den besonders Gefährdeten. 90 verletzte Kinder weist die Unfallstatistik der Polizeidirektion Pforzheim aus: davon 40 Prozent als Fußgänger, 31 Prozent als Radfahrer und 28 Prozent als Mitfahrer. Metzger: „Ein Schwerpunkt ist deshalb auch die Radfahrerausbildung.“ 3400 Schüler haben im vergangenen Jahr im Enzkreis ihren „Fahrrad-Führerschein“ erworben.
Bei den Unfällen mit motorisierten Zweirädern sei ein deutlicher Rückgang um zehn Prozent festzustellen. 211 Unfälle wurden insgesamt im Jahr 2009 registriert. Auch in diesem Bereich versuche die Polizei auf die Fahrer einzuwirken. Polizeichef Metzger nannte dabei den Illinger Motorradherbst als Beispiel für eine erfolgreiche Präventionsmaßnahme. „Das wollen wir gerne weiter unterstützen.“
Bei der Analyse der Hauptunfallursachen rangieren Verstöße beim Abbiegen oder Wenden (828) an erster Stelle, gefolgt von Vorfahrtverletzungen (612). Zu schnelle Geschwindigkeit war bei 395 Unfällen ursächlich, zu geringer Abstand bei 222 Karambolagen. Alkohol spielte bei 169 Unfällen die Hauptrolle, die Witterung bei 139 und das Überholen bei 91 Unfällen. Überhöhte Geschwindigkeit rangiere aber bei den Unfällen mit Verletzten oder Toten ganz vorne, habe allein fünf Menschen das Leben gekostet.
Auch die extremen Alkoholwerte lassen bei der Polizei in Pforzheim die Alarmglocken schrillen. Bei 120 Unfallfahrern ist ein Wert von mehr als 1,1 Promille gemessen worden. Gar mit 3,94 Promille war ein 29-Jähriger in Pforzheim unterwegs, dessen Chaosfahrt schließlich von einer Hauswand gestoppt wurde. Einen Führerschein hat der besoffene Fahrer allerdings nicht gehabt.




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