Rosswag (elf). Wenn am kommenden Sonntag (14. März) im Schloss Kaltenstein die Vaihinger Weinmesse stattfindet, wird in diesem Rahmen bereits zum 18. Mal der deutsche Lembergerpreis „Vaihinger Löwe“ verliehen. Zwei Tage lang werden hierfür im Probiersaal der alten Kelter in Roßwag insgesamt 198 edle Lembergerweine von elf Mitgliedern einer hochkarätigen Jury verkostet, bis die Sieger in drei Kategorien feststehen.
Das Prozedere ist immer wieder das gleiche und wird ständig wiederholt. Insgesamt ist es gestern und heute 198-mal zu beobachten: Bastian Walz gießt die Lemberger-Kostproben in die Gläser aller Jurymitglieder. Diese greifen nach einem Glas und erfassen den optischen Eindruck des eingeschenkten Tropfens. Ist der Wein schön dunkelrot? Ist er trüb oder klar? Wurde das äußere Erscheinungsbild begutachtet, kommt die Nase ins Spiel. Der Wein wird geschwenkt, die Aromen freigesetzt und die Gerüche analysiert. Schließlich riecht der Wein nicht nur nach Weintrauben. Jetzt wird ein Schluck in den Mund genommen. So viel, dass jeder Geschmacksnerv etwas davon abbekommt, so wenig, dass der Prüfer nicht gleich schlucken muss. Nachdem der Geschmack entschlüsselt wurde, wird der Beerensaft nicht geschluckt, sondern in einen Eimer gespuckt. Schließlich müssen alle nüchtern bleiben. Jetzt verkündet einer nach dem anderen seine vergebene Punktzahl und das Prozedere beginnt von Neuem.
Bis zu 20 Punkte dürfen vergeben werden: zwei für die Farbe und zwei für die Klarheit. Diese vier Punkte hat nahezu jeder eingereichte Wein sicher. Schließlich macht es keinen Sinn, einen Wein für eine Preisvergabe anzustellen, der nicht einmal den optischen Ansprüchen genügt. Nochmal vier Punkte gibt es für den Geruch, zwölf Punkte für den Geschmack. Kaum zu glauben: Obwohl blind verkostet wird und selbstverständlich keine Absprachen getroffen werden, differieren die vergebenen Punkte höchstens um einen oder zwei. „Das spricht für die Qualität der Jury“, sagt Albrecht Fischer, Sprecher der Weinmesse und Vorsitzender der Weingärtner im Bezirk Stromberg-Enztal. Und diese kann sich wahrlich sehen lassen. Neben Weingutbesitzern und Gastronomen sind auch Kellermeister und Journalisten dabei. Aushängeschild ist erneut die Sommeliere Natalie Lumpp. „Sie unterstreicht die Bedeutung des Lemberger-Preises auch über die Landesgrenzen hinaus“, sagt Fischer.
In dem bundesweit ausgelobten Wettbewerb haben 72 Betriebe (43 Weingüter und 29 Genossenschaften) insgesamt 198 Lemberger-Weine in den drei Kategorien Lemberger trocken, Lemberger mit mehr Restsüße als gesetzlich, trocken sowie Barrique-Lemberger trocken angestellt. Damit ist die Zahl der Weine etwas zurückgegangen, was laut Albrecht Fischer mehrere Gründe hat. Manche Weingüter haben nicht mehr genügend Wein zur Verfügung (mindestens 36 Flaschen pro angestelltem Wein müssen noch verkaufbar sein) oder haben ihn noch nicht abgefüllt. Mitunter lassen sich einige Weingutbesitzer auch von der in den letzten Jahren eingereichten Qualität der Weine abschrecken. „Weine, die vor 15 Jahren den Vaihinger Löwen gewonnen haben, haben heute keine Chance mehr“, weist Fischer auf die erhebliche Qualitätssteigerung im hiesigen Weinbau hin.
Wer letztlich in den drei Kategorien gewonnen hat, wird am kommenden Sonntag (14. März) im Schloss Kaltenstein im Rahmen der Vaihinger Weinmesse verraten. Die Messe, an der acht Vaihinger Betriebe teilnehmen, findet von 11 bis 18 Uhr in der Aula des CJD Jugenddorfs statt. Bei der feierlichen Preisverleihung wird neben Landrat Dr. Rainer Haas und Oberbürgermeister Gerd Maisch auch die Württembergische Weinkönigin Juliane Nägele anwesend sein. Nach der Preisverleihung können die Besucher neben den Siegerweinen insgesamt 100 Spitzenweine aus dem Enztal und dem Stromberg probieren.
