Mittwoch, 23. Mai 2012

Ein Blick ins Archiv






Andrea Majer führt durch das Archiv. Foto: Arning
Andrea Majer führt durch das Archiv. Foto: Arning

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vaihingen (aa). „Verborgenem auf der Spur“ hieß das Motto. Das Vaihinger Stadtarchiv hatte im Rahmen des bundesweiten Aktionstages am Samstag seine Türen geöffnet. Archivar Lothar Behr und seine Mitarbeiterin Andrea Majer präsentierten ihre Schätze aus der Geschichte der Stadt.
Andrea Majer kurbelt den Gang eines Rollschrankes auf, zeigt auf eine Wand mit orangefarbenen Akten. „Alles Bußgeldsachen“, lacht sie. Auch diese Unterlagen werden zur Sicherheit zehn Jahre lang im Stadtarchiv aufbewahrt. Man weiß ja nie. „Was uns das Rathaus schickt“, lande im Archiv, erklärt Majer vereinfacht die Aufgaben. Das ist städtisches Schriftgut, das nach Laufzeiten aufbewahrt werden muss. Irgendwann darf es dann auch vernichtet werden.
Und dann hat man hier Dinge verwahrt, die von Privatleuten übergeben oder hinterlegt werden, hat Sammlungen erworben. Viele Fotos sind dabei. Rund 7500 Aufnahmen umfasst die Fotosammlung; daneben verwahrt das Stadtarchiv noch die Nachlässe von Vaihinger Fotografen mit rund 45000 Bildern, überwiegend Porträt- und Gruppenaufnahmen. Als besonders reizvoll gilt die Sammlung der Ansichtskarten (circa 1300 Exemplare).
Im Archiv lagern fast lückenlos auch alle in Vaihingen erschienenen Zeitungen seit 1831 – der Grenz-Bote, die Landpost, der Enz-Bote, die Vaihinger Kreiszeitung. Einst konnte ein Jahrgang in einem übersichtlichen Band untergebracht werden; inzwischen sind es pro Jahr fünf mächtige Wälzer. Die Temperatur müsse gleichmäßig gehalten werden, erzählt Andrea Majer den Gästen, auch die Fenster seien normalerweise verhängt. Sonne schade altem Papier.
Ein Großteil der Stadtgeschichte spiegelt sich in den vorhandenen schriftlichen Unterlagen wider – von der Erstbesiedlung des Ortes bis zur Entstehung der Großen Kreisstadt Vaihingen. In Vitrinen ist zum Beispiel der Gültbrief von 1689 zu sehen. Es ist die einzige Originalurkunde, die aus der Zeit vor dem Stadtbrand von 1693 erhalten blieb. Alle übrigen Unterlagen, die sich damals im Archiv unter dem Rathaus befanden, wurden durch das Feuer vernichtet. Ausgestellt werden Akten des 18. Jahrhunderts. Die Inventuren und Teilungen stellen eine einmalige sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Quelle dar. Auch die Amtsbücher mit Gerichtsprotokollen, Bürgermeisterrechnungen, Steuer- und Güterbüchern enthalten eine Fülle von Informationen zur Geschichte.
Kein Archiv ohne Dienstbibliothek. Der aktuelle Umfang beträgt rund 5800 Einheiten, der durch einen alphabetischen und einen systematischen Katalog erschlossen ist. Es ist ein sogenannter Präsenzbestand. Das heißt: Die Bücher können nicht ausgeliehen werden. Doch bei Fragen steht das Archivteam immer gerne zur Verfügung. Die VKZ-Redaktion kann es bestätigen.

 

INFO

Das Stadtarchiv ist bei der Beantwortung von Fragen zur Geschichte der Stadt Vaihingen und der Stadtteile behilflich. Es verwaltet das rechtliche und historisch wichtige und zur dauernden Aufbewahrung bestimmte Schriftgut der Stadt Vaihingen und der Stadtteile, daneben auch andere Informationsträger, erschließt die Unterlagen durch genaue Verzeichnung und eröffnet der interessierten Öffentlichkeit damit einen Zugriff. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, Privat- und Vereinsarchive als Dauerleihgabe im Stadtarchiv unterzubringen. Die Benutzung des Stadtarchivs ist jedermann möglich. Für heimatkundliche und wissenschaftliche Forschungen wird keine Gebühr erhoben.

Das Stadtarchiv fördert die Erforschung und die Kenntnis der Stadtgeschichte durch Publikationen (Schriftenreihe der Stadt Vaihingen, Beihefte zur Schriftenreihe und Ausstellungen. Das Vaihinger Stadtarchiv wurde 1986 eingeweiht. Es befindet sich in der Spitalstraße 6, Telefon (07042) 98100. Stadtarchivar ist seit 1985 Lothar Behr. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.30 - 12 Uhr, Dienstag 14 - 16.30 Uhr, Donnerstag 14 - 18 Uhr. Über das Archiv werden Stadtführungen organisiert.


Seitenanfang