Dr. Markus Rösler ist der Grünen-Kandidat
Vaihingen (aa). Länge und Lautstärke des Beifalls täuschten. Für Susanne Schwarz-Zeeb wird am Dienstagabend bei der Nominierungsversammlung der Grünen zwar heftig applaudiert, doch am Ende zählen nur die grünen Stimmzettel. Und die sprechen eindeutig für Dr. Markus Rösler. Der 48-Jährige ist im Wahlkreis Vaihingen für Bündnis 90/Die Grünen als Kandidat für die Landtagswahlen im kommenden Jahr nominiert worden. Der erste im Land. 45:39 lautet das Ergebnis.
„Ich hab es geahnt, als ich die Gesichter im Saal gesehen habe.“ Susanne Schwarz-Zeeb (55) hat viele „Unbekannte“ im Nebenzimmer des Vaihinger Schwanen ausgemacht, Wähler von Markus Rösler, der zwar seit drei Jahren in Ensingen wohnt, seine Wurzeln jedoch in Gerlingen hat. Für die Vaihinger Stadträtin sind an diesem Abend nicht alle guten Dinge drei, wie sie ihre dritte Kandidatur um einen Landtagssitz umschrieben hat. Am Ende triumphiert der Herausforderer, der sich „fair und integrativ für alle Grüne engagieren“ will.
Der Raum ist überfüllt. Das „Duell“ Schwarz-Zeeb – Rösler verspricht einen hohen Unterhaltungswert. Jeweils 15 Minuten dürfen beide Kandidaten reden. Danach sind fünf Fragen in fünf Minuten zu beantworten. 128 Mitglieder gibt es bei den Grünen im Wahlkreis , 84 davon sind nach Vaihingen gekommen. Dirk Wehrhahn vom Kreisverband spricht von einem Riesen-Aufwind, in dem sich die Partei angeblich befindet: „Grün kommt! Wir müssen einen guten Wahlkampf machen, denn wir wollen das Land mitgestalten und brauchen gute Abgeordnete.“
Wer soll es im Landtagswahlbezirk richten? Die Sozialpädagogin Susanne Schwarz-Zeeb, Vaihinger Urgestein der Grünen, die es schon zweimal vergeblich versucht hat? Oder Dr. Markus Rösler, Wahlvaihinger, der als parlamentarischer Berater der Landtagsfraktion arbeitet.
Gemeinsames Ziel:
Schwarz-gelb muss weg
Das erste Ziel ist bei beiden eindeutig definiert: „Schwarz-gelb muss weg!“ Markus Rösler, hat eine Verknöcherung in der Bildungspolitik ausgemacht, spricht den Verschuldungsrekord an, beklagt Vernichtung von Arbeitsplätzen in der Agrarpolitik. Es gelte, schwarz-gelbe Wählerschichten für die Grünen zu erschließen, deutlich zu machen, „dass wir die bessere Politik machen“, wenn es um Bildung, Gentechnik, regenerative Energien, Verbraucherschutz und faire Preise gehe. Im Team aus verschiedenen Gemeinden des Wahlkreises soll der Wahlkampf betrieben werden, mit neuen Strategien und Überraschungseffekten. „Infostände bringen nichts, aber Nichtstun schadet“, findet Rösler.
Die Themen der Grünen seien schon längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt der 48-Jährige, der integrieren, moderieren und motivieren will. Der neue Ministerpräsident habe in seiner ersten Entscheidung (Steuer-CD) schon Schwächen gezeigt, findet Rösler. Er spricht sich für dezentrale Strukturen in der Bildungspolitik aus, bezeichnet die FDP als verlängerten Arm der LehmannBrothers-Bank, geißelt die Forderung nach mehr Straßenbau: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“ Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik sei entscheidend für die Zukunft. Und man müsse dem Naturschutz in Baden-Württemberg ein grünes Gesicht geben.
Souverän spult Rösler seine Themen ab. Er stehe für Vielfalt, meint er, „denn ich schaffe genauso gern mit Axt und Balkenmäher wie ich Konzepte entwickle und umsetze“. Und im Landtag, wo er seit drei Jahren als parlamentarischer Berater der Fraktion der Grünen tätig ist, „muss ich mich nicht erst noch einarbeiten".
Einen engagierten Wahlkampf verspricht Susanne Schwarz-Zeeb. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Vaihinger Gemeinderat will mit ganzer Kraft das Mandat für den Wahlkreis Vaihingen gewinnen. Soziale Gerechtigkeit, Bildung und Betreuung, Generationengerechtigkeit und Frauenpolitik sind die Dinge, die ihr neben Umwelt, Natur und Klimaschutz am Herzen liegen. Das Land habe zwar einen neuen Ministerpräsidenten, aber keinen mit neuen Ideen. Immer wieder macht Schwarz-Zeeb auf Dinge aufmerksam, die die Grünen im Vaihinger Gemeinderat erreicht haben, zum Beispiel den Familienpass. In 26 Jahren Kommunalpolitik habe sie gelernt, gute Haushaltspolitik zu gestalten, rühmt sich die Kandidatin. Seit 2003 seien die Vaihinger Schulden halbiert worden.
Sie fordert das Land auf, den Kommunen die nötigen Finanzmittel für die Bildung zur Verfügung zu stellen. Ein grundlegender Umbau des Schulsystems sei dringend nötig. Bisher habe es nur Schönheitsreparaturen gegeben. Auch bei der Umsetzung des Orientierungsplans im Kindergarten müsse sich das Land seiner Verantwortung stellen. Gefordert wird eine gesellschaftliche Debatte auf allen Ebenen über die Dinge, die die öffentliche Hand noch bezahlen kann. Gespart werden dürfe auf keinen Fall aber an Bildung und Betreuung. Flexible Betreuungsplätze für Kinder im Vorschul- und Kindergartenbereich seien dringend erforderlich, sagt die Mutter von drei erwachsenen Söhnen. Und eine Ganztagesschule, die den Namen auch verdient.
Kurze Fragerunde. Ist eine Schwarz-grüne Koalition vorstellbar? Schwarz-Zeeb: „Wenn grüne Politik sichtbar wird – zum Beispiel beim Atomausstieg.“ Rösler: „Mit Mappus wird es sicherlich schwerer.“ Abstimmung: 84 von 128 Wahlberechtigten sind anwesend. 45 votieren für Rösler, 39 für Schwarz-Zeeb. Der Herausforderer hat gewonnen. Die Niederlage schmerzt Susanne Schwarz-Zeeb sichtlich. Eine Mitarbeit im Wahlkampf will sie nicht versprechen.
Über die Chancen, die Rösler im Wahlkampf hat, wird in der Versammlung nicht geredet. Rösler stuft sie ohnehin nicht ganz so euphorisch ein wie Schwarz-Zeeb: „Auch 2006 hätte es mit den jetzt geltenden Wahlrecht nicht gereicht“, hat er errechnet. „Die Wahlrechtsreform hat die Chancen für die Grünen im Wahlkreis Vaihingen eher verschlechtert.“ Doch das hat ihn nicht abgehalten. „Ich freue mich riesig“, sagt er. „Das ist mein Heimatwahlkreis. woanders hätte ich nicht kandidiert.“
