Mittwoch, 23. Mai 2012

Erde auf – Kabel rein – Erde zu




Stück für Stück gräbt der Kabelpflug die Stromkabel ein, die vorher feinsäuberlich auf der Wiese bereitgelegt wurden. Foto: Elsässer
Stück für Stück gräbt der Kabelpflug die Stromkabel ein, die vorher feinsäuberlich auf der Wiese bereitgelegt wurden. Foto: Elsässer

Gündelbach (elf) – Mit einem modernen Kabelpflug verlegt die EnBW Regional AG derzeit Stromkabel zwischen Ensingen und Horrheim sowie zwischen Ensingen und Gündelbach. Damit investiert das Energieunternehmen in die Versorgungssicherheit und setzt dabei auf ein effizientes und umweltschonendes Arbeitsverfahren.
In gemächlichem Schritttempo arbeitet sich der Kabelpflug Meter für Meter nach vorne. Mehr als 28 Tonnen wiegt der Koloss und hinterlässt trotz seiner mächtigen Erscheinung kaum Spuren. Mit seinem Aufreißzahn bohrt er sich 1,40 Meter in die Erde hinein, schlitzt den Boden auf wie mit einem überdimensionalen Messer und spreizt das Erdreich. Auf beiden Seiten des Aufreißzahns angebrachte Schneiden drücken zwei aus jeweils drei Stromkabel bestehende Kabelsysteme samt Rohr in die Erde. Dazu wird Sand in den Graben geschüttet, damit die Kabel schön geschützt sind. Im gleichen Arbeitsgang wird der Erdboden wieder verschlossen. Auf diese Weise arbeitet sich das grüne Vehikel unermüdlich vorwärts und könnte dabei bis zu zweieinhalb Kilometer am Tag zurücklegen.
Das tut es aber nicht – zumindest nicht im aktuellen Einsatzgebiet, wo es dreimal die Mineralöl-Fernleitung der Deutschen Transalpine Ölleitung GmbH kreuzt, die von Ingolstadt nach Karlsruhe führt. Die sogenannte Tal-Leitung liegt in einer Tiefe von einem Meter unter dem Erdboden und transportiert Rohöl zu Raffinerien und Tanklagern. Sie muss besonders geschützt werden. In ihrem Bereich müssen die 20000-Volt-Mittelspannungskabel daher in offener Bauweise verlegt werden. Das heißt: „Es wird mit dem Bagger gebuddelt“, sagt Christian Körtelt-Maschino von der EnBW Regional AG. Zwischendurch muss auch mal ein Gehweg aufgerissen werden. So dauern die Pflugarbeiten im Bereich zwischen Ensingen, Horrheim und Gündelbach etwa sechs Wochen.
Noch ein Wort zum Kabelpflug. Der verfügt nicht etwa über einen eigenen Antrieb. Er wird vielmehr über eine Seilwinde von einem Unimog mit einer Zugkraft von bis zu 120 Tonnen gezogen. Pflug samt Unimog und Fahrer wurden von der Firma Lienhard Tief- und Rohrleitungsbau mit Sitz in Waldshut-Tiengen beauftragt. Die Firma Lienhard hat im Auftrag der EnBW bereits Stromkabel von Schützingen über den Füllmenbacher Hof und Häfnerhaslach bis nach Ochsenbach verlegt. „Wenn die mit ihren Arbeiten fertig sind, sieht es hinterher im Wald oft besser aus als vorher“, lobt Bauleiter Körtelt-Maschino. Das liege vor allem am Einsatz des Kabelpflugs. Wo er die Kabel verlegt hat, macht der Bagger wieder dicht. Anschließend geht es mit der Vibrationswalze drüber, bevor mit der Planierschaufel alles eben gemacht wird. „Im Bereich von Wiesen wird an den offenen Stellen wieder neu eingesät“, sagt der Bauleiter. Am Ende nimmt der Forst alles ab.
Mit den Mittelspannungskabeln wird die Energie-Infrastruktur der EnBW leistungsfähiger. Das Energieunternehmen reagiert auch auf den vermehrten Strombedarf in der Zukunft durch expandierendes Gewerbe und den Wohnbau. Laut EnBW sind die häufigsten Ursachen für Unterbrechungen der Stromversorgung witterungsbedingte Störungen. Ein Erdkabel bleibt im Gegensatz zu Freileitungen von direkten Blitzeinschlägen und Sturmschäden verschont. „Nach der Verkabelung können die bisherigen Freileitungstrassen abgebaut werden“, teilt Dagmar Jordan von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Energieriesen mit.
Bei der Verlegung dieser Mittelspannungskabel komme auch mehrmals das Spülbohrverfahren zum Einsatz. Dabei können Flächen unterquert werden, ohne den Boden aufzugraben. Damit wurden bereits letzte Woche die Leerrohre für die Mittelspannungskabel 110 Meter unter der Mülldeponie Horrheim durchgezogen. Im weiteren Verlauf der Verkabelung wird mit diesem Verfahren auch die Landesstraße 1131 zwischen Horrheim und Gündelbach sowie die Metter unterquert. Insgesamt investiert die EnBW Regional AG rund 400000 Euro in das Projekt. Bis Ende August soll die gesamt Verkabelungsmaßnahme inklusive dem Abriss der Freileitung angeschlossen sein.




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